1. Sicherheit & Kriminalität

Antwort an Herrn Bruno Zoller zur Armee

Sehr ge­ehr­ter Herr Zol­ler,

Ich versuchte schon mal, Ihnen zu antworten. Aber wie üblich funktionierte das entsprechende Feld nicht und mein Text verschwand sofort. Ich komme erst jetzt wieder dazu und versuche es nochmals. (Es ist soeben wieder gescheitert. Deshalb publiziere ich meine Antwort an Sie als Artikel).

Ich habe den sarkastischen Vergleich mit dem Gesundheitswesen bewusst gemacht, um das Problem der selbstverschuldeten Wehrlosigkeit der Schweiz an einem Beispiel zu zeigen, das jedermann versteht. Aber Sie haben natürlich recht, was Krankheiten, Unfälle und das Gesundheitswesen betrifft. Ohne die moderne Medizin wäre ich schon seit vielen Jahren tot. Aber auch in diesem Bereich weigern wir uns, die langfristigen Zusammenhänge zu sehen. Falls der Forschung nicht ein sensationeller Durchbruch gelingt, werden die Gesundheitskosten ins unermessliche steigen. Aber wir diskutieren nicht darüber, sondern nur, wie und wo man den Menschen noch mehr Geld wegnehmen kann, um diese jährlich wachsenden Kosten zu decken. Aber das Thema ist unpopulär und ist ethisch heikel, so wird es eben nicht diskutiert.

Nun zu Krieg und Armeen. Ihre Frage “wann gab es zuletzt Krieg in der Schweiz” müsste im Zusammenhang mit meiner Argumentation anders gestellt werden: “Warum war die Schweiz schon so lange nicht mehr im Krieg?”. Weil wir in allen Kriegen, die in den letzten 150 Jahren in Europa stattfanden, eine für mögliche Angreifer zu starke Armee hatten. Das ist jetzt vorbei und wir sind wehrlos, verletzen damit auch noch das Haager Abkommen, in dem die Mächte die Neutralität anerkannten, aber dem neutralen Staat im Gegenzug die PFLICHT auferlegten, jeder Kriegspartei die Benützung ihres Territoriums notfalls – so wörtlich – „GEWALTSAM“ zu verwehren. So werden sich im möglichen nächsten Krieg alle beteiligten grössere Mächte beeilen, unsere strategisch so wichtigen Alpentransversalen, die Ost-Westverbindungen,​ unsere Flugplätze etc. so rasch als möglich zu besetzen, um sie erstens für ihre eigenen Zwecke zu benützen, und zweitens um zu verhindern, dass ihr Gegner sie benützen kann.

Weiter sagen Sie “Doch ist Krieg auch nicht etwas, das einen in kürzester Zeit befällt, wie beispielsweise eine Krankheit”. Aber wenn zwischen den Mächten grosse Spannungen bestehen, kann es sehr schnell gehen. Eine Armee aufzubauen benötigt mindesten 10-15 Jahre. Sogar der Bundesrat sagt im Sicherheitsbericht 2016, „Nach dem Kalten Krieg haben die russischen Streitkräfte hätten einen beispiellosen Niedergang erlebt“. Das stimmt und Russland versuchte lange, statt aufzurüsten, mit dem Westen ein einvernehmliches Verhältnis aufzubauen. Statt dessen wurde es von den USA/NATO arrogant abgewiesen und dafür wurde um seine Westgrenze eine militärische Bedrohung aufgebaut (gegenwärtig baut die US Marine in der Ukraine, am Schwarzen Meer, eine Basis). Alle führenden russischen Politiker und Militärs habe immer wieder gesagt, diese Bedrohung an der Grenze nicht akzeptieren zu können und militärisch dagegen vorzugehen, falls keine einvernehmliche Lösung möglich wäre. (Wie US Präsident Kennedy 1962 im umgekehrten Fall). Deshalb fing Russland vor ca. 10 Jahren an, aufzurüsten und immer wieder grosse Manöver durchzuführen, oft über riesige Distanzen. So um das Jahr 2020 dürfte es militärisch in der Lage sein, gegen die US/NATO-Bedrohung an seiner Grenze vorzugehen. Alles weitere hängt dann von der Reaktion der USA ab.

Da wir die Armee praktisch abgeschafft haben, werden wir selbstverschuldet wehrlos in einen nächsten Krieg in Europa mit hineingerissen. (Sie finden die Argumente in anderen meiner Vimentis-Artikel). Übrigens sagt auch der Bundesrat, unsere Armee solle nicht mehr über die „Verteidigungsfähigke​it“ verfügen, also fähig sein Land und Leute zu verteidigen. Sie soll nur noch „im kleinstmöglichen Umfang“ ein paar Truppen unterhalten, die die “Verteidigungskompete​nz”, das “savoir-faire” aufrechterhalten und weiter entwickeln. Die also noch wissen, wie eine Schweizer Armee kämpfen würde, falls wir noch eine hätten. Der Bundesrat fügte noch an, im Falle „konkreter Bedrohungen soll die Bereitschaft zur Abwehr eines militärischen Angriffs rasch erhöht werden“. Wie kann man angesichts der Dauer eines Aufbaues einer kriegsverhindernden Armee und den heutigen schnellen, weitreichenden Waffen der Grossmächte (Hyperschall, Prompt Global Strike, Interkontinentalraket​en) etc. eine derart dilettantische Aussage machen? (All das können Sie in den Unterlagen des Bundesrates zur WEA selber nachlesen). Ich will nicht länger werden. Hier noch ein letzten Hinweis: Während der Bundesrat praktisch nur den Cyberkrieg und den Einsatz einiger Spezialtruppen als mögliche Kriegsform darstellt und sagt, schweres Kriegsmaterial werde kaum mehr zum Einsatz kommen, fordert gegenwärtig die EU-Kommission für die nächsten Jahre 6,5 Milliarden Euro, um Europas Strassen besser für die Verschiebung von schweren Kampfverbänden mit ihren zahlreichen Panzern vorzubereiten. Dazu passt, dass Russland neben seinen zahlreichen Panzerverbänden auch noch eine Panzerarmee, die 1. Garde-Panzerarmee, wieder aufgebaut hat.

Mit freundlichen Grüssen Gotthard Frick

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
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Comments to: Antwort an Herrn Bruno Zoller zur Armee
  • Juni 8, 2018

    Wenn ich mir den Klonflikt Trump vs. G6 ansehe, könnte es sein, dass der Westen nicht mehr so zusammenhält wie bisher.

    Wenn dann noch Trump bis 2024 regiert, wer weiss?

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  • Juni 9, 2018

    Aufrüsten in einer Zeit des erneuten Misstrauens auf der Welt scheint mir für die Schweiz angezeigt. Wir liegen im Zentrum von Europa. Mit einer starken, auf Abwehr angelegten Armee wären wir ein ” “beruhigender Punkt” Als “Hüter” der wichtigsten Flüsse und wichtiger Alpentransversalen können wir mit starker Präsenz einen wichtigen Beitrag zum Frieden leisten.

    Wenn aber Trump sein Zerstörungswerk noch lange fortsetzt, wird er uns alle in mehrere Kriege verwickeln. Sein dümmliches Verhalten in Wirtschaftsfragen, der einseitigen Kündigung von internationalen Abkommen, der Wirtschaftskrieg zwischen Freunden und die täglich wechselnden Meinungsschwankungen zeigen seinen egomanischen Machtanspruch. Der Schaden ist schon gross. Amerika hat das nicht verdient.

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    • Juni 19, 2018

      Als neutrales Land sind wir sogar Völkerrechtlich verpflichtet unser Territorium so zu verteidigen, dass kein Nachbarland über unser Land angegriffen werden kann.

      Jedes Recht bedingt aber auch eine Pflicht der wir nachkommen müssen, es ist auch unser Interesse, dass unser Land nicht zum Schlachtfeld fremder Mächte wird, denn da würde unser Volk am meisten zu Leiden haben.

      Wichtig ist, dass wir jeder Zeit klarmachen können, dass wir mit Stärke und Willen jedem entgegentreten der uns Schaden will und es viel Blut und Material kostet hier einzufallen.

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    • Juli 3, 2018

      Eine Erpressung würde genügen. Da das Verteidigungsgebiet hauptsächlich der Alpenraum wäre, müsste der Feind nur z.B. die zurückgelassene Bevölkerung von Basel, Schaffhausen, Genf, Lugano, St, Gallen oder so zusammentreiben und der Schweiz ein Ultimatum stellen: Kapitulation und Übergabe der intakten, unversehrten Verkehrswege oder es werden jeden Tag 1000 der Terrorsympatisanten aus Basel, Schaffhausen… hingerichtet. Sage jetzt keiner, dazu wären die Nazis nicht fähig gewesen, sagen Sie nicht, ein zukünftiger Feind sei dazu nicht fähig. Sagen Sie nicht, eine der jetzt kriegsführenden Nationen halte sich an das Völkerrecht.

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    • Juli 15, 2018

      Frankreich, Polen, Holland und andere sind nach England emigriert und haben von dort aus an der Befreiung ihrer Länder mit Unterstützung der Widerstandes im gekämpft.
      Da sie Jung sind konnten sie das nicht wissen.

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    • Juli 21, 2018

      Da Sier wohl sehr alt sind, kennen Sie eh nur die Geschichten von Tell, Winkelried und Moorgarten. Die haben aber wenig bis nichts mit der Realtität zu tun. Sagen Sie mir, wie Sie bei so einer Erpressung vorgehen würden oder wie die damalige schweizer Regierung im Reduit dagegen hätte vorgehen sollen.

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  • Juni 10, 2018

    Ich kann mir vorstellen, dass in einem Krieg der Gotthard und die Alpenpässe wieder strategisch wichtig sein könnten.

    Schliessl​ich hat die Schweiz den Gotthard für alle anderen mustergültig ausgebaut.

    Gerade eben hat Trump den Beschluss des G7-Gipfels boykottiert und bewiesen, wie unberechenbar er ist.

    EIne Stunde zuvor ist er freundlich und man hat einen Minimalkonsens, eine Stunde später twittert er das Gegenteil.

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