1. Sicherheit & Kriminalität

Die Schweiz: Ein höchst verlockender Preis, fast gratis!

Wieder kann ich an der vor­ge­se­he­nen Stelle nicht ver­öf­fent­li­chen. Also wie­der hier, als Ar­ti­kel an Herrn Bruno Zoller:

Die Schweiz: ein höchst verlockender Preis, heute fast gratis zu haben!

Sehr geehrter Herr Zoller,

Sie haben offensichtlich sehr persönliche Vorstellungen von der Welt. Das ist selbstverständlich Ihr gutes Recht. Aber wie ich schon sagte, verfolgen die Staaten in der Regel ihre Interessen (ausser der heutigen Schweiz), im Kriegsfall noch viel rücksichtloser als sonst. Dort geht es um “Sein oder Nicht sein”. Da wird alles getan, was für den miliärischen Erfolg nötig ist.

Ich nehme an, es sei Ihnen bekannt, dass 1939/40 all die europäischen Staaten, die keines starken Armeen hatten und sich bei Kriegsbeginn neutral erklärt hatten, innert Tagen oder wenigen Wochen von der deutschen Wehrmacht besetzt wurden.

So haben die USA die deutsch-besetzten französischen Städte an der Küste (oder unter vielen anderen in Italien das Klosten Monte Cassino) in Trümmer bombardiert, um sie dann einzunehmen. Das ist im Krieg normal – kein Vorwurf.

Die Schweiz verfügt über eine weltweit führende Volkswirtschaft, ein hervorragendes Verkehrsnetz und sonstige Infrastruktur, sie liegt, ich nehme an, dass sei Ihnen bekannt, mitten im NATO-Raum und verfügt, besonders mit dem neuen Gotthard-Tunnel, über die leistungsfähigste, und mit dem neuen Tunnel über 57 km geschützte Alpentransversale. Für die NATO wäre eine neutrale Schweiz mit einer starken Armee ein grosses Ärgernis, da sie und auch unser Luftraum für die NATO von grösster strategischer Bedeutung sind und dann nicht verfügbar wären. Das ist ein sehr, sehr attraktiver “Preis”, den man heute fast gratis gewinnen kann, da wir lieber alles Geld für einen ständigen steigenden Luxuslebensstil aufwenden, als uns für unsere Sicherheit zu interessieren.

Im Kriegsfall oder schon bei grossen Spannungen in Europa werden die USA/NATO unseren Luftraum intensiv benützen – Neutralität hin oder her – weil wir das nicht verhindern können. Vielleicht besetzten sie dann gerade auch noch die Altpentransversalen. Russland kann dann nach Kriegsrecht LEGAL dagegen bei uns militärisch eingreifen. Das letzte Mal waren wir während der napoleonischen Kriege in dieser Lage, da unser Land damals auch wehrlos was. Alle Grossmachtarmeen benützten die Schweiz und lieferten sich bei uns Schlachten. Die russische Armee zog sogar über die Alpen. Das ist Ihnen sicher bekannt, fand doch an der Gotthardstrasse vor nicht langer Zeit eine russische Gedenkfeier statt. Dort erinnerte in der Schöllenenschlucht auch eine russische Gedenktafel an das Ereignis und die Schlacht mit den Truppen Napoleons. Seither hatten wir noch den den sehr kurzen Sonderbundskrieg (1847) und wurden in allen seitherigen Kriegen wegen unserer – trotz ihrer Schwächen – starken Armee verschont. Der deutsche Generalstabsschef Franz Halder schrieb schon zu Beginn des Krieges 1940 in sein Kriegstagebuch “Eine Umgehung (GF: der französischen Front) durch eine unverteidigte Schweiz wäre eine grosse Verlockung”. Aber da sie nicht unverteidigt war, kam er – wie übrigens zur gleichen Zeit die Franzosen und Engländer – zu einem gegenteiligen Schluss. Das war das Ergebnis aller Angriffspläne im zweiten Weltkrieg. Als die Alliierten in Frankreich sehr lange an der deutschen Verteidigungslinie stecken blieben, forderte sie Stalin an der Konferenz von Moskau vom 9.-19.10.1944 ultimativ auf, die deutsche Front durch die Schweiz zu umgehen. Der US Generalstab prüfte diese Option und kam am 29. Dezember 1944 zum Schluss: “Die Schwierigkeiten des Geländes und die anerkannte Fähigkeit der kleinen, aber effizienten Schweizer Streitkräfte auf ihrem eigenen Boden würden eine solches Projekt fragwürdig machen (doubtful)”. Und eine deutsche Angriffsplanung kam zum Schluss: “Die Schweizer Landesverteidigung verfügt über ein Heer, dass schon wegen seiner zahlenmässigen Stärke ein äusserst beachtlicher Faktor ist. Die Bezwingung der sich erbittert verteidigenen Truppen im Hochalpenreduit wird eine schwer zu lösende Aufgabe darstellen.”. In seinem Plan hatte er noch darauf aufmerksam, gemacht, dass die von ihm als nötig erachteten zahlreichen Truppen von allen deutschen Fronten abgezogen werden müssten, was eine “gefährliche Schächung” dieser Verteidigungslinien mit sich brächte. Ich will nicht länger werden.

Mit freundlichen Grüssen Gotthard Frick

(Quelle: Gotthard Frick: “Hitlers Krieg und die Selbstbehauptung der Schweiz 1933-1945”, ISBN 9783033029484)

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
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Comments to: Die Schweiz: Ein höchst verlockender Preis, fast gratis!
  • Mai 26, 2016

    Sehr geehrter Herr Frick,
    es ist mühsam, wenn Sie für Antworten zu einem Beitrag einen neuen Blog eröffnen! Sie haben offensichtlich Probleme mit dem Timeout. Ich schlage Ihnen vor: Schreiben Sie Ihren ganz Text in Word oder Notepad oder etwas ähnlichem und sobald Sie fertig sind, melden Sie sich in Vimentis an und kopieren den Text mit “cut und paste” ins Vimentis. Sie werden keine Timeouts mehr haben und wir wissen dann zu welchem Text Sie etwas sagen wollen. So ist das Ganze einfach unheimlich mühsam. Bei allen anderen Teilnehmern geht das ja auch.

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  • Mai 26, 2016

    Alte Hurra-Geschichten, Herr Frick. Und wie immer haben Sie die Einsätze des Schweizer Militärs mit Schusswaffengebrauch gegen das eigene Volk vergessen…..

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  • Mai 27, 2016

    Sehr geehrter Herr Frick

    Das ist ja alles schön und gut und vermutlich auch richtig was Sie da schreiben. Es handelt sich hierbei jedoch um Vergangenheitsszenari​en welche in der damaligen Zeit so statt fanden.
    Ein solches Szenario in die heutige Zeit zu projizieren ist in meinen Augen falsch. Die Welt ist wirtschaftlich mehr vernetzt als damals. Das Reduit war sicher zu seiner Zeit eine gute Sache, wie auch die starke Armee. Ob dies heute noch Zeitgemäss ist kann ich nicht beurteilen, glaube es jedoch nicht.

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    • Juli 19, 2021

      Sehr geehrter Herr Thomas Müller,

      Persönlich versuche ich bei allen Fragen, zu denen ich mir eine Meinung bilde, das Gesamtbild und den Zeitenlauf einzubeziehen, sonst kommt man zu völlig falschen Schlüssen.

      Wenn man nur das Réduit anschaut, und die ganzen Zusammenhänge ausklammert, kann man zu Ihrem Schluss kommen: Die Armee ist in die Sicherheit der Berge abgehauen und hat Frauen und Kinder und Alte weitgehend unverteidigt (nur noch durch die Grenz- und Leichten Brigaden gesichert) dem Feind ausgeliefert.

      Aber​ wenn Sie das ganze Bild anschauen, werden Sie verstehen: Im Mittelland hätte unsere Armee gegen die starke deutsche Luftwaffe und Panzerverbände nicht sehr lange Widerstand leisten können. Dann wäre das ganze Land besetzt worden und die Schweizer Zivilbevölkerung hätte so gelitten wie in den anderen Ländern und unsere Wirtschaft wäre ganz unter deutsche Führung gestellt worden. So blieben wir während des ganzen Krieges verschont.

      General​ Guisan hatte erkannt, dass die Alpentransversalen, hauptsächlich Gottthard und Lötschberg-Simplon für Deutschland, wegen seines Verbündeten Italien von entscheidender Bedeutung waren. Über diese Routen konnte Deutschland wenigsten Italien mit Kohle versorgen. Hitler wusste, wenn er die Schweiz besetzt, verliert er wegen des Réduits und der vorbereiteten Zerstörungen diese Möglichkeit.

      Aber schon in der ersten deutschen Angriffsplanungen standen die Schweizer Eisenbahnlinien – damals noch nach Genf – im Zentrum des deutschen Interesses. Warum? Weil zur Zeit, als der deutsche Angriffsplan (bekannt als OPERATION TANNENBAUM) ausgearbeitet wurden, die französischen Alpentruppen den von beiden Seiten angreifenden, weit überlegenen italienischen und deutschen Truppen eine empflndliche Niederlage bereitet hatten, d.h. beide Armeen blieben schon gleich stecken . Die Planer eines deutschen Angriffs auf die Schweiz wussten noch nicht, ob diese französischenTruppen auch kapitulieren oder weiter kämpfen würden und wollten deshalb die über die Schweiz nach Südfrankreich führenden Eisenbahnen für Truppentransporte dorthin übernehmen.

      Später​ waren es dann die Alpentransversalen. So wurde in einer deutschen Angriffsstudie diskutiert, ob man nicht einfach das Mittelland besetzten solle. Aber der planende General fuhr dann fort: „Vielmehr geht es gerade um den Besitz der wichtigen Nord-Südverbindungen.​ Erst ihr uneingeschränkter Besitz, samt ihren Stromanliefererungen,​ bedeutet einen klaren militärischen Sieg über die Schweiz“. Sollte die Schweiz ein für Deutschland unerträgliches Verhalten an den Tag lagen, könne man ihr alle Zufuhren abschneiden um sie unter Druck zu setzen (Kohle, Importe aus den Ländern der Alliierten und aus Übersee etc.. Ich kann hier nicht erklären, wie das alles funktionierte).

      Sc​hon zu Beginn des Krieges hatten alle grossen europäischen Mächte geprüft, ob sich ein Angriff auf ihren Feind durch die Schweiz lohne. Alle kamen wegen unsere Armee und dem schwierigen Gelände zu einem negativen Schluss. (1944 prüften das auch noch die USA auf Wunsch Stalins, weil sie in Frankreich an der deutschen Front lange Zeit stecken blieben)und kamen auch zu einem negativen Schluss.)

      Schon 1940 notierte der deutsche Generalstabschef, der in den ersten Kriegsjahren alle grossen deutschen Operationen plante, er ziehe eine einvernehmliche, wenn auch eingeschränkte Nutzung diese Eisenbahnlinien deren Verlust (durch die vorbereiteten Zerstörungen) und Bindung bedeutender deutscher Truppen in der Schweiz (um einen Partisanenkrieg zu bekämpfen) vor.

      Was ist falsch an der Anbauschlacht (an der ich als Jünglich noch durch Landdienst in den Sommerferien mitwirken musste)? Freie Menschen geben nicht auf. Die Steigerung von 52 auf 59% des Bedarfes war eine grosse Leistung. Aus dem Sechseläuteplatz in Zürich wurden Zuckerrüben und Kartoffeln angeplanzt. Aber wir waren trotzdem auch auf Importe angewiesen.
      Mit freundlichen Grüssen Gotthar​d Frick

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    • Juli 19, 2021

      Und manche Brüder aus unserem Heimatlande waren nach dem Krieg viiiiiiel reicher als zuvor! Nur der kleine Mann musste einrücken, Diensttage schieben, Frau und Kinder zurücklassen in der Gefahr, durch sie erpressbar zu werden und alles zu verlieren. Manche Brüder waren nach dem Krieg bitter arm geworden, hatten Haus und Hof verloren….

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  • Mai 27, 2016

    Antwort an Herrn Barner.

    Nein, viel schlimmer: Ich habe sogar die Geschichte von Kain und Abel vergessen, der seinen Bruder erschlug. Das waren doch unsere Vorfahren. Da muss man schon gegen eine Schweizer Armee sein.

    Was hat ein schwerer Fehler der Armee vor mehr als 80 Jahren mit der Frage der heutigen Notwendigkeit einer KRIEGSVERHINDERNDEN Armee zu tun?

    Mit freundlichen Grüssen

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  • Mai 29, 2016

    Im Reduit-Szenario hätte man im Ernstfall nur die Berge gerettet und dafür die grossen Städte dem Feind überlassen. Überhaupt: die Soldaten verstecken sich in den Bergen, während Frau und Kind dem Feind ausgeliefert sind? Auch mit der Anbauschlacht konnte man meines Wissens den Selbstversorgungsgrad​ nur von 52% auf 58% erhöhen. Sie war wohl nötig, um den Menschen Hoffnung und das Gefühl zu geben, dass man im Ernstfall auch alleine klar komme. Aber jetzt, wo der Krieg lange vorbei ist, sollte man Tacheles reden und die alten Mythen als das bezeichnen, was sie sind.

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