Vor Mo­na­ten er­hielt ich nur 42%-­Zu­stim­mung zu mei­nem Ar­ti­kel, dass die Strom­preise fal­len wer­den. Zu­ge­ge­ben, ein Teil des ein­ge­tre­te­nen Preis­ver­falls ist kon­junk­tur­be­dingt​ und das Tempo überrascht selbst mich. In die­sem Ar­ti­kel erkläre ich, warum es weder neue Überlandleitungen noch neue Pumpspei­cher­kraft­w​erke braucht. Wir geben nämlich jetzt Gas.

Gas ist CO₂-neutral

Das hätten Sie nicht gedacht, ist aber so. Zwar wird bei der Verbrennung von Erdgas und Methan Kohlendioxyd (CO₂) erzeugt, aber der Prozess lässt sich auch umkehren. Unter Energiezufuhr kann Wasser (H₂O) in Wasserstoff (H₂) und Sauerstoff (O₂) aufgespalten werden. Nun ist Wasserstoff hoch explosiv. Daher wird mit dem seit langem bekannten Sabatier-Prozess aus Kohlendioxyd (CO₂) und gefährlichem Wasserstoff (H₂) des gut handhabbare Methan (CH₄) und Wasser. Mit anderen Worten: Mit der Überschussenergie aus Wind- und Sonnenergie wird aus CO₂ wieder Methan. Methan ist eine Form von Erdgas.

Gas ist gut transportierbar und lagerbar

Haben Sie schon von Bürgerprotesten gegen neue Gasleitungen gehört? – Ich habe zur Sicherheit noch danach gesucht. Fehlanzeige. Einer der ersten Treffer im Internet war folgender Artikel: http://www.netzentwic​klungsplan.de/stellun​gnahme/545, der die hier vertretenen Meinung teilt und die Vorteile von Gas betont. Mit Gas können wir auf bestehende Kapazitäten für Lagerung von Energie, Verteilung und Verbrauch von Energie zurückgreifen.

Währe​nd alle deutschen Pumpspeicherkraftwerk​e Deutschland nur gerade mal eine Halbe Stunde mit Strom versorgen können, kann man Deutschland bereits mit der heutigen Speicherkapazität 2 Monate lang mit den Gasvorräten mit Strom versorgen (Spektrum der Wissenschaft 1/2012 S. 78, 4/2012 S. 79).

Ineffizienz kein Problem

Sowohl die Gewinnung von Solarstrom, als auch von Windstrom ist ineffizient. Ebenso die Umwandlung von Strom zu Wasserstoff. Aber was soll’s: das Potential an Alternativenergie ist derart gross, dass diese Ineffizienzen keine Rolle spielen. Die Überschussenergie am Mittag oder bei Starkwind steht ja praktisch zum Nulltarif zur Verfügung.

Zudem, da die Vorgänge sehr ineffizient sind, bieten sie viel Raum für technische Entwicklungen. Kommt dazu, dass die Umwandlung von Gas in Strom und Wärme sehr effizient geschieht. In den Speicher und die Leitungen geht also Energie verloren, danach aber praktisch keine mehr.

Fazit: Die Ausstiegsstrategie auf der Basis von Gas ist richtig.

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Comments to: Atomausstieg: Geben wir Gas!
  • September 30, 2012

    Einerseits wird teilweise angeführt, die Schweiz sei im Energiebereich zu abhängig vom Ausland (Argument von “energiestiftung.ch​”), aber andererseits will man die Atomkraftwerke durch Gaskraftwerke ersetzen, welche noch viel mehr auf eine regelmässige Versorgung vom Ausland angewiesen sind.

    Die aktuelle Schweizer Energiepolitik droht wegen Bundesbern zu einem Schlamassel zu werden, was sich am Ende wieder mal negativ auf das Schweizer Portemonnaie auswirken wird.

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    • Juli 19, 2021

      Genau, und das Uran bauen wir in der Surselva ab, um energieautark zu werden. Dann brauchen wir nur noch die Grenzen zu schliessen, leben von den Emmentaler Überschüssen und trinken Fendant dazu. Prost!

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  • Oktober 2, 2012

    Ich finde diesen Ansatz auch prüfenswert. In der Theorie müsste es klappen, ob es in der Praxis für grossindustrielle Dimensionen klappt, wäre zu testen.

    Was es aber nicht löst ist die Grundfrage der Primärenergiegewinnun​g. Für die Gasgewinnung braucht man Energie, da kommt man nicht drum rum. Somit resultieren hier nur Vorteile in der Speicherung und dem Transport. Da die europäischen Pumpspeicherkapaziäte​n (vor allem die der Alpen) limitiert sind, (sie können zb Stromspitzen von Windtagen nicht genügend auffangen) und die Stromproduktion schlusssendlich eine europäische Sache ist, könnte es für das Ausland tatsächlich ein Option sein. Hingegen für die Schweiz als Wasserschloss und heutiger Selbstversorger wäre es nicht sinnvoll. Für grosse Gasspeicher die einen Vorrat von 4-6 Monaten aufweisen, fehlt hier der Platz und wohl auch die Akzeptanz.

    Nun ja viele Wege führen nach Rom, möglicherweise wäre es eine Ergänzung. Das Hauptproblem, den Wegfall von über 40% der Primärenergie der Kernkraftwerke wird es nicht lösen, denn die wegfallenden Anteile werden entweder im Land eingespart werden müssen, durch neue Energiequellen ersetzt werden oder sie müssen eben importiert werden. Falls ein Import nicht auf dem politischen Plan steht (ist heute kaum durchsetzbar) bleiben also nur sparen, und versuchen in einen Energiemix überzugehen, der eine mittel-langfristige Reduktion der Kernenergie beinhaltet. Ob das Wegfallen von 40% durch die Massnahmen aufgefangen werden können, wird sich zeigen. Ich bin da pessimistisch. Das Bevölkerungswachstum,​ die zunehmende Digitalisierung der Haushalte und die Elektromobilisierung sprechen dagegen.

    Nach all dem Geschrei um die alten Meiler von Mühleberg und Beznau müsste man sich konsequenterweise Fragen ob es nicht sinnvoller wäre, die 3 antiken mit Urantabletten befeuerten Dampfkessel abzuschalten und halt als Übergangslösung DOCH ein neues Ersatz KKW anzuschaffen. Heutige KKW haben eine Leistung um 1.6GW, die alten Meiler haben zusammen gut 1GW. Sollte man die später Gösgen vom Netz nehmen, können so 4 Reaktoren vom Netz genommen werden im Austausch von einem neuen, und hat immer noch genügend Kapazität. Mit den laufend freiwerdenden Kapazitäten durch Effizienzsteigerung und erneuerbaren Kapazitäten könnte dann auch Leibstadt und am Ende möglicherweise auch das Neue vom Netz genommen werden.

    Mit dem voreiligen überhasteten Ausstieg hat sich der Bundesrat in die Ecke gedrängt, aus der er nicht mehr rauskommt.

    Was jetzt folgt ist ein unsägliches Volksanlügen, mit verfehlten Zielen, unsäglichen Marktverzerrungen, Aufrechterhaltung von Ogliopolen, usw.

    Keine Guten Aussichten…

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    • Juli 19, 2021

      Ich denke auch, dass der Markt es richten wird. So wie neue Pumpspeicherwerke bereits nicht mehr rentieren, werden auch andere Lösungen schon bald verschwinden. Schade das die öffentliche Hand für all die Fehlinvestitionen gerade stehen muss.

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    • Juli 19, 2021

      Das mit den Pumpwerken ist noch lange nicht gestorben. Die “Vergoldung” findet jetzt halt zeitlich verschoben eher im Winterhalbjahr. statt. In den Sommermonaten haben wir ideale Bedingungen für Windkraft (bei Tiefdruckwetter) oder Photovoltatik (bei Hochdruckwetter). Somit ergänzen sich die beiden. Im Winter ist es aber vorbei mit der Brüderlichkeit. Die Sonne fällt als Lieferant praktisch weg, zudem ein höherer Energieverbrauch durch jahreszeitliche Bedingungen resultiert. Hier kommen nun die “Wasserbatterien” ins Spiel. Diese können helfen die Ausfälle der Photovoltatik zu decken und aus den hohen unregelmässigen Spitzen des Windstromes planbaren Spitzenstrom bei Bedarf zu produzieren. Die heutigen Energieversorger müssen sich halt auf diese Veränderungen einstellen. Daran führt nichts vorbei… deshalb aber abschreiben, eher nein

      ich finde es übrigens völlig daneben wenn solche Grossinvestitionen wie Pumpspeicheranlagen auf der kurzen Bank abgeschrieben werden nur um so verzerrte Rentabilitätsziele zu erreichen. Schliesslich ist so ein Bauwerk auf 200 Jahre ausgelegt (ist bei Talsperren so). Dementsprechend müssten die Investitionen ja auch auf diese Zeit ausgelegt werden. Das macht aber kein halbwegs normaler Planer. Das Ganze muss noch beim eigenen Ableben rentieren, also möglichst auf 20 Jahre. Hätten das unsere Grossväter auch so gemacht wären heute Bauwerke wie die Grande Dixence, Grimsel, Verzasca usw alle nie gebaut worden…

      aber damals hatte man eben noch den Weitblick, und machte mal, und diskutierte es nicht zu Tode, hätte man das Drama um die Grimselmauererhöhung schon damals gewusst, hätte man die Mauer gross genug gebaut, so würde man heute (seit fast 20Jahren) nicht um ein Wäldchen schtürmen, das es ohne den Stausee gar nie gegeben hätte….

      naja Schweiz halt…

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  • Oktober 12, 2012

    1. Ich sehe eine breitgefächerte Energiebereitstellung​. Gas, Gaskombikraftwerke, Kleinkraftwerke, Biogas-Werke, und auch Wind- und Solarstromanlagen. Wenn die Politik die Türen öffnen würde, könnte die Warteschlange der eingegebenen Solaranlagen endlich abgebaut werde. Wie sehen Sie das?
    2. Auch wichtig: Energie-Verschwendung​ verlangsamen: Elektroheizungen in leeren 2.Wohnungen, Ersatz von alten Elektromotoren, Pumpen, Kühlgeräten. LED-Verwendung vorantreiben (Was man beim EKZ z.T. sehr vermisst).
    3. Wind-u.Solarkraftwerk​e sind in Deutschland so rasch angestiegen, dass es den teuren Mittagstrom aus der Schweiz nicht mehr zu kaufen braucht. Wer unserer Stromhersteller hat da geschlafen oder aufs falsche Pferd gesetzt?

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