1. Sonstiges

Es geht auch anders

Kurzarbeit, Stel­lenab­bau, Lohnkürzungen, ein­sei­tig ver­ord­nete Zu­satz­stun­den, sogar Pläne für die Aus­zah­lung der Löhne in Euro an Grenzgänger, dies alles muss­ten wir in den letz­ten Wo­chen aus den Me­dien erfahren.

Dass es auch anders geht, beweisen Stadler-Rail und die Gewerkschaft UNIA. Peter Spuhler und Corrado Pardini haben nach dem Motto “Lösungen suchen” gemeinsam einen Krisendeal unterzeichnet: Die Angestellten arbeiten etwas länger, dafür sind Lohn und Job gesichert.

 

Die Eckpunkte des Übereinkommens:

 

D​ie Wochenarbeitszeit wird für 3000 MitarbeiterInnen von 42 auf 45 Stunden erhöht.

 

Für das Stammpersonal gilt ein Kündigungsschutz.

 

Für die Dauer des Massnahmenpaketes gibt es keine Lohnkürzungen.

 

Al​le drei Monate prüfen die Sozialpartner die Situation.

 

Im Sommer starten die beiden Vertragspartner neue GAV-Verhandlungen.

 ​

Dass Peter Spuhler im Gegensatz zum Industrieverband Swissmem nicht auf Konfrontationskurs geht sondern Lösungen zur Rettung des Werkplatzes Schweiz und zur Erhaltung des sozialen Friedens sucht, ist bemerkenswert, ebenso dass sich die Gewerkschaft für pragmatische Lösungen einsetzt und auf Maximalforderungen verzichtet.

 

Bravo​ Peter Spuhler, bravo Corrado Pardini! Zur Nachahmung empfohlen.

 

http:/​/www.bernerzeitung.ch​/wirtschaft/standard/​Spuhlers-eigener-Weg/​story/11398877

 

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Comments to: Es geht auch anders
  • Februar 24, 2015

    Das heisst, im Sommer wird Peter Spuhler erste Kündigungen vornehmen und Werkteile ins Ausland verschieben. Gut verhandelt.

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    • Juli 19, 2021

      Kaum ist die Tinte der Unterschriften auf dem Vertrag zwischen Stadler-Rail und der UNIA trocken, kommen schon die ersten Zweifler. Lassen wir doch dieser Firma für die Umsetzung der Vereinbarung Zeit. Es wäre für Peter Spuhler einfach gewesen, einen Teil seiner Produktion in das Werk in Polen auszulagern und einheimische Angestellte zu entlassen. Er hat einen anderen Weg gewählt und damit dem Werkplatz Schweiz einen guten Dienst erwiesen. Auch der Bewahrung des sozialen Friedens ist damit gedient. Ihm und der UNIA sollten wir für diese pragmatische Lösung dankbar sein.

      Herr Kneubühl: Der Optimist sieht in jeder Schwierigkeit eine Gelegenheit, der Pessimist in jeder Gelegenheit eine Schwierigkeit (Günter Grass).

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  • Februar 28, 2015

    Knallhart geht dagegen der Güterwagenproduzent Cattaneo im Tessin vor:

    Hartes Brot wollte der Tessiner Güterwaggon-Unterneh​mer Aleardo Cattaneo seinen Schweissern, seinen Monteuren und Maschinisten vorsetzen. Tiefere Löhne sollten sie schlucken: die Grenzgänger um sieben Prozent, die anderen um drei Prozent. Doch die Angestellten wehrten sich: sie schalteten die Unia ein und organisierten eine Vollversammlung. Einstimmig lehnten die Arbeiter einen diktierten Lohnabbau ab.

    Jetzt verfährt Cattaneo nach dem Motto: Friss oder stirb und schafft vollendete Tatsachen. Geben seine Büezer nicht nach, schliesst er die Güterwaggon-Produkti​on in der Schweiz und lagert sie nach Poprad in der Slowakei aus. Droht er. Bereits heute lässt seine Ferriere Cattaneo dort jährlich 1000 Güterwaggons bauen. 20 Leute würde Cattaneo in Giubiasco auf die Strasse stellen.

    http://ww​w.workzeitung.ch/tiki​-read_article.php?art​icleId=2327

    Mit ähnlichen Drohungen arbeiten auch andere Arbeitgeber, z.B. die Firma Exten in Mendrisio:

    Angekün​digte Lohnsenkungen von 16% für Einheimische und 26% für Grenzgänger

    http:/​/www.unia.ch/de/medie​n/medienmitteilungen/​mitteilung/a/10792/

    Dass der starke Schweizerfranken für exportorientierte Firmen zu Schwierigkeiten führen kann ist unbestritten. Aber einfach mittels von oben diktierten Lohnsenkungen die vermeintlichen Mehrkosten einseitig auf das Personal abzuwälzen zeugt von einem miserablen Verständnis einer Sozialpartnerschaft. Das Beispiel von Stadler Rails zeigt, dass es auch anders geht, nämlich miteinander nach gangbaren und praktikablen Lösungen suchen. Dann akzeptieren auch die MitarbeiterInnen längere Arbeitszeiten oder Lohnkürzungen, wenn diese nachvollziehbar und zeitlich begrenzt sind. Das Übereinkommen der Stadler Rails mit der Belegschaft/Unia könnte wegweisend sein.

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    • Juli 19, 2021

      Aber Aber S.Rotzetter. Das stimmt doch nicht. Was natürlich stimmt wie alle diese oder ähnliche Zustände die Grüne Partei von S. Rotzetter als undenkbar hielt, wenn wir nur zu den bekannten PFZ-Verträgen Ja sagen. Weil darin jede menge flankierende Massnahmen getroffen worden seien.

      So kommt man dann auch nicht herum, dass neben dem starken Franken auch die Masseneinwanderung zusätzlich die Löhne und den Arbeitnehmer insgesamt belastet.

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  • Februar 28, 2015

    Die Linken wollen die EU. Bitte, jetzt haben sie EU Zustände. Hart für die Betroffenen, aber wohl unvermeidlich.

    Kein Unternehmen ist ein Sozialwohlfahrtswerk,​ sondern muss sich nach den Zahlen richten.

    Die 1.20-Küpli-SNB-Party ist vorbei. Aber vielleicht stellt die UNIA ja die Leute bei vollen Sozialleistungen an?

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  • Februar 28, 2015

    Besonders betroffen ist das Tessin, wo Firmen jetzt “von oben herab” Lohnkürzungen anordnen (siehe meinen Beitrag weiter unten betreffend Cattaneo und Exten). Die Belegschaft wird dort vor vollendete Tatsachen gestellt.

    Von einer Lohnkürzung hält Firmenchef Peter Spuhler dagegen nichts.”Die Löhne soll man jetzt nicht antasten. Das schlägt auf die Stimmung im Betrieb”, sagte er in einem Interview mit der “SonntagsZeitung”. Auch volkswirtschaftlich gesehen sei es ein Fehler, jetzt die Kaufkraft zu reduzieren.Eine intelligentere Lösung ist seiner Ansicht nach, die Wochenarbeitszeit anzuheben – als temporäre Massnahme.

    Aus dieser Erkenntnis heraus kam die Vereinbarung zwischen Stadler Rails und der Unia zustande.

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  • März 1, 2015

    Es geht nicht grundsätzlich “auch anders”. Arbeitszeitverlängeru​ngen z. B. bringen nur da etwas wo die Auftragslage ausreicht um diese auch entsprechend zu nutzen. Arbeitnehmer die 3 Stunden länger in der Firma bleiben um diese Zeit Däumchen zu drehen und Kaffee zu trinken bringen niemandem etwas.

    Im Fall des starken Frankens gibt es keine Regel, sondern viele, viele Einzelfälle, die einzeln beurteilt werden müssen. Es gibt lohnintensive Branchen, weniger lohnintensive Branchen, unterschiedlichste Auftragslagen und finanzielle Situationen. Um in Situationen wie der aktuellen nicht mit Lohnkürzungen zu arbeiten muss man z. B. entsprechend liquide sein.

    Die Schweiz leistet sich als relativ kleine, stark von Im- und Exporten abhängige Volkswirtschaft eine eigene, ungebundene Währung. Das hat Vor- und Nachteile. Jetzt spüren einige von uns die Nachteile.

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    • Juli 19, 2021

      Einverstanden Herr Wagner, eine Arbeitszeitverlängeru​ng bringt nur dort etwas, wo ein grosses Auftragsvolumen vorhanden ist. Man muss zwischen den verschiedenen Branchen und sogar zwischen einzelnen Firmen unterscheiden.

      Es geht mir aber darum, dass Einschränkungen – seien es Lohnabbau oder längere Arbeitszeiten – nicht einfach “von oben herab” diktiert werden, sondern dass zusammen mit der Belegschaft eine tragfähige Lösung erarbeitet wird. Nur so können die MitarbeiterInnen zu existentiellen Verschlechterungen ihrer momentanen Situation JA sagen. Diktate und Drohungen (Auslagerung ins Ausland, Betriebsschliessung, Änderungskündigung) schaden der Sozialpartnerschaft und belasten den Arbeitsfrieden. Dass eine einvernehmliche Lösung möglich ist, zeigt die Vereinbarung zwischen Stadler Rails und der Belegschaft/Unia. In anderen Fällen kann es sich auch um zeitlich definierte Lohnkürzungen oder andere Massnahmen handeln. Dies sollte aber immer gemeinsam mit den betroffenen Mitarbeiterinnen geschehen.

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    • Juli 19, 2021

      Wenn Betriebsschliessungen​ drohen, was oftmals gar nicht von den Geschäftsleitungen in der Schweiz, sondern von internationalen Mutterhäusern ausgeht, dann ist das in eine Diskussion um einen Ausgleich zum starken Franken auch mit einzubringen. Ein Kuschelkurs bringt hier gar nichts.

      Was die existenziellen Verschlechterungen angeht bin ich mit Ihnen auch nicht 100% einig. Wir haben massive Zinsvergünstigungen und nach Absacken des Eurokurses auch Preissenkungen bei den Konsumgütern, ob sich Mitarbeiter wirklich existenziell so viel schlechter stellen mit 3% Lohnabschlag (3% = ca. Fr. 200 bei einem Gehalt von Fr. 6’000) sei dahingestellt.

      Ich bin kein Fan von Gewerkschaften. Ich habe lange als Freiberufler gearbeitet, mir gegenüber musste sich niemand rechtfertigen wenn er Dienstleistungen oder Produkte nicht bei mir bezogen hat. Manchmal habe ich tagelang gearbeitet (Angebote kalkulieren, Informationen zusammenstellen, Kundenbesuche organisieren und durchführen) und trotzdem kein Geld verdient. Bezahlten Urlaub gab es für mich nicht, wie auch keine Arbeitslosenversicher​ung.

      Ich bekomme dafür jetzt sicher haufenweise Daumen runter, aber: Festangestellte die sich über 3% Lohnreduktion echauffieren wissen nicht wie gut sie es haben. Da herrscht teilweise eine Vollkaskomentalität die ich als inzwischen wieder Festangestellter, aber immer noch mit einem gewissen unternehmerischen Denken, überhaupt nicht nachvollziehen kann. Die Beibehaltung von Löhnen in Schweizer Franken in aktueller Situation gibt es nicht umsonst, irgendjemand muss es bezahlen. Und in der Regel ist es der Unternehmer (auch oft Kleinunternehmer), der den Puffer spielen muss zwischen Festgehaltsansprüchen​ und der wirtschaflichen Wirklichkeit.

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    • Juli 19, 2021

      Wieso Daumen runter? Sie erläutern sachlich Ihre Sicht des Problems, ich die Meine. Das ist doch der Sinn von Diskussionen, oder? 😉

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    • Juli 19, 2021

      Bei Ihnen habe ich da auch keine Sorge, Frau Rotzetter. Manche Leute vergeben “Daumen hoch” oder “Daumen runter” eben nicht nach sachlichen Erwägungen. Wobei mir das im Endeffekt egal ist, ich vertrete meine Meinung so oder so.

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  • März 6, 2015

    “Sind Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängeru​ngen die richtigen Massnahmen in der Krise?
    Nein. Wenn man jetzt in der Schweiz die Löhne kürzt, schlägt man das einzige Standbein noch weg, nämlich die Binnennachfrage. Lohnkürzungen würgen den inländischen Konsum ab.”

    Der Ökonom Heiner Flassbeck im Interview

    http://w​ww.watson.ch/!1594874​33

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  • März 6, 2015

    Die bis zu 60% höheren Konsumentenpreise, welche es bereits vor Wegfall der CHF 1.20 waren, dürfen nicht einfach ‘vergessen’ werden.

    Und diese hohen Preise waren bereits bis Mitte Januar 2015 nicht mehr gerechtfertigt. Der Einkaufstourismus dauert ja schon viele Jahre an, genau aus diesem Grund. Mit Wegfall der 1.20 ist die Differenz noch grösser geworden.

    Diese Preise sind auch nicht mit angeblich höheren Löhnen in der Schweiz zu rechtfertigen, sondern weil die Teppichetagen bei Migros, COOP usw. zu gross sind und zu hohen Einkommen haben. Dass es auch anders geht, zeigt nicht nur Aldi in der Schweiz.

    Es ist aber gut, dass nun alle ‘Verwerfungen’ bei uns endlich auf den Tisch kommen und die sind hausgemacht.

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  • März 6, 2015

    In der Zeit des Mindestkurses wurde in der Privatwirtschaft eine Preisoptimierung nach der anderen Durchgeführt, die Zitrone ist ausgepresst. Es gibt nur noch einen Bereich wo die Profiteure wie Maden im Speck leben und in den letzten Jahren kräftig aufgestockt wurde!
    Würden alle unnötigen Beamtenjobs/ Sonderbehandlungen (z.B. Abzockerlöhne, 7-Wochen Ferien, Ausgleichstage, 2.5h bezahlte Pausen…)gestrichen könnten für ALLE die Steuern um 50% gesenkt werden. Aber dagegen wehrt sich links/grün, da hauptsächlich ihre Wählerschaft von diesen Streichungen betroffen wäre!

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