Erinnern wir uns:

Claude D. hatte bereits 1998 seine damalige Ex-Freundin entführt, vergewaltigt und getötet. Nachdem er zwei Drittel der Haftstrafe von 20 Jahren verbüsst hatte, befand er sich seit August 2012 im Hausarrest (er trug eine Fussfessel). Am 13. Mai 2013 entführte er bei Payerne VD die 19-jährige Marie und tötete sie.

Bis heute ! ist die Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Damit die Anklage eine lebenslängliche Verwahrung im Sinne der Verwahrungsinitiative​ fordern kann, müssen zwei psychiatrische Gutachten vorliegen. Die Resultate des ersten belasten den Täter schwer. Der Mann wird als Psychopath und als nicht therapierbar auf Lebenszeit beurteilt. Die Suche nach einem zweiten Gutachter gestaltet sich nicht einfach. Der Experte sollte sich zuvor nie mit dem Täter beschäftigt haben. Zudem erklärt der Verteidiger, dass es unmöglich sei, mit Bestimmtheit einen 37-jährigen Mann bis ans Lebensende als nicht therapierbar zu erklären. Er stützt sich auf das Bundesgerichtsurteil zum Tötungsdelikt des Au-pair-Mädchens Lucie.

Im strafrechtlichen Massnahmerecht geht es aus Sicht der Strafjustiz nicht um therapeutische Hilfe für den Tätern, sondern darum, Rückfälle zu vermeiden. Der Richter hat zwar die Entscheidungskompeten​z, ist aber auf fachliche Hilfe angewiesen. Entscheiden schlussendlich nicht doch die Experten, die forensischen Psychiater und nicht die Gerichte? Wird mit solchen Gutachten nicht gleich das gerichtliche Urteil vorweg genommen? Auch Mario Gmür, selber Gerichtsgutacher sagt: „Der Richter entscheidet nicht mehr selbst, sondern flüchtet sich in Gutachten – die dann meist in endlose und kostenintensive Therapien münden. Die Täter werden nicht aufgrund einer bestimmten Tat bestraft, sondern aufgrund ihrer Persönlichkeit und ihrer nicht klar bewiesenen Gefährlichkeit. Die Experten suggerierten eine Sicherheit, die es so nicht gibt. Sie machen zu viele Fehler, weil sich die Gefährlichkeit eines Täters nicht mit mathematischer Genauigkeit bestimmen lässt.»

Tatsächlic​h sind schon viele Fehlentscheide bekannt geworden, in denen gemeingefährliche Straftäter als „geheilt und resozialisiert“ oder zumindest als „nicht rückfallgefährdet“ beurteilt und in die in den offenen Vollzug (oder Hausarrest) verlegt oder wieder frei gelassen wurden. Am 8.2.2004 haben Volk und Stände die Volksinitiative “Lebenslange Verwahrung für nicht therapierbare, extrem gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter” angenommen. In den letzten 10 Jahren wurden gerade mal ein solcher Straftäter zu lebenslanger Verwahrung verurteilt. Der Rest läuft zum Teil schon wieder frei herum.

Für Mario Gmür ist klar: «Die Richter müssen wieder den Mut haben, selber ihre Urteile zu fällen – und sie nicht den Göttern in Weiss  überlassen.» Ich stimme ihm voll und ganz zu!

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Comments to: Der Fall Marie
  • Mai 8, 2014

    Guten Tag Frau Sulliger,
    Danke für den Beitrag.
    Bei mir, nun ja, wer bin ich schon, nur Familienvater, beginnt das erste Problem damit, dass man für entführen, vergewaltigen und töten nur 20Jahre kriegt.

    Dieser Psychopath hat „mit Vorsatz“ seine Ex-Freundin entführt. Dann hat dieser Mann seine Ex-Freundin „mit Vorsatz“ vergewaltigt, das war ja der „Sinn“ der Entführung, sie sexuell zu nehmen. Egal was er gesagt hatte, „weiss ich nicht“, bis dahin ging er mit Vorsatz und Brutalität ans Werk.
    Schlussendlich hat er sie noch getötet, nachdem Ihm klar wurde, was für ein Unheil er da angerichtet hatte. Dies ebenso „mit Vorsatz“, denn, nachdem seine sexuelle Erregung weg war, konnte sein Hirn wieder denken, er war zu Feige für die Folgen seines Handelns geradezustehen.

    So​ jemanden muss man von Anfang an Verwahren, zu Lebzeiten. Ohne die Möglichkeit, jemals wieder auf die Menschheit losgelassen zu werden.

    Stattdessen hat man von guter Führung gesprochen? Hallo? Wo findet so einer im Knast eine junge Frau, die in sexuelle so erregt, dass er wieder das Bedürfnis bekommt?

    Nirgends, das findet er im Knast nicht. Nun ja, in der Regel nicht, gab ja schon Fälle im Knast von Schwangerschaften und Heirat usw.

    Solche und weitere so Tragische Vorfälle lassen mich für alle Abstimmungen sei es Pädophile, Lebenslange Verwahrung, die Haftung für Richter und Fachgutachter, ein dickes fettes JA in die Urne einlegen.

    Ich hätte einen noch grösseren Wunsch, aber der lässt unser Strafrecht leider nicht zu.

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  • Mai 8, 2014

    Das sehe ich genau so, Herr Nabulon. Der Täter gab den Ermittlungsbehörden gegenüber sogar zu verstehen, dass Marie sterben wollte und dass dies zweifellos das Schicksal war, dass sie verdiente – also wirklich ein Psychopath! Aber ich bin mir zu 100 % sicher, dass wieder kein Richter das Füdli hat, ihn lebenslang wegzusperren!

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