78 Milliarden Franken wurden den Mietern in der Schweiz seit 2006 zu viel für ihre Wohnungen abgenommen – seit 16 Jahren jeden Monat im Schnitt 200 CHF. Die Studie des Mieterverbandes betont, diese Entwicklung der Mieten sei missbräuchlich, die Schweiz kenne per Gesetz keine Marktmiete.

Der Vermieter darf für eine Wohnung nicht so viel verlangen, wie der Markt hergibt, sondern nur so viel, wie erlaubt ist, nämlich die sog. Kostenmiete. In erster Linie wären die Vermieter also verpflichtet, die Mieten höchstens an den Referenzzinssatz anzupassen. Dieser ist seit 2008 kontinuierlich gesunken, auf derzeit 1,25 Prozent. Entsprechend hätten die Mieten reduziert werden müssen.

Gemäss einem Bundesgerichtsurteil dürfen Vermieter als Maximalrendite höchstens zwei Prozentpunkte mehr als den gesetzlichen Referenzzinssatz verlangen – aber bei Bauten, die nicht älter als dreissig Jahre alt sind.

Das Problem ist ganz einfach: Die Vermieter halten sich nicht ans Gesetz, und der Staat kontrolliert sie nicht. Die Mieten werden bei einem Mieterwechsel oft trotz sinkender Kosten nach oben angepasst. Und gemäss MV wurden in den letzten Jahren die Senkungen des Referenz-Zinssatzes nur in einem von sechs Mietverhältnissen zumindest teilweise weitergegeben.

Im Parlament sind ausserdem zahlreiche Vorstösse von rechts hängig, die das Mietrecht weiter aushöhlen wollen: So soll Mietern die Anfechtung des Anfangsmietzinses noch mehr erschwert werden: Die Mieten sollen mit dem (nicht beweisbaren) Argument der Orts- und Quartierüblichkeit legitimiert werden können.

Der MV verlangt seit Jahren wirksame Mietpreiskontrollen. Im Parlament sind entsprechende Vorstösse hängig, eingereicht von NR Jacqueline Badran (SP) und NR Carlo Sommaruga (SP). Konkret fordern sie eine periodische Revisionspflicht der Rendite auf den Mieteinnahmen bei Wohnimmobilien. Damit das durchkommt, müssten aber die Wahlberechtigten aber endlich andere Vertreter in die eidg. Räte wählen  …

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Comments to: 78 MIA CHF MIETZINS ZUVIEL AN DIE VERMIETER – 200 CHF PRO MONAT
  • März 4, 2022

    Die Vermieter:innen sollten den Neumieter:innen mittels eines Formulars (Formularpflicht) die Anfangsmiete bekannt geben müssen. Dies schafft Transparenz und hilft gegen Abzocke. Dazu braucht es einen echten Kündigungsschutz, wenn Mieter:innen von ihren Rechten Gebrauch machen.

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  • März 20, 2022

    Ein Mieter in Zürich hat einen Mietvertrag unterschrieben und zieht, kaum ist die Tinte trocken, gegen seinen neuen Vermieter vor Gericht. Der Mieter behauptet, der Mietzins, dem er soeben vertraglich zugestimmt habe, sei viel zu hoch.

    Der Vermieter bestand darauf, dass zu bezahlen sei, was im Vertrag stehe. Wer bekam Recht? Der Mieter! Der Widerruf, welcher wie ein eklatanter Verstoss gegen Treu und Glauben aussieht, ist rechtens, weil der Vermieter für die Wohnung neu 2400 Franken verlangte – pro Monat 400 Franken mehr, als der Vormieter bezahlt hatte. Die Wohnung wäre für den neuen Mieter also pro Jahr 4800 Franken teurer gewesen, als für seinen Vorgänger. (nach SRF)

    Klagen Sie gegen zu hohe Mietzinse, liebe Mieterinnen und Mieter!

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  • März 31, 2022

    Die tatsäch­li­chen Mie­tpreise stehen nun in der Schweiz nach einer Raiff­ei­sen-­Be­rech​​­nung 40% (!) über der gesetzlichen Kos­ten­mie­te, ob­wohl die Ren­dite den Re­fe­renz­zins­satz um nicht mehr als 0,5 Pro­zent ü­ber­stei­gen dürf­te. Schon heute sind viele Mie­tpreise il­le­gal: Die Ver­mie­ter pro­fi­tie­ren da­von, dass der einzelne Mieter gegen eine Wu­cher­mie­te kla­gen muss und ein allfälliger positiver Entscheid des Gerichts nur für ihn allein die Miete senkt. Deshalb ent­rich­ten die Schwei­zer jedes Jahr 6 Mia CHF zu viel Miete. Dass gegen überhöhte Mieten von Gesetzes wegen vorgegangen wird, war von der SP gegen die \”bürgerliche\” Mehrheit bisher leider nicht durchsetzbar. Auch dieser Einsatz der SP für eine Mehrheit in diesem Land wird von den Wählenden nicht honoriert.

    https://vimentis.ch/fuer-die-einhaltung-der-kostenmiete-gegen-hoehere-renditen/

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  • März 31, 2022

    Und warum wird dieser Einsatz der SP für diese Mehrheit nicht honoriert? Siehe mein Beitrag zum Zustand der SP.

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  • April 1, 2022

    Weil in der Schweiz die \”bürgerliche\” Mehrheit der Wählenden und Abstimmenden seit Jahrzehnten stramm die Vermieter unterstützt, kommen diese berechtigten Forderungen der SP nicht durch. Die demokratischen Mehrheitsentscheide in der Schweiz haben Sie, Herr Schneider, als in allen politischen Zusammenhängen hochkompetenter Bürger offensichtlich noch nicht zur Kenntnis genommen. Ich bin froh, dass ich Ihnen wieder einmal auf die Sprünge helfen konnte.

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  • April 1, 2022

    Die SP vermasselt doch mit ihrem uneingeschränkten Internationalismus ihre guten politischen Vorschläge in der Innenpolitik sowie mögliche Wahlerfolge.

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  • April 14, 2022

    Mit Kostenmiete definiert einen Mietzins, der zur vollständigen Deckung der laufenden Aufwendungen unter Berücksichtigung der tatsächlichen Finanzierungskosten erforderlich ist.

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