1. Umwelt, Klima & Energie

Diskreditierte Abgas-Grenzwerte – was jetzt?

Was ist wich­ti­ger – dass die Ab­satz­zah­len der Au­to­mo­bil­in­dus­t​rie stim­men, oder dass die CO2-E­mis­si­ons­-­Zi​ele ein­ge­hal­ten wer­den? Während die Au­to­bran­che Er­folgs­umsätze mel­det, schies­sen die ver­kehrs­be­ding­ten​ Treib­h­aus­gas Emis­sio­nen weit am Ziel vor­bei. Während die Emis­sio­nen von Ge­bäu­den und In­dus­trie seit 1990 um 11.5% ge­sun­ken sind, haben die Ver­kehrs­-E­mis­sio­​nen um 10% zu­ge­legt. Eine CO2-Len­kungs­ab­gabe​ ist ö­ko­no­misch & ö­ko­lo­gisch ziel­führend – um eine sol­che zu um­ge­hen, hat die Au­to­bran­che sich zu Ab­gas­-­Grenz­wer­te​n für Neu­wa­gen ver­pflich­tet. Das scheint für das grosse Ge­schäft we­ni­ger ein­grei­fend als ein wirk­sa­mer Re­duk­ti­ons­an­reiz​. Grenz­werte las­sen sich nöti­gen­falls auch ma­ni­pu­lie­ren, wie die Er­fah­rung zeigt. Volks­wa­gen hat (wie wohl auch an­de­re) das Thema nicht ernst ge­nom­men – und zahlt nun hof­fent­lich auch die Mil­lio­nen an Mo­tor­fahr­zeug­steu​­er, die al­leine in der Schweiz un­be­rech­tig­ter­we​ise er­las­sen wur­den. Solch um­ständ­li­che Re­gu­lie­run­gen sind alles an­dere als li­be­ral – auch wenn es wohl u.a. “li­be­rale Wirt­schafts­po­li­ti​­ker” wa­ren, wel­che eine ein­fach-wirk­same CO2-­Ab­gabe ver­hin­dert ha­ben. Ak­tu­ell wird die CO2-­Ver­ord­nung ü­ber­ar­bei­tet – die für 2015 ge­setz­ten Ziele wur­den ver­fehlt. Aus grün­li­be­ra­ler Per­spek­tive ist klar, dass auch auf Treib­stoffe eine grif­fige Len­kungs­ab­gabe er­ho­ben wer­den soll, so­dass sich Büro­kra­tie & Schum­me­lei erü­b­rig­t.

Das einzige Problem einer Lenkungsabgabe ist: Damit sie wirkt, muss sie hoch genug sein – politisch scheint sie aktuell jedoch nur durchsetzbar, wenn sich keine unbequeme Verhaltensänderung aufdrängt. Konsequent wäre es, statt einen unbeliebten CO2-Preis festzulegen und auf eine unsichere Wirkung zu warten, den CO2-Absenkpfad festzuschreiben, woraus sich der richtige Preis ergeben wird. Ist die akzeptable Menge überschritten, steigt der Preis – wie aktuell bei den Brennstoffen. Mit den tiefen Rohölpreisen ist aktuell ein günstiger Zeitpunkt zur Einführung einer globalen Lösung; Mit dem Pariser Klimaabkommen ist der Abschied von fossilen Brennstoffen vereinbart. Das Konzept: Zur Förderung von Öl oder Gas müssen Förderlizenzen ersteigert werden, das Volumen richtet sich nach dem globalen CO2-Absenkpfad. Die Einnahmen daraus werden bevölkerungsproportio​nal an alle Länder zurückvergütet. Idealerweise wird die Lenkungsabgabe an alle Erdenbürger zurückerstattet – mancherorts wäre z.B. 100 $ jährliche Rückerstattung eine zweckmässige individuelle Entwicklungshilfe. Die Ersteigerungs-Kosten werden über den Ölpreis weiterverrechnet. Vielleicht würden gar Länder wie Saudi-Arabien einer solchen Lösung zustimmen: Sie haben Förderkosten unter 20 $/Barrel, und könnten pro Barrel bis zu 50 $ in die Versteigerung einbringen. So viel könnten Amerikanische Fracking-Gesellschaft​en nicht bieten; die Saudis könnten ihre Mengen absetzen (sodass ihr Staatsapparat finanzierbar bleibt), ohne ruinösen Förderwettkampf. Doch ein guter Teil der Marge fliesst in einen globalen Entwicklungsmechanism​us anstatt in Investitionsblasen oder fragwürdige “Wohlfahrtsorganisati​onen”.

CO2-Emissione​n zu reduzieren heisst nicht nur Klimaschutz, sondern auch weniger Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und weniger Geld zur Terror-Finanzierung.

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
Kommentare anzeigen Hide comments
Comments to: Diskreditierte Abgas-Grenzwerte – was jetzt?
  • Februar 7, 2016

    Herr Lüthi

    Hier folge ich dem Vote von Herr Mehnert. Es ist nicht das Eine oder Andere sondern die Ausgewogenheit des Gesamten. Aber in Ihrer Darstellung fehlt einiges was zu bedenken wäre.

    – Bei der Produkton von umweltfreundlicheren FZ produziert man unweigerlich CO2. Aber in gewissen Kreisen scheint man immer noch die Denkweise zu haben, Sparen koste es was es wolle. (somit also lieber 10 Tonnen von CO2 produzieren, damit man dann im Gegensatz 1 Tonne durch umweltfreundlichere FZ einsparen kann.

    Jedoch kar auch gesagt werden muss, dass die Aussage falsch ist:
    “Weniger Verbrauch sei im Zusammenhang mit weniger CO2”.

    Durch die höheren Verbrennungstemparatu​ren, die erzeugt werden um weniger Verbrauch zu erhalten, erzeugen höhere chem. Verbindungen, welche HC, NOx, CO und Co2 ansteigen lassen und nur mittels Katalysator in eine Form umgewandelt wird, welche wir nicht oder noch nicht messen möchten.

    Sobald das Thema Co2 “ausgereizt” ist wird der nächste Stoff z.B. CO (geruchlos, hoch giftig usw.) ins Fegefeuer geraten und damit eine neue Einnahmequelle für Steuern erschaffen.

    Kommentar melden
  • Februar 8, 2016

    …und wie wäre es, wenn man den AKWs wieder eine Chance geben würde?
    (Aber fragen Sie bitte die Doris nicht mehr!)

    Kommentar melden
  • Oktober 14, 2016

    Nicht nur auf Treibstoffen, sondern auch auf Brennstoffen müssen die Lenkungsabgaben erhöht werden, wenn die Klimaziele gemäss Kyoto-Protokoll nicht erreicht werden. Die Erhöhung der Lenkungsabgaben auf Brennstoffen von 2014 ist auf diesem Hintergrund gemäss Bundesgericht rechtens.

    Mehr hier, unter dem Titel “Erhöhung der CO2-Abgabe war rechtens”:
    (nzz.ch/s​​chweiz/bundesgericht​-​erhoehung-der-co2-a​bg​abe-war-rechtens-l​d.1​21633)

    Kommentar melden

Kommentar schreiben

Neuste Artikel

Bleiben Sie informiert

Neuste Diskussionen

Willkommen bei Vimentis
Werden auch Sie Mitglied der grössten Schweizer Politik Community mit mehr als 200'000 Mitgliedern
Tretten Sie Vimentis bei

Mit der Registierung stimmst du unseren Blogrichtlinien zu