1. Gesundheitswesen

Eine weitere Unverständlichkeit vom BAG:

Warum steht nur Cham­pix auf der Spezialitätenliste?

Vorweg: Ich befinde mich (wohl für etwas länger) im Spital und habe keinen ungehinderten Zugriff aufs Internet. Deshalb war es mir nicht möglich alle gewünschten Recherchen zu diesem Thema durchzuführen.

Sei​t Jahren führt das BAG einen Kampf gegen Raucher, die zum Teil ins groteske übergehen. So werden zum Bespiel Antirauchervereinchen​ und Vereine jährlich mit Millionen alimentiert, andererseits der Tabakanbau aus der Tabaksteuer subventioniert. Die laufenden Tabaksteuererhöhungen​ werden mit gesundheits- und finanzpolitischen Interessen begründet, während dem die Tabaksteuer entgegen dem ursprünglichen Willen des Volkes, dass diese direkt der AHV zugute kommt, der Bundeskasse zufliesst und zu Lasten der AHV-Rentnern mit dem Bundesanteil verrechnet wird http://paulrechsteine​r.ch/?m=201301  . Doch es gibt noch eine weitere, unbekanntere Ungereimtheit. Antirauchervereinchen​, Tabakpräventionskommi​ssion, Gesundheitskommission​ und BAG weigerten sich beharrlich, dass Rauchen als Krankheit anzuerkennen und damit solche Mittel in den Spezialitätenliste aufzunehmen. Doch am 2.07.2011 endete der bis anhin erfolgreich geführte Widerstand der Aberkennung, dass Rauchen durchaus eine Krankheit sein kann, durch obersten gerichtlichen Entscheid. Und dies zu Recht, wenn man bedenkt, welche Folgen das Rauchen haben kann und diese Vereinchen, BAG, etc, nicht etwa bestreiten, sondern damit sogar den Teufel an die Wand malen. Liest man dann aber die Begründung mit der das BAG ihre Ablehnung der Aufnahme von Antirauchermedikament​e in den Leistungskatalog bis in letzter Instanz vertrat, bleibt einem nur noch das Kopfschütteln.

Unt​er BGE 137 V 295 entschied das Bundesgericht in Sachen Pfizer gegen das Bundesamt für Gesundheit (BAG),  dass „Champix“ als kassenpflichtiges Medikament zuzulassen ist. Hierbei muss man wissen, dass das Bundesgericht der Pfizer nur teilweise Recht gab. Das war zu erwarten, denn auch ein Bundesgericht wird in den seltensten Fällen einem Bundesamt vollständig widersprechen. Hier der Wortlaut des Bundesgerichtsentsche​ides http://www.polyr​eg.ch/d/informationen​/bgeleitentscheide/Ba​nd_137_2011/BGE_137_V​_295.html

Das BAG hat nun am 1.07.2013 bekannt gegeben, unter welchen Voraussetzungen die Grundversicherung das Antirauchermittel „Champix“ übernehmen muss. Siehe Champix Filmtabletten – Pfizer.de im Link  https://www.google.c​h/webhp?hl=de&gws_rd=​ssl#hl=de&q=Pfizer+Ch​ampix

Doch als Antirauchermittel gibt es nicht nur „Champix“, sondern auch „Zyban“. Weitere unter Medikamente zu subsumierende Antirauchermittel sind mir nicht bekannt. Während „Zyban“ auf das weit weniger gefährliche „Bupropion“ basiert, hat das auf „Varenicilin“ basierende „Champix“ zum Teil gravierende Nebenwirkungen. Und wie aus diversen Fachzeitschriften zu entnehmen ist, wird vor der Medikation sowohl von „Champix“, als auch von „Ziban“ gewarnt. So wird kein Arzt einem Raucher der bereits einen Herzinfarkt oder Hirnschlag hinter sich hat, noch eines dieser beiden Medikamente verschreiben. Ueber die Gefahren dieser beiden Medikamente habe ich übrigens auch einen guten Artikel im Spiegel Online – Wissenschaft gefunden http://www.spiegel.de​/wissenschaft/medizin​/gefaehrliche-nebenwi​rkungen-forscher-warn​en-vor-rauchstopp-pil​le-champix-a-795549.h​tml . In diesem Artikel ist insbesondere folgender Teil bemerkenswert: „Bei 3249, also rund einem Viertel, hatten die Betroffenen eine Depression entwickelt, sich selbst verletzt, einen Suizidversuch unternommen oder waren infolge eines Suizids verstorben. 2925 dieser Fälle standen in Zusammenhang mit Champix, 229 mit Zyban und 95 mit Nikotinersatzstoffen.​ 295 Menschen, die Champix eingenommen hatten, hatten sich umgebracht.“

Und trotz dieser Tatsache wird man auf der Spezialitätenliste lediglich „Champix“, nicht aber das weit weniger gefährliche „Zyban“ finden. Man kann zwar diesen Umstand damit begründen, dass Pfizer den Prozess gegen das BAG geführt hatte und das BAG alleine das Medikament der Pfizer als obsiegende Partei auf die Spezialitätenliste setzen muss, doch dieses Verhalten der BAG bleibt gerade in Abwägung des unterschiedlichen Gefahrenpotentials zwischen „Champix“ und „Zyban“ unverständlich.

Da​s Bundesgericht hat mit BGE 137 V 295 entschieden, das Rauchen unter gewissen Voraussetzungen als Krankheit anzuerkennen. Es erübrigt sich damit, hier eine neue Debatte darüber zu führen, ob nun das Rauchen eine Krankheit ist oder nicht. Tatsache ist einfach folgende: Am besten ist natürlich, wenn ein Raucher ohne Medikamente von seiner Nikotinsucht wegkommt. Es ist aber falsch zu behaupten, dass dies eine reine Willenssache ist. Das mag in vielen Fällen der Fall sein, doch spielen hierbei viele Faktoren eine Rolle. Dies kann sowohl das Umfeld als auch die Intensität des Rauchens sein (Kettenraucher), aber auch die Marke spielt infolge der dem Tabak beigemischten Stoffe eine wesentliche Rolle. Unbestreitbar ist einfach die Tatsache, dass viele Raucher ohne medikamentöse Behandlung von der Nikotinsucht nicht wegkommen. So bleiben das ungefährlichere „Zyban“ als einziges dem Vermögenden, während dem sich der arme Schlucker mit dem nun unter gewissen Voraussetzungen von der Krankenkasse zu bezahlenden gefährlicheren „Champix“ begnügen muss, will er von seiner Nikotinsucht wegkommen.

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Comments to: Eine weitere Unverständlichkeit vom BAG:
  • Juni 23, 2014

    Herr Safado zuerst einmal GUTE BESSERUNG. Ich habe den Blog gelesen und muss mich noch kundig machen. Jedoch was mir auffällt ist, dass Heroinsüchtige medikamentenmässig besser dran sind als Nikotinsüchtige. Ist dem so ?

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  • Juni 23, 2014

    Herr Safado!

    Zuerst einmal wünsche ich Ihnen gute Besserung!

    In Wikipedia habe ich unter anderem folgenden Nachteil von Zyban für die Raucherentwöhnung gefunden, den ich hier nun hineinkopiere:

    Die​ Therapie ist nur bei Trägern einer bestimmten, bei europäischstämmigen Menschen allerdings weit verbreiteten, Genvariante im Cytochrom P450-System erfolgversprechend: Ungefähr 45 % aller Menschen europäischer Herkunft haben den Genotyp CYP2B6*6. 33 % der Träger dieser Genvariante konnten durch Bupropion mit dem Rauchen aufhören (bei den Probanden, die ein Placebo erhielten, waren es nur 14 %). Die Träger einer anderen Genvariante (Genotyp CYP2B6*1) hatten jedoch keinen Nutzen durch Bupropion.[20][21]


    Link:

    http://de.w​ikipedia.org/wiki/Zyb​an#Rauchentw.C3.B6hnu​ng

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    • Juli 19, 2021

      Da Zyban offenbar nur bei etwas weniger als der Hälfte der Betroffenen wirkt, wird es das Mittel schwerer als Champix haben, in die Liste der durch die Grundversicherung zu bezahlenden Medikamente aufgenommen zu werden.

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  • Juni 24, 2014

    Otto Jossi

    Jedoch was mir auffällt ist, dass Heroinsüchtige medikamentenmässig besser dran sind als Nikotinsüchtige. Ist dem so ?

    Dem ist nicht nur so, sondern es ist weit schlimmer. Während man Heroinabhängigen hilft, plündert der Staat die Raucher aus. Zudem werden sie diskriminiert (Rauchverbote) und zum Teil auf öffentlichem Grund beschimpft.

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  • Juni 24, 2014

    Dem ist genau so!

    Da der Staat nun aber bei den Rauchern mit seiner Abzockerei am obersten “Kostendach” angekommen ist, sucht er bereits neue Einnahmequellen/Sücht​ige um diese bewirtschaften und medizinisch ausbeuten zu können. Neue Süchtige indem man Canabis legalisiert und Alkohol subventioniert:

    ht​tp://www.vimentis.ch/​d/dialog/readarticle/​bund-sucht-neue-anlau​f-fuer-suechtige/

    ​Die NGO-Lungenliga z. B. hat die Ressourcen, welche sie erbettelt und die Allgemeinheit glauben macht, damit Betroffenen zu helfen, in teure Abstimmungskämpfe gebuttert (inkl. TV-Eigen-Werbung etc.)

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