1. Sonstiges

Die Wirtschaft und ihr immer gleiches Klagelied

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen. Im Wahl­jahr 2015 wird sich im Wahl­kampf zei­gen, dass neben den alt­be­kann­ten SVP The­men (wel­che sich durch Ab­stim­mungs­ent­sch​​eide auch stark auf die Wirt­schaft aus­wir­ken) auch die wirt­schaft­li­chen The­men (Frankenstärke, bi­la­te­rale EU, Ein­wan­de­rung, usw) zu den Haupt­wahl­kampft­he­​​men ent­wi­ckeln wer­den. Viele Par­teien wer­den sich sol­cher be­die­nen, um sich gut po­si­tio­nie­ren zu können. Alles schön und gut.

Meine Angst ist aber, dass die Wirtschaft schlussendlich in ihr altes Klagelied verfallen wird, um ihre Lobbys im National- und Ständerat zu stärken. Aufgebaut auf Angst vor Arbeitsplatzabbau, Unternehmens- und Produktionsabwanderun​​g, Kurzarbeit, usw.

 

Pauschalargu​​mente, welche die Ängste in der Bevölkerung schüren sollen. Dabei sehe ich die Wirtschaft in der Verantwortung, so vorzugehen, wie sie es von Ihren Mitarbeitenden verlangt. Wenn Mitarbeitende in Betrieben so rummjammern würden, wie die Wirtschaft das immer wieder tut, dann müssten sie die Konsequenzen tragen und um ihren Job fürchten. Und um das geht es. Die Mitarbeitenden müssen Verantwortung übernehmen und Konsequenzen selbst ausbaden, das meist auf einem finanziellen Niveau, welches ihnen weh tut. Die Wirtschaft übernimmt selten wirklich Verantwortung, ausser man kann ihr irgendwas nachweisen und das auf gerichtlichem Weg.

Die Wirtschaft tut alles dafür, dass sie Standortvorteile bewahren kann und nutzt jede Krise dazu, diese stetig auszubauen, in dem sie Steuersenkungen und weniger Regulierung verlangt. Sie steigern aber gleichzeitig fast jährlich ihre Gewinne und Effizienz. Das ist ja nicht grundlegend falsch, nur wenn ich dann Beispiele höre wie kürzlich in den Medien bekannt gewordene, nämlich dass im ach so unterbezahlten Bankensektor die Löhne im letzten Jahr gestiegen sind und auf der anderen Seite die ZKB als erste Bank Zinssenkungen auf Einlagen von Kleinsparern bekannt gibt, nur weil die Nationalbank den Negativzins eingeführt hat, dann bekomme ich einen dicken Hals. Es geht weiter, bleiben wir bei den jüngste Beispielen, die Nationalbank hebt den Frankenmindestkurs auf, was sie vor Drei Jahren ohne Termin zu nennen, auch so kommuniziert hat und was passiert, die Unternehmen schreien auf, drohen mit Entlassungen und Kurzarbeit, mit Produktionsverlagerun​​gen ins Ausland und so weiter. Vor allem auch Lohnkürzungen sind ein Thema, aber sämtliche Massnahmen welche da angedroht werden, auf wessen “Buckel” werden die abgeladen? Auf dem Buckel der Mitarbeitenden. Mich wundert es, dass man nie etwas davon hört, dass Aktionäre und Investoren, das mittlere und obere Management mal auf Dividenden, Lohn oder Bonis verzichten würden zu Gunsten des Normalverdieners. Die Gewinne der letzten Jahre sind auch kein Thema. Die sind wohl den genannten schon ausbezahlt worden. Auch das Beispiel der Firma “SIKA” lässt mich erstarren. Was da abgeht ist Landes- und vor allem Menschenverachtend. Ich könnte hier seitenweise weitere Beispiele aufzählen, aber ich glaube es ist klar was ich meine. 

Es gibt immer Ausnahmen, ich will hier nicht alle Unternehmen in einen Topf werfen. Aber in der Wahrnehmung der Bürger, auch geschürt durch die Medien, teils gerechtfertigt manchmal auch nicht, kommt nur die Angst an. Dadurch sind die Wähler, trotz der Wahrnehmung der Ungerechtigkeit, so eingeschüchtert, denn es geht ja mit dem Job um die eigene Existenz, also auch nachvollziehbar, dass es den gebetsmühlenartigen Klagelieder der Wirtschaft immer wieder erliegt. Und das schlimmste daran ist, dass das immer wieder eiskalt ausgenutzt wird.

Es würde mich freuen, wenn im kommenden Wahlkampf nicht mit der Angst, sondern mit Bekenntnissen zum Standort, zu den Mitarbeitenden, zu sozialer Gerechtigkeit, zur Ein Klassengesellschaft, zur ethisch und sozialen Verantwortung der Unternehmen gegenüber der Bevölkerung, Wahlkampf betrieben würde.

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Comments to: Die Wirtschaft und ihr immer gleiches Klagelied
  • Februar 11, 2015

    Marc Zingg:

    Die Wirtschaft, das sind WIR alle die wir angestellt oder selbständig arbeiten. Ich vermute Sie haben nie selbständig gearbeitet, dann wissen Sie auch vermutlich nicht wie hart es ist um jeden einzelnen Rappen Umsatz kämpfen zu müssen statt einfach an jedem 25. den Geldeingang am Konto zu haben. Machen wir der Wirtschaft Probleme machen wir uns Probleme. Und das betrifft dann nicht nur die direkt an der Privatwirtschaft beteiligten, sondern auch die von Steuereinnahmen bezahlten Mitarbeiter in den Behörden.

    Standort​vorteile optimieren ist nichts worüber man sich verächtlich machen sollte, denn auch Firmen die sich entscheiden können ob sie in der Schweiz oder woanders schaffen sind wichtig für den Schweizer Wohlstand und die Schweizer Gesellschaft.

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    • Juli 19, 2021

      Marc Zingg sagte gerade eben

      Sehr geehrter Herr Wagner
      Vielen Dank für Ihre Antwort.
      Es steht Ihnen frei Vermutungen anzustellen. Machen wir der Wirtschaft Probleme, dann machen wir uns Probleme, damit haben Sie sehr schön die Abhängigkeit des Arbeitnehmers gegenüber des Arbeitgebers aufgezeigt und bestätigen genau das, was mich stört. Sie bauen Ihre Argumentation auf der Angst vor Jobverlust auf und somit schüren Sie Existenzängste, welche dazu führen, dass die Wirtschaft die herrschende Macht im Staat ist.
      Ich sage nicht, dass man den Standort nicht attraktiv gestalten soll. Aber die Tendenz läuft doch in die Richtung, dass immer wie mehr unternehmerisches Risiko – und ja das gehört halt zum guten Verdienst der Inhaber, Investoren oder Aktionäre dazu – auf den Staat, somit auf die Bürger abgeschoben wird. In allen Bereichen. Via Steuervergünstigungen​​ (BSP. die sagenhafte Frechheit der Unternehmenssteuerref​​orm 2, welche den Steuerzahler Milliarden kostet, weil das Geld ja irgendwoher kommen muss), oder um ein weiteres Beispiel zu nennen, die aktuellen Wehklagen aufgrund der Aufhebung der Franken-Untergrenze. Auf der anderen Seite bescheissen die Unternehmen den Bürger immer wieder mit dem Ausnützen und Ausreizen jeglicher Steueroptimierungen, Geld das wieder durch den normalen Steuerzahler ausgeglichen werden muss, oder in dem Sie irgendwelche Preisabsprachen machen (Bsp. Kieswerke Kanton Bern, Geschädigter ist der grösste Bauherr, der Kanton Bern, bezahlen muss der Steuerzahler). Und wenn Sie Standortvorteile meinen, damit all die Multis dieser Erde, welche ihre Mitarbeitenden aussaugen in den verschiedensten Teilen dieser Erde und dann in der Schweiz Ihren Sitz ( mit 50 Arbeitsplätzen) installieren, nur weil Sie so noch mehr Steuern optimieren können, dann kann ich auf diese verzichten. Verantwortungsbewusst​​e, ehrliche Unternehmen, die sich zum Schweizer Standort bekennen und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihre Arbeitsplätze erhalten gehören zu denen, auf welche ich Stolz bin. Unternehmen die auf schnelle Gewinne aus sind, diese auch sofort abschöpfen um dann in Kriesen überall die hohle Hand zu machen oder den Standort verlassen, die können mir gestohlen bleiben.
      Sie haben das Wort “Wohlstand” geschrieben, sie haben sich schon mal informiert, wie der Wohlstand in der Schweiz verteilt ist?

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    • Juli 19, 2021

      Herr Zingg, was Sie beschreiben ist Marktwirtschaft. Was Sie sich wünschen offensichtlich eine sozialistische Planwirtschaft.

      Ke​in Unternehmer eröffnet und führt eine Firma nur aus Goodwill, man möchte etwas verdienen. Den eigenen Wohlstand zu optimieren liegt in der Natur des Menschen, wir sind alle egoistisch, selbst wenn wir nur die billigere Butter im Supermarkt kaufen. Manche Leute fahren im Golf zur Arbeit, andere im Bentley, manche mit dem Zug … aber wirklich arm ist in der Schweiz niemand. Wenn in der Schweiz über ungleich verteilten Wohlstand etc. gejammert wird, ist das jammern auf hohem Niveau.

      Sicher gibt es einzelne Firmen die überall in der Welt arbeiten, und in der Schweiz einen Hauptsitz betreiben um Steuern zu sparen. Es gibt aber auch die anderen, die in der Schweiz produzierende Zweigstellen betreiben und etliche Arbeitsplätze schaffen. Und diese Firmen verdienen gute Rahmenbedingungen. Zusätzlich ist die Schweiz hier im Wettbewerb mit anderen Ländern.

      Manche Ihrer Vorstellungen liessen sich nur erfüllen wenn man die Schweiz aus der globalen Wirtschaft ausklinken würde.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Wagner, dass das Marktwirtschaft ist, das ist mir klar, heisst aber nicht, dass ich deswegen beide Augen zudrücken muss.
      Ich kaufe mein Fleisch zum Beispiel direkt beim Bauer, bezahle etwas mehr, aber das ist ok.
      Wenn Sie aber schreiben, es gebe keine Armut in der Schweiz, dann vermute ich mal, dass es Ihnen noch nie schlecht gegangen ist und ermuntere Sie, sich diesbezüglich mal nicht über Statistiken, sondern im realen Leben schlau zu machen. Denn Ihre Aussage ist schlicht und einfach falsch.
      Ich wünsche mir keine Planwirtschaft, aber eine verantwortungsvolle Wirtschaft mit Bezug und Bekenntnis zum Standort Schweiz.
      Zu guter letzt, Egoismus liegt wohl im Wesen des Menschen, aber gewisse könne damit umgehen, andere nicht. Ich überlasse es Ihnen eine Wertung dessen zu machen.

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