1. Umwelt, Klima & Energie

Energiewende: Fakten gegen Märchen

„Energiewende: Fak­ten, Miss­ver­ständ­nis­se​, Lö­sun­gen – ein Kom­men­tar aus der Physik

Die Energiewende soll den fortschreitenden Klimawandel aufhalten. Zu diesem Zweck hat sich Deutschland im Klimapakt der Europäischen Union verpflichtet, den Ausstoß klimaschädlicher Gase bis 2050 um 80% bis 95% zu verringern. Als Zwischenziel soll laut Bundesministerium für Umwelt (BMU) bis 2030, das heißt in etwa zehn Jahren, deren Ausstoß gegenüber heute um gut 40% gesenkt werden.

N.B.: Quellen zu allen Angaben in diesem Text finden sich in einer separaten Excel-Datei unter:

https://www.ph​ysi.uni-heidelberg.de​/energiewende/Quellen​angaben_Web_2019.xls

Lösungen

Energieeinsparungen

– Mit Energieeinsparungen wird Geld eingespart, statt es wenig effizient auszugeben: Würde beispielsweise im Verkehr 12% weniger Kraftstoff verbraucht, so spart dies mehr Energie ein, als alle Windkraftanlagen liefern. Zum Vergleich: Die Anzahl der neu zugelassenen PKW hat sich in den vergangenen 10 Jahren um 11% erhöht, ihre Leistung im Mittel um 18%, der PKW-Bestand stieg in sechs Jahren um 8%.

– Das eingesparte Geld kann z.B. für den Bau energieeffizienter Wohnungen eingesetzt werden, oder um die Schäden des Klimawandels zu mildern.

Zukünftige​ Energieversorgung

– In Deutschland selbst gibt es starke Schwankungen in der alternativen und vor allem in der solaren Energieversorgung, selbst wenn diese durch internationale Vernetzung etwas ausgemittelt werden können. Aber das weltweite Potenzial der Sonnenenergie ist sehr groß und sollte besser genutzt werden. In den äquatornahen Wüsten der Erde stehen große Flächen für den Einsatz von Solarkraftwerken zur Verfügung, und auch für die Windenergie gibt es deutlich günstigere Standorte als das relativ windstille deutsche Binnenland.

– Die Gefahren der Kernkraft (Kernspaltung oder Kernfusion) sollten im Vergleich zu den Gefahren des Klimawandels bewertet werden. Die in verschiedenen Industrienationen entwickelten Brutreaktoren erzeugen übrigens nicht nur CO2-freien, sondern auch erneuer-baren Strom.

Schlussbemer​kungen

Die Studien verschiedener Behörden und Agenturen kommen zu dem Schluss, dass man bis 2050 mit Wind- und Sonnenenergie, verbunden mit dem Einsatz von Elektroautos den

klimaschädlichen CO2-Ausstoß um 95% verringern kann, selbst bei unverminderter Verkehrsleistung. Ob diese Planungen realistisch sind, muss jeder für sich selbst entscheiden: im Mittel, über Stadt und Land verteilt , erfordern sie alle 2.5 Kilometer ein Windrad, sowie zusätzlich Solarzellen über eine Fläche von mehr als tausend Quadratkilometern.

Es​ ist auf jeden Fall schwer vorstellbar, dass der heutige Energiebedarf ganz aus erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. Energieeinsparung in allen Bereichen muss deshalb das oberste Ziel sein. Hier muss Deutschland als Hochtechnologieland vorangehen.

Zu beachten: Die benötigte Energie ist das Produkt aus Prokopfverbrauch und Bevölkerungs-zahl. Während klar ist, dass der deutsche Prokopfverbrauch erheblich sinken muss, wird ein Bevölkerungsrückgang hierzulande als Unglück angesehen. Die Frage des Wachstums der Weltbevölkerung insgesamt sollte unbefangen diskutiert werden – andernfalls wird sich die Natur zu wehren wissen. Unser Energieverbrauch ist allerdings weder auf zehn noch auf fünf Milliarden Menschen ausweitbar.”

Prof. Dr. Dr. h.c. Dirk Dubbers, Prof. Dr. Johanna Stachel, Prof. Dr. Ulrich Uwer,

Physikalisches Institut der Universität Heidelberg. 15.7.2019

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Comments to: Energiewende: Fakten gegen Märchen
  • August 10, 2019

    Herr Schneider, wenn Sie hier schon den Artikel hineinkopieren, dann sollten auch die Missverständnisse (Lügen) betreffend Wind- und Solarenergie aufgedeckt werden. Deutschland ist keinen Schritt weiter als die Schweiz. Auch wenn Ziltener in seinem Beitrag erwähnt, die Schweiz sei das Schlusslicht.

    «Die in Abbildung 2 gezeigten 3% für die Windenergie lassen uns stutzen. Beliefert nicht eine einzige Windkraftanlage mehr als tausend Haushalte mit Strom, wie man landauf landab hört? Wenn jedes der 30 000 installierten Windrädern mehr als 1000 Haushalte versorgt, dann erfasst die Energiewende bereits mehr als 30 Millionen der insgesamt 41 Millionen Haushalte. Ist die Energiewende damit nicht schon fast geschafft, und widerspricht dies nicht dem in Abbildung 2 gezeigten Befund?

    Nein, denn hier trifft man auf das erste Missverständnis: selbst wenn alle Haushalte in Deutschland ihren Strom aus erneuerbaren Quellen bezögen, so wären erst 6% des 80%-Ziels zur Klimagasvermeidung bis 2050 geschafft. Der Beitrag der Windkraft zur Energiewende sieht nur riesig aus, da er in Einheiten der kleinen “Münze” Haushaltsstrom angegeben wird. (Kleine Nebenrechnung: Der Stromverbrauch der privaten Haushalte beträgt 25% des gesamten Stromverbrauchs, dieser wiederum beträgt 18% des gesamten Energieeinsatzes, und 25% von 18%, bezogen auf das 80%-Ziel, ergibt 6%).»

    Interessant auch die Fakten betreffend CO2- Ausstoss. Auch hier keinen Schritt weiter (siehe Grafik im Artikel).

    https://www.physi​.uni-heidelberg.de/en​ergiewende/belege/fil​es/Energiewende_Web_2​019.pdf

    Und

    https://www.​achgut.com/artikel/di​e_heidelberger_stellu​ngnahme__pyhsiker_sez​ieren_energiewende

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