Der Irr­tum des Claude Janiak

Erschien in der Basler Zeitung vom 17.09.2015

 

Dieses​ Jahr gedenken wir der Schlacht von Marignano. Die Franzosen siegten dank des Einsatzes einer bedeutenden Artillerie, einer damals noch relativ neuen Waffe. Heisst das, dass sie nur mit Artillerie kämpften? Nein, sie setzen alle damals verfügbaren Mittel ein, auch die mit verschiedensten Waffen ausgerüstete Infanterie und die Reiterei. Erst deren Zusammenwirken ermöglichte den französischen Sieg. Im Fachjargon nennt man das heute den Kampf der verbundenen Waffen.

 

In einer Stellungnahme zur Armee meinte Ständeratskandidat Claude Janiak, er setzte sich für mehr Cyberabwehr und weniger Infanteristen ein. Er glaubt offensichtlich, ein Krieg werde nur ein Cyberkrieg sein, hält nur die Abwehr dagegen für wichtig und wird sich sonst für die WEA, die Weitere Eliminierung der Armee einsetzen. (Wissen die Stimm-bürger, dass das Hochgebirgsland Schweiz mit der WEA auch über keine Gebirgstruppen mehr verfügen wird?) . Wie auch die meisten bürgerlichen Politiker – er ist also in bester Gesellschaft – scheint er nicht in der Lage, den grossen Zusammenhang zu sehen und langfristig zu denken. Er konzentriert sich nur auf ein Thema, den Cyberkrieg, der gegenwärtig im Gespräch ist und die Phantasie der Menschen beschäftigt. Herr Janiak hat zwar recht: Cyberattacken sind ein gefährliche Möglichkeit ein Land lahmzulegen, aber nur eine unter vielen. Ein grösserer Konflikt wird nicht nur ein Cyberkrieg sein, sondern es werden viele oder alle der neuen Mittel zusammen mit den „konventionellen“ Waffen zum Einsatz kommen, es wird ein Krieg der verbundenen Waffen sein: Global Strike Waffen (die jedes Ziel auf der Erde innert einer Stunde erreichen), Hyperschallwaffen, der EMP (elektromagnetische Puls, der ein Land, selbst so gross wie die USA schlagartig lähmen kann), möglicherweise biologische und chemische Waffen, zielsuchende Geschosse, Laserwaffen, Cyberattacken, möglicherweise die immer weiter entwickelten Atomwaffen, deren kleinste Variante verniedlichend „Nukes“ genannt werden (und nach Meinung gewisser Fachleute die Ursache der gewaltigen Explosion in Tianjin in China war, hinterliess sie doch u.a. einen weit über 100 Meter breiten Krater), Raketen aller Reichweiten bis hin zu den Interkontinental- und U-Boot Raketen, Kampfflugzeuge der unterschiedlichsten Art, Panzer, Artillerie, Infanterie und Luftlandetruppen. Selbst für den Weltraum werden Waffen entwickelt.

 

Gegen​wärtig finden auf mehreren Schauplätzen Kriege statt. Sind es Cyberkriege? Was zeigen sie uns? Dass ein Land nur mit Bodentruppen besetzt werden kann. Die Schweiz braucht deshalb in erster Linie zahlreiche Kampftruppen mit verschiedensten Waffen (darunter auch die Cyberabwehr), die die Inbesitznahme unseres, wegen seines höchst leistungsfähigen Nord-Süd-Verkehrsnetz​es, seiner Infrastruktur und seiner Wirtschaft für jede Macht sehr attraktiven Landes als zu teuer erscheinen lässt, also den Verfassungsauftrag der „Kriegsverhinderung“ erfüllen kann oder ein auch denkbares, mit grossen Gewaltausbrüchen verbundenes flächendeckendes Chaos in Europa von unserem Land fernhalten kann. Eine solche Forderung erwarte ich von einem Ständeratskandidaten.​                     ​                     ​         

Gotthard Frick, Bottmingen

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Comments to: Der Irrtum des Claude Janiak
  • September 27, 2015

    Alle reden vom Cyberkrieg, als neue, hauptsächliche Bedrohung für die Zukunft!?
    Ist es nicht so, dass mit gezielten Anschlägen auf Speicherzentralen, Unterbrechung von Stromzufuhren, diesem Spuk ein schnelles Ende bereitet werden könnte, oder zumindest auf minderbedeutende Angriffe reduziert werden könnte?, oder überschätze ich diese Möglichkeiten? Wo werden die Kriege, die zur Zeit in der Welt bestehen, nur am Computer geführt?

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