1. Gesellschaft

Für eine zeitgerechte Familien- und Gleichstellungspoliti​k

Familienrealitäten haben sich in den letz­ten Jah­ren stark verändert – es gibt Ein-und Dop­pel­ver­die­ner-F​a­mi­li­en, Ei­n­el­tern- und Patchwork­fa­mi­lien und un­ter­schied­li­che in­ter­ge­ne­ra­tio­n​elle Be­treu­ungs­mo­del­l​e. Gleich­zei­tig ist die Schweiz ein Land mit der höchsten Frau­en­er­werbs­quo­​te, die auch eine der höchsten Teil­zeit­quo­ten bein­hal­tet. Dies bei den einen aus freier Wahl, weil das ihre Art ist Fa­mi­lie und Er­werbs­ar­beit unter einen Hut zu brin­gen. Bei an­de­ren eher aus Qual, weil es keine be­zahl­ba­ren oder verfügbaren familienergänzenden Kinderbetreuungsmögli​chkeiten gibt. Haus­halte mit Kin­dern – und ins­be­son­dere Ei­n­el­tern­fa­mi­li​en und kin­der­rei­che Fa­mi­lien –  haben ein be­son­ders hohes Ar­muts­ri­siko und sind stärker vom Phänomen der Wor­king Poor be­trof­fen. Lag die Ar­muts­quote 2010 im Durch­schnitt bei 7,9%, war sie bei Ei­n­el­tern­fa­mi­li​en mit 25,9% mehr als drei Mal höher. Eine überdurchschnittliche​ Armutsgefährdung wei­sen auch Per­so­nen in Haus­hal­ten mit zwei Er­wach­se­nen und drei oder mehr Kin­dern auf (21,2%).­So­weit die Ausgangslage. 

Die Schweiz hat es am vergangenen Wochenende verpasst, für eine moderne und fortschrittliche Familienpolitik den Grundstein zu legen. Ich lasse mich durch diese reaktionäre Politik nicht einschüchtern und stelle weiterhin  klare Forderungen:

 

Genü​gend familienergänzende Kinderbetreuung

Eine​ richtige Familienpolitik beinhaltet flächendeckend eine qualitativ gute familienergänzende Kinderbetreuung. Die Familienzulagen müssen erhöht und die Krankenkassenprämien gesenkt werden. Der Mutterschaftsurlaub muss ausgebaut und ein nennenswerter Elternurlaub etabliert werden. Zudem wird die Familienarmut nicht nur als Schlagwort benutzt, sondern wirklich bekämpft, indem die ökonomische Existenzsicherung von Kindern angegangen wird.

 

Ergänzungsl​eistungen und konkrete Projekte gegen die Familienarmut

Famili​enarmut ist nicht nur als reales Problem anzuerkennen, sondern sie ist aktiv in Form von konkreten Projekten zu bekämpfen und das Ziel zu setzen, Erwerbsanreize zu schaffen und die Vereinbarkeit von sozialem Leben, Familie und Erwerbsleben zu fördern. Ergänzungsleistungen für Familien sehe ich als vordringliche Lösung.

 

Individua​lbesteuerung unabhängig von Geschlecht und Lebensform

Das geltende Steuerrecht führt unbestritten zu fragwürdigen Ungerechtigkeiten zwischen den verschiedenen Zivilstandsformen. Der Bundesrat soll eine steuereinkommensneutr​al ausgestaltete Individualbesteuerung​ prüfen. Besteuerung soll fortan unabhängig vom Zivilstand, unabhängig vom Geschlecht und unabhängig von der gewählten Lebensform erfolgen. Statt wie die CVP die Ehe als einziges Modell des Familienlebens zu zementieren oder wie die SVP die traditionelle Familie hochzustilisieren, wird damit die Realität in den Blick gefasst.

 

Die Umsetzung der Lohngleichheit

Die Lohndifferenz beträgt noch immer 18,4 Prozent, wie der Equal Pay Day vom 7. März und der Internationale Frauentag 2013 zeigen. Frauen müssen somit bis zum 7. März 2013 arbeiten, um für gleichwertige Arbeit denselben Lohn zu erhalten, den Männer bereits am 31. Dezember 2012 in der Tasche hatten. Frauen verdienen nicht weniger, weil sie weniger leisten, sondern weil sie für gleiche und gleichwertige Arbeit schlechter bezahlt werden. Diese Lohnschere steigt umso mehr, je höher die Hierarchiestufe ist und je mehr Boni, flexible und erfolgsabhängige Lohnbestandteile ausbezahlt werden. Damit ist das kräftige Zeichen der Annahme der Abzockerinitiative auch ein Zeichen für die Lohngleichheit, das mit der 1:12 Initiative der Juso und der Mindestlohninitiative​ des SGB verstärkt wird.  Das zeigt: Die Lohngleichheit ist ein strategisch wichtiger Pfeiler in jeder Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- und Sozialpolitik. Damit ist die Lohngleichheit auch Bestandteil jeder Diskussion über die Altersvorsorge. Denn diese hängt in der Schweiz vom Lohn ab. Deshalb ist es wichtig, dass die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen setzt und deren Umsetzung auch verbindlich überprüft.

 

Die Einführung von Geschlechterquoten

E​in weiterer wichtiger Aspekt für eine moderne Familien- und Geschlechterpolitik sind die Geschlechterquoten! Warum sind Frauen noch nicht oder zu wenig in den Kaderstufen vertreten?  Was könnten die Ursachen sein? Die Frauen wollen einfach nicht, so liest man allenthalben. Weil sie den Wettbewerb scheuen. Weil sie nicht mit denselben harten Bandagen kämpfen wollen wie die Männer. Weil sie lieber Kinder kriegen. Und deshalb wäre es fatal, würde man sie mittels einer Quote in Führungspositionen zwingen. Das alles tönt plausibel, trifft aber knapp daneben. Wer glaubt, Frauen seien von Natur aus weniger ehrgeizig und wettbewerbsorientiert​ soll sich mal auf Primarschulstufe umsehen. Es sind die Mädchen die alles dransetzen, schulisch zu brillieren. Und sie zeigen auch nicht weniger Scheu vor Wettbewerb oder Auseinandersetzung als die Buben. Sie gehen bloss anders vor. Dasselbe Bild zeigt sich auch an den Unis und im Arbeitsleben. Zuerst machen die Frauen Dampf, aber dann bekommen sie Kinder, sie reduzieren ihr Arbeitspensum und fallen so aus dem Beförderungsradar. Hier wären nun meine aufgezählten flankierenden Massnahmen gefragt, damit die karrierewilligen jungen Frauen in der Arbeitswelt bleiben können. Aber auch die Strukturen in der Arbeitswelt müssen angepasst werden. Denn zu hohe Präsenzzeiten, die Vorstellung dass Verantwortung unteilbar ist und generell die Vorurteile gegenüber Müttern – All dies führt dazu, dass Frauen im Zweifelsfall auf verantwortungsvolle Posten verzichten. Und das muss sich endlich ändern! Eine liberale Gesellschaft und eine effizienzorientierte Wirtschaft haben keine andere Wahl als Rahmenbedingungen zu schaffen damit die Karrierepläne gut ausgebildeter Frauen nicht an der Mutterschaftsklippe zerschellen. Oder aber man hört auf Frauen auszubilden. Das wäre ein fataler Rückschritt in der Gleichstellungspoliti​k und für den Feminismus.

Eine Quote darf ruhig zeitlich begrenzt sein. Veränderungen und Vorschriften erzeugen Angst und Widerstand. So auch die Quotendiskussion. Doch bereits hat sich einiges verändert – Mann und Frau spricht darüber und das ist doch schon etwas.

Es ist Zeit für eine Geschlechterquote – Als Signal für die nachrückende Generation erfolgshungriger Frauen. (mit Zitaten von Michèle Binswanger)

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
Kommentare anzeigen Hide comments
Comments to: Für eine zeitgerechte Familien- und Gleichstellungspoliti​k
  • März 19, 2013

    Sehr geehrte Frau Yvonne Frei, Familienpolitik in einem Land wo jeder fünfte ein Ausländer ist, ein Land das Kriminelle, Menschen ohne Bildung und mit null Sprachkenntnissen Eingebürgerte, so ein Land will eine Familienpolitik betreiben ist für Normaldenker nicht nachvollziehbar. Sie schreiben von Familien mit drei und mehr Kindern, pardon an wen dachten Sie denn, vielleicht Türkisch oder Balkan. Frau Frei diese Familien haben längst ihre Grossmutter Illegal in der Schweiz die zu den Kindern aufpassen und wenn Sie es nicht glauben, gehen Sie mal in Aldi oder Lidl einkaufen und zählen die Kopftücher, dann werden Sie selber sehen was hier zu Lande los ist. In den meisten Schulen gibt es Mittagstische wo Kinder essen können. Für meine Begriffe sollte eine Mutter ihr Kind mindestens bis zum ersten Schultag selber betreuen und erziehen. Es gibt da noch andere Modelle der Familienpolitik, wenn das Geld nicht reicht, nämlich ein Auto weniger in der Garage. Langsam aber sicher sollte man hier zu Lande auch aufhören mit dem Import der Armut und das blödsinnige Gejammer über die Lohnschere kann aufhören, denn die Schere der Intelligenz ist schon weit überdimensioniert.

    Kommentar melden
  • März 19, 2013

    Es fängt schon beim Familienbegriff an, Frau Feri SP.

    Warum können Sie nicht einfach die überall verständliche Formulierung „Familie“ so belassen, dass sie wie bisher eine miteinander verwandte Nachkommenschaftsgrup​pe beschreibt, die auf die Ehe zwischen Mann und Frau gründet?

    Erfinden Sie doch neue Ausdrücke für all die neuen Trans- Patch- und Homozuneigungsbeschwö​rungs-explorate!

    Ich meine einfach, damit unsere Kinder auch später noch ein Wort haben werden, mit dem sie eine normale Vater-Mutter-Kind-Bez​iehung mindestens benennen können.

    Kommentar melden
  • März 19, 2013

    Wo Einelternfamilien und kinderreiche Familien dem Armutsrisiko
    verfallen, so haben sie dies – allermeistens – selbst verschuldet. Frau
    Feri möchte, dass der daran völlig unbeteiligte Steuerzahler dafür
    aufkommt Die Forderung nach Erhöhung der Familienzulagen und
    Senkung der Krankenkassnprämien gehört zum Ceterum censeo unserer Sozialisten, die in der Regel die Mittel dazu nur herzunehmen
    verstehen, wenn sie ständig zunehmend die Allgemeinheit beschneiden.
    Die Armut braucht bei uns nicht staatlich bekämpft zu werden, umso
    weniger, als dass den Betroffenen dadurch ein Bärendienst geleistet
    wird, indem sie sich dann ja auch weniger anzustrengen haben. Die
    unterbreitete Individualbesteuerung​ will nichts weniger als eine
    Anpassung nach unten für die Arbeitsscheuen, Verschwender und
    risikofreudigen Versager.

    Was die 1:12-Initiative der Juso betrifft, so erlaube ich mir, ebenfalls
    einen Binswanger, nämlich Daniel, zu zitieren (Das Magazin vom
    16.03.2013):

    “D​ie 1:12-Initiative würde das Schweizer Lohngefüge zwar radikal
    verändern – so radikal aber, dass die meisten Unterstützer der Vorlage
    auf keinen Fall gewinnen möchten. Ein derart drastischer Alleingang
    wäre der Todesstoss für den Schweizer Standort. Das wissen auch die
    Gewerkschaften. Sie streben deshalb keinen Sieg, sondern eine
    knappe Niederlage an.”

    Daniel Binswanger dürfte für die Sozialdemokraten wohl der am
    wenigsten verdächtige Journalist sein. Frau Feri ist klug genug gewesen,
    die Annahme dieser Initiative nicht gleich zu propagieren. Immerhin
    besteht die Gefahr, dass die Angelegenheit durchkommt; dann ist
    Frau Feris Zugehörigkeit zu Totengräbern unseres Landes endgültig
    besiegelt!

    Hier wird auch schon wieder die Einführung von Geschlechterquoten
    p​ostuliert. Das haben bereits schon mehrere Vimentis-Referentinne​n
    getan (z.B. Kathy Riklin und Katharina Prelicz), dabei aber gar nicht
    koschere Argumente ins Feld geführt und im grossen Ganzen denn auch
    ihr gehöriges Fett abbekommen. Ein drolliges Neuargument liefert nun
    Frau Feri, wenn sie mit dem überlegenen weiblichen Studienfleiss
    Beweis​ zur Berechtigung solcher Quoten zu führen sucht.

    Kommentar melden
  • März 20, 2013

    Sehr geehrte Frau Feri

    Können Sie mir erklären, warum ich als Steuerzahler fremde Familien finanzieren soll?

    Kommentar melden
  • März 21, 2013

    Will die SP wirklich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, will sie wirklich Lohngleichheit? Dieselbe Frage müssen sich auch die Grünen Schweiz gefallen lassen. Denn solches wird nie zustandekommen, wenn seitens Links-Grün in der EU-Frage nicht endlich auf die Bevölkerung zugegangen wird. Es würde weiter doofe Kommentare geben, die Leute würden weiter als dumm betrachtet, die Diktatur würde ihre Schlinge immer enger auch um die Schweiz ziehen.
    http://www.v​imentis.ch/dialog/rea​darticle/gruene-realo​s-sind-gegen-einen-eu​-beitritt/

    Kommentar melden
  • Juni 11, 2013

    Nur mal so nachgedacht: wenn ein Arbeitgeber eine Stelle zu besetzen hätte und eine Frau und ein Mann mit gleicher Qualifikation und dem gleichen Lohn zur Wahl stehen würde, dann stellt dieser wahrscheinlich den Mann ein (der wird z.B. nicht so oft krank oder schwanger, ist körperlich belastbarer usw. – statistisch und biologisch belegbar). Die Zahl der arbeitslosen Frauen würden so zu Gunsten der Männer (meist Erstverdiener) steigen.
    Viele Unternehmer stellen heute immer noch meist Frauen ein, um Geld zu sparen (Tatsache). Bei lohnmässiger Gleichstellung würde sich somit die Frau (vielfach Doppelverdienerin) ein Eigentor schiessen. Gleichberechtigung für Frauen ist nicht immer von Vorteil – s. z.B. Militärdienst, den sie ja nicht wollen.
    Wie eine Frau behandelt werden, aber alle Vorteile eines Mannes für sich beanspruchen – das nennt man auch Opportunismus.

    Übr​igens: bzgl. Familienpolitik und Armut schrauben wir hier nur an Symptomen herum – viele unserer gegenwärtigen Problem haben auch mit unserer Zuwanderungspolitik zu tun. In unserem Land leben tausende Leute, die als Asylanten gekommen sind, aber deren Status schon lange nicht mehr gilt. Diese Menschen haben zum grossen Teil viel Steuergelder gekostet und sind auch nach vielen Jahren trotz fehlendem Status (kein Krieg, keine Verfolgung etc.) immer noch hier. Auch die Personenfreizügigkeit​ hat zu unseren sozialen Missständen beigetragen – durch Lohndumping weniger Lohn, Ü50 finden keine Arbeit mehr, jeden Monat ca. 3000 Aussteuerungen usw..
    Also, erst die Ursachen bekämpfen und dann staunen, wie wenig Probleme übrig bleiben…..

    Kommentar melden
  • Juni 17, 2013

    über die viele ausländern mit kindern sollen die schweizern sich selber kritisieren.
    hier wie in schweden gemacht wird.
    mit dem kosten bin ich nicht der meinung, aber dies ist eine andere diskution.

    http://​www.20min.ch/panorama​/news/story/Von-Kripp​enkindern-und-Karrier​emamis-16772758

    Kommentar melden

Kommentar schreiben

Neuste Artikel

  1. Aussenpolitik
Neutralität: Glaubwürdigkeit als Vermittlerin erhalten! Die aktuelle Weltenlage zeigt auf dramatische Weise, dass es ein Land wie die Schweiz braucht, das zwischen Kriegs- und Konfliktparteien vermitteln kann und einen Platz für Verhandlungen bietet. Es versteht sich von selbst, dass glaubwürdige Neutralität bedeutet, dass die Schweiz nicht Teil von Sanktionen oder kriegerischen Handlungen sein kann, da sie sonst zur Partei wird und ihre Glaubwürdigkeit als Vermittlerin verliert. Die Welt braucht mehr denn je eine neutrale, vermittelnde Schweiz!

Bleiben Sie informiert

Neuste Diskussionen

Willkommen bei Vimentis
Werden auch Sie Mitglied der grössten Schweizer Politik Community mit mehr als 200'000 Mitgliedern
Tretten Sie Vimentis bei

Mit der Registierung stimmst du unseren Blogrichtlinien zu