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Chin. Mosaiksteinchen zu: Ist es weltweit fünf vor Zwölf?

Da die zusätzlichen In­for­ma­tio­nen über China zum heu­ti­gen Ar­ti­kel Ist es – welt­weit – fünf vor Zwölf? wahrscheinlich für einen wei­te­ren Kreis von In­ter­esse sind, ko­piere ich sie hier von mei­nem Kom­men­tar zum Artikel.

Einige Mosaiksteine zum China-Bild (Quellen: China Daily, Global Times, Chinesische Nachrichten, alle Beijing; Fitch Rating, Hongkong).

Jährlich verschwinden in China 200’000 kleine Kinder spurlos. Sie werden verschiedenen “Zwecken” zugeführt. 
Wegen der Einkinderpolitik und der Bevorzugung von Knaben, weswegen viele Mädchen abgetrieben werden, soll es bereits 50 Millionen mehr Knaben und junge Männer als  Mädchen und junge Frauen geben. Allein in der Provinz Guangdong mit 106 Millionen Einwohnern ergab die soeben abgeschlossene Volkszählung einen männlichen Überschuss bei der jungen Generation von 5.6 Millionen. (China hat 22 Provinzen (ohne Taiwan), 6 autonome Provinzen (Minderheiten) und 5 der Zentralregierung unterstellte Grossstädte).
Die Chinesen nennen die Menschen, die noch auf dem Land leben, (ca. 500-600 Millionen) die “3860 Truppe”, da diese Bevölkerung viele Frauen bis 38 mit ihren Kindern und über 60-jährige umfasst.
Es gibt bereits 123 Millionen 65-jährige und ältere, die meisten ohne Renten und medizinische Versorgung in prekären Verhältnissen und meistens auf dem Land leben. Vor kurzem erliess die Regierung eine Weisung, wonach die Kinder, die in den Städten beruflich tätig sind, ihre Eltern auf dem Land besuchen müssen.

Die Interbank-Zinsen sind kürzlich auf Rekordhöhen gestiegen und oszillierten im Mai/Juni 2013 zwischen ca. 5.5% und 20%.
Schuldenwirtschaf​t: Bei den folgenden Zahlen ist zu berücksichtigen, dass die Löhne und Kosten nur wenige Prozente der unsrigen ausmachen, d.h. sie wiegen verhältnismässig viel schwerer, als die Zahlen suggerieren.
Die Oberste Finanzkontrolle warnte kürzlich vor der Schuldenwirtschaft. So sollen 36 lokale Regierungen, darunter die von Schanghai, Tianjin und Chongqing, 625 Milliarden $ Schulden haben, 70 Milliarden mehr als im Vorjahr.
Die 50 Universitäten der Provin Guangdong haben 1.5 Milliarden Franken Schulden. Sie bauten mit den Budgets Parks, Seen, stellten Skulpturen auf, und mussten dann das Geld aufnehmen, um den Betrieb zu finanzieren.

2012 wurde wegen eines Ponzi-Skandals (Pyramiden-System) eine verbrecherische Firma mit 3.9 Milliarden $ Schulden gestoppt. Der Prozess gegen die Drahzieher ist gegenwärtig (Juni 2013) im Gang.
Das soeben aufgelöste Eisenbahnministerium hatte Ende 2012 410 Milliarden Franken Schulden. Die lokale Eisenbahnverwaltung von Schanghai machte im Jahr 2012 2 Milliarden Franken Verlust, diejenige von Nanchang 1.2 Milliarden.
Die Schulden aller Firmen sollen gegenwärtig fast 200% des Brutto Inlandproduktes betragen. Davon wurden 1’920 Milliarden $ ausserhalb des formellen Finanzsektors, grösstenteils im (illegalen und grossenteils kriminellen) Schattenfinanzsektor aufgenommen.

Die vier grössten Banken machten 2012 mit 100 Milliarden $ die Hälfte des gesamten Gewinnes aller chinesischen Firmen.

2012 gab es in China 220’000 Arbeitskonflikte. 2011 nahmen mehr als je 1000 Arbeitnehmer an insgesamt 10’000 Arbeitskonflikten teil.
Nach einem Arbeitskonklikt wurden die Löhne der Mitarbeiter einer Reinigungsfirma in Guangzhou auf 230 Franken im Monat erhöht. Eine Dame, die in der Lobby eines grossen westlichen Hotels in Beijing arbeitet, verdient 234 Fr. im Monat, eine Kindergärtnerin in Beijing 350 Franken.  Die Software-Industrie hat im Gesamtarbeitsvertrag 2013 die Löhne um 10% erhöht. So erhält ein Projektleiter neu 440 Franken im Monat, ein Programmierer 400.  Das Durchschnittseinkomme​n der Landbevölkerung betrug 2011 rund 85 Franken im Monat. Alte Menschen ohne Pension erhalten eine Armenunterstützung von 8.- Franken im Monat (Der Verfasser hat zwei Bekannte, deren Eltern auf dem Land von dieser Armenunterstützung und den Beiträgen ihres einen Kindes leben müssen). Ein Arbeiter, der nach 10 Jahren Arbeit nur 2 Yuan, (32 Rappen) Pension pro Monat erhielt, klagte vor Gericht.

Ein Zimmer in einem Hotel von der mittleren bis zur Luxusklasse in Sanya auf der Ferieninsal Hainan kostet von 440 – 1000 Franken pro Nacht.
In den sechs Jahren von 2006 bis 2012 ist die Zahl der chinesischen Dollar-Milliardäre (in US$!) von 15 auf 251 gestigen. 2004 genügte noch ein Vermögen von 150 Millionen Dollars, um zu den 100 Reichsten des Landes zu gehören.

Die vor Gericht zwischen ausländischen und chinesischen Partnerfirmen ausgetragenen Konflikte, in denen es oft um sehr viel Geld geht und die oft jahrelang dauern, erreichten im 2012 170’000.

China braucht laut Regierung mindestens 1’200’000 Quadratkilometer (qkm) guten landwirschaftlichen Bodens. Nachdem es in den letzten 30 Jahren wegen der Urbanisierung und der Infrastruktur 200’000 qkm verloren hat, hatte es 2011 noch 1’210’000 qkm. Mindestens 10% der landwirtschftlichen Nutzfläche sind mit Schwermetallen schwer verseucht. In den Städten in Südchina sind es 50%. Jährlich werden 12 Millionen Tonnen Getreide derart verseucht, dass sie vernichtet werden.  Im Juni 2013 wurden mehrere grosse Reisspeicher gesperrt, weil der gelagerte Reis mit Schwermetallen verseucht war.

Deshalb kaufen chinesische Staatsfirmen in Afrika, Südamerika und teilweise Ostasien, zusammen mit grossen internationalen Lebensmittelkonzernen​, riesige Flächen guten landwirtschaftlichen Bodens auf. Die gesamte Fläche, die sich im Besitz solcher Unternehmen befindet, soll bereits der Fläche Westeuropas entsprechen (Quelle: NZZ Folio, 11/2012 ). Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein grosser Teil der Fläche Westeuropas auch Gebirge, Flüsse, Seen, Wälder umfasst, d.h. dass die Fläche landwirtschaftlichen Bodens in der Hand von Konzernen auf eine der Wirklichkeit entsprechende Landschaft umgelegt, wesentlich grösser ist als die Westeuropas.
1950 soll China 50’000 Flüsse und Flüsschen mit einem Einzugsgebiet von je 100 Quadratkilometer gehabt haben. Auf Grund einer Zählung von 2011 soll es heute weniger als 23’000 haben. (Laut Peter Brabeck, CEO Nestlé, und Asik Biswas, im China Daily, 7.06.2013)

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