1. Volkswirtschaftslehre

Beschäftigungseffekt von Mindestlöhnen

„Mindestlöhne nehmen in der Ökonomie einen wichtigen Stellenwert ein – jüngst erhielt mit David Card sogar ein Ökonom den Wirtschaftsnobelpreis für seine Mindestlohnforschung. In den letzten Jahrzehnten wurden unzählige Studien zu diesem Thema publiziert. Dabei geht es meistens um die Frage, welchen Effekt die Einführung eines Mindestlohns auf die Beschäftigung hat.

Auf den ersten Blick scheint die Antwort klar: Bei vollkommenem Wettbewerb erhöht ein Mindestlohn den Preis für Arbeitskräfte, wodurch die Unternehmen ihre Nachfrage nach Arbeitskräften senken. Dieses Phänomen kann man bei den allermeisten Gütern und Dienstleistungen beobachten: Steigt beispielsweise der Preis für Äpfel, werden weniger davon gekauft.

Bei einer genaueren Betrachtung kann die Antwort aber auch anders ausfallen. Denn auf dem Arbeitsmarkt kann es zu sogenannten Friktionen kommen, das heisst zu Situationen, bei denen der Wettbewerb nicht spielt. Liegt aufgrund fehlenden Wettbewerbs etwa eine Preissetzungsmacht seitens der Unternehmen vor (z. B. Monopson oder Oligopson), muss die Einführung eines Mindestlohns die Beschäftigung nicht reduzieren.

Denn besitzt ein Unternehmen Marktmacht, kann es Löhne bezahlen, die unter dem Gleichgewichtspreis liegen. Die Einführung eines Mindestlohns kann dann die Löhne auf den Gleichgewichtspreis heben, wodurch die Beschäftigung sogar ansteigen würde. Zu diesem Schluss kam etwa eine viel beachtete Studie des Ökonomen David Card und seines Co-Autors Alan B. Krueger, die die Beschäftigungseffekte eines Mindestlohns bei Fast-Food-Ketten in New Jersey untersuchten (Card und Krueger, 1994).“ (Auszug aus Luc Zobrist: „Mindestlöhne wirken wenig zielgerichtet gegen Armut“ in Die Volkswirtschaft 1-2/2022, 22.12.2021)

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Comments to: Beschäftigungseffekt von Mindestlöhnen
  • Januar 1, 2022

    Ein landesweiter Mindestlohn von 23 CHF hätte den Effekt,

    1. dass die Sozialämter (also die Steuernzahlenden) unterbezahlte Arbeitnehmer nicht mehr zugunsten der Arbeitgeber subventionieren müssten,
    2. dass mehr Leute mehr konsumieren und damit die Wirtschaft unterstützen könnten,
    3. dass auf einen Schlag über die Hälfte der Frauenlöhne, die immer noch unter den Männerlöhnen liegen, angeglichen würde.

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