Finnland als Mahnmal

Vor 100 Jahren, am 4. Dezember 1917, wurde Finnland unabhängig. Aber schon am 30. November 1939 wurde es von der Sowjetunion (UdSSR) mit 600‘000 Mann, mehr als 2000 Panzern, einer feuergewaltigen Artillerie, unterstützt durch 700 Jagdflugzeuge und 800 Bomber angegriffen. Finnland zählte damals rund 3 Millionen Einwohner. Die armeefeindliche Sozialdemokratische Partei und der Landbund stellten seit einigen Jahren die Regierung. Noch im August 1939 hatte Premierminister Aimoo Kaarlo stolz verkündet, seine Regierung habe kein Geld für Waffen verschwendet. Am Tag des sowjetischen Angriffes trat sie zurück.

Finnlands Streitkräfte verfügten über 250‘000 Mann. Aber nur 200‘000 konnten ausgerüstet werden. So rückten Tausende mit Privatwaffen ein. Insgesamt standen 100 Panzerabwehrkanonen zur Verfügung. Die Armee hatte keine Fliegerabwehr, da die wenigen vorhanden Geschütze für den Schutz der Städte benötigt wurden. Die Streitkräfte hatten wenige Wochen vorher die ersten 30 Panzer bekommen, aber waren noch nicht richtig vertraut mit deren Einsatz. Die Artillerie verfügte über 100 Geschütze mit einer geringen Reichweite aus dem ersten Weltkrieg. Die Flugwaffe hatte 31 Jagdflugzeuge und 17 Bomber.

Zur Überraschung der europäischen Öffentlichkeit angesichts der erdrückenden sowjetischen Übermacht einte ein unbeugsamer Widerstandswillen die vorher zutiefst zerstrittenen Finnen. Ein sehr kalter Winter mit ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ sehr viel Schnee unterstützte sie in den weissen Tarnanzügen auf ihren Skis. (Die ganze Schweiz, auch die damals 10-jährige Schwester des Verfassers, strickte warme Sachen für die finnischen Soldaten). Sie hielten fast 4 Monate lange der gewaltigen Übermacht stand. Da Panzerabwehrwaffen fehlten, erfanden die Finnen die Molotov-Cocktails von denen sie 500‘000 produzierten. Die Infanteristen mussten die sowjetischen Panzer bis auf Wurfdistanz heran lassen, um sie damit in Brand zu setzen. Am 13. März 1940 wurde der Krieg beendet. Die finnische Armee beklagten 25‘000 Tote und 45‘000 Verwundete. Laut Schätzungen verlor die Rote Armee mehr als 200‘000 Mann.

Stalin hatte jeweils aus Kommunisten der Länder, mit denen die UdSSR im Krieg stand, Exilregierungen aufgebaut. Diese wurden nach dem jeweiligen Sieg der Roten Armee als Regierungen installiert. So entstand der Ostblock. Am 2. Dezember 1939 setzte Stalin im Grenzort Terijoki eine von Otto Wilhelm Kuusinen, dem Gründer der kommunistischen Partei Finnlands und Sekretär des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationalen geführte Gegenregierung ein, löste sie aber nach dem Friedensvertrag wieder auf. Finnland musste grössere Gebiete an die UdSSR abtreten. Aber warum erlaubte Stalin Finnland nach seinem heldenhaften Widerstand als einzigem von der Roten Armee besiegten Land sein demokr-tisches System zu behalten, auch wenn es in den folgenden Jahren gegenüber dem Sieger eine sehr verständnisvolle Politik führen musste?

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Comments to: Finnland als Mahnmal
  • Dezember 13, 2017

    Habe Verwandte in Suomi Finnland, die sind ein stolzes und wehrhaftes Land, sie würden jeder Zeit ihre Unabhängigkeit verteidigen.
    Ganz Stolz sagen diese: “Helsinki ist neben London und Moskau die Hauptstadt der kriegsführenden Länder Europas im 2.WK das nicht besetzt wurde.”

    Sie reagieren sehr empfindlich auf kriegsführende Handlungen Russlands, z.B. im Krieg gegen Georgien, Ukraine, Krim usw. Sie sind immer wachsam.

    Sie Leiden heute noch am Verlust Kareliens, tausende wurden nach dem Krieg von den Russen vertrieben und verloren ihre Heimat, für die Finnen ist das noch nicht verdaut.

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  • Dezember 13, 2017

    Warum überliess Stalin Finnland als einziges von der UDSSR besetzten (nicht besiegtem) Land sein demokratisches System?.
    Weil selbst ein (intelligenter) Diktator den unbeugsamen Freiheitswillen Anerkennung und Achtung zollen muss. Eine noch so grosse Überlegenheit an Waffen und Soldaten vermögen diese naturgemässen starken Freiheitswillen – auf Zeit – niemals zu überwinden.
    Auch die alten Eidgenossen (im Gegensatz zu der heutigen EU-politischen links/grünen, CVP, FDP Kaste) können hierin viele wahrhaftige Geschichten “erzählen”.

    Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.
    Benjamin Francklin

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  • Dezember 13, 2017

    Danke, Herr Frick für dieses prägnante Fakten-Geschichtsbrie​fing. Es betrifft allerdings auch nur einen kleinen Ausschnitt der schicksalhaften Geschichte Finnlands. Aus ihr zu lernen ist sicher eine vordringliche Aufgabe der Finnen, genauso wie wir aus der eigenen Geschichte unsere Schlüsse ziehen müssen.

    Immerhin muss man die damalige und auch die heutige „Selbständigkeit“ Finnlands grundsätzlich mit einem Fragezeichen versehen. (Russische Machtansprüche, EU, EURO, usw.)

    Hier ein interessanter Artikel zum Thema.
    https://www.n​zz.ch/international/i​m-langen-schatten-des​-grossen-nachbarn-ld.​1336122

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  • Dezember 14, 2017

    Während Polen, Ukraine, die baltischen Staaten und andere unter die direkte Kontrolle des Kreml gerieten, bleib Finnland ein souveräner Staat.

    Das ist Männern wie Mannerheim und einer klugen Politik zu verdanken. Wenn man einen Nachbarn wie Russland hat, muss man wissen was man tut.

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