Wer sich für neue er­neu­er­bare Ener­gien ein­setzt, der sieht sich immer mal wie­der mit Ar­gu­men­ten kon­fron­tiert, die auf den ers­ten Blick ein­leuch­ten. Mein ak­tu­el­les Bei­spiel aus einer Fa­ce­boo­k-­Dis­kus­​​​​sion geht wie folgt:
 

“Radioaktiv verseuchte Gegenden, wegen dem Abbau von Neodym für Windturbinen und diverse andere Anwendungen befinden sich vorwiegend in Russland. Das Thorium, das dabei anfällt, könnte in Reaktoren der 4. Generation riesige Mengen von Strom erzeugen und gleichzeitig die abgebrannten Brennstäbe verwerten. KKW-Gegner wollen das mit allen Mitteln verhindern. So eine Dummheit.”

Das Problem der Seltenen Erden

Zuerst mal: Was ist Neodym? Auch noch nie gehört? Neodym gehört zu den Seltenen Erden, ein Sammelbegriff für insgesamt 17 Metalle mit besonderen Eigenschaf​​​​ten. Sie finden Verwendung in Smartphones, Elektro-Fahrzeugen, Fieberglasfasern oder Energiesparlampe​​​​n. In gewissen Windkraftanlagen wird das Neodym als Bestandteil des Permanent-Magneten verwendet. Eine einzige Anlage verwendet diese in einer grösseren Menge von 25 kg.
 
Insgesamt sind in der Schweiz für verschiedenste Verwendungszwecke etwa 90’000 kg dieses Metalls im Umlauf. Also eine relativ überschaubare Menge und im Recycling um ein Vielfaches einfacher zu handhaben als abgebrannte Brennstäbe. Wenn man das im Zusammenhang mit Brennstäben wirklich so bezeichnen will. Und das Neodym aus einer Windkraftanlage ist sicher besser rezyclierbar als zB. aus einem IPod.
 
Die Entwicklung der Windkraftwerke geht zudem in eine Richtung, die ohne Neodym auskommt. Die in der Schweiz verbreiteten Enercon-Anlagen verzichten bereits heute vollständig auf dieses seltene Metall.
 

Tatsache immerhin bleibt: Seltene Erden für viele zukunftsträchtige technische Geräte kommen häufig nicht aus Musterdemokratien. Russland ist einer der Neodym-Lieferante​​​​n. Die meisten Seltenen Erden aber werden aus China geliefert. 
 

In der Gesamtbilanz ändert das nichts daran, dass die Atomenergie mit Abstand die gefährlichste und risikoreichste Art der Energiegewinnung ist. Nicht nur für heute, sondern für die nächsten paar hunderttausend Jahre. Auch Uran kommt wie die Seltenen Erden aus Ländern von zweifelhaftem demokratischem Ruf. Es gibt keine Variante der Energieerzeugung, die frei von Problemen ist. Ausser mehr Effizienz bei der Energienutzung.

Lass​​​​en wir uns von den ewigen Don Quijote’s mit ihren halbgaren Argumenten für eine vierte Generation von AKWs nicht den Wind aus den Rädern nehmen! Zuerst sind ohnehin zuerst die Probleme der ersten, zweiten und dritten AKW-Generation inklusive ‘Endlagerung’ zu lösen, bevor auch nur ein Franken in eine vierte Generation investiert werden sollte.


 

Mein Tipp
Wer sich mit scheinbar plausiblen Argumenten gegen die neuen erneuerbaren Energien konfrontiert sieht, der findet viele wertvolle Information bei der Energiestiftung Schweiz www.energiestiftung.c​​​​h.

Windenergie-In​t​e​r​essierte wenden sich an Suisse Eole, die Vereinigung zur Förderung der Windenergie. www.suisse-eole.ch

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Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
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Comments to: Gegen Windmühlen kämpfen?
  • September 22, 2015

    Und da ist immer noch diese sagenumwobene “freie Energie” gemäss Nikola Tesla. Wir eigentlich auf grüner Seite dieses Thema ernst genommen? Oder lässt man sich von den vielen “Verschwörungstheorie​n” abhalten? In Neuseeland soll es einige Leute geben, die darüber Bescheid wissen.

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  • September 23, 2015

    Ein elektrischer Generator ohne Primärenergie? Das hört sich reichlich abstrus an und widerspricht fundamental den Regeln der Thermodynamik. Aber sicher interessant, wer sich mit Paarwissenschaften auseinander setzen will. Ich gehöre nicht dazu.

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  • September 28, 2015

    In 15 Jahren hat sich an allen (oft stillstehenden) Windrädern merklich Rost angesetzt; die Achsen müssen von einer Equippe Handwerker geschmiert werden, während im PSI zusammen mit der ETH schon längst an ThoriumAKW’s, die ohne Kühlung auskommen, gearbeitet wird.
    Wenn auch die Kernenergie die nächsten 100’000 Jahre die gefährlichste bleibt, wurde sie bis jetzt sogar von dem gewöhnlichen Feuer vor mehr als 100,000 Jahre übertroffen – schliesslich brauchen wir sogar heute und auch die nächsten 100’000 Jahre ständig eine FEUERWEHR – und wir leben immer noch!
    Übrigens sollte man zu Kenntnis nehmen, dass Tag & Nacht U235 angereichert wird; wenn es die AKW’s mit 5% nicht elektrirfizieren dürfen muss es halt mit 95% für den AtomKRIEG eingesetzt werden.

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    • Juli 19, 2021

      Ach Herr Scheuber: Bevor wir uns mit den Problemen der nächsten, vierten Generation von Atomkraftwerken herumschlagen sollten wir doch zuerst mal die noch laufenden Reaktoren der vorhergehenden Generationen erfolgreich ‘zurückbauen’ und sicher endlagern. Noch ist dafür keine Lösung gefunden. Und wer das alles bezahlen wird ist auch noch offen.

      Keine Energiegewinnung ist völlig ohne Nachteile und immer risikofrei. Aber immerhin reichen beim Schmieren eines Windrades als Sicherheitsvorkehrung​ ein paar Handschuhe. Und wenn so ein Teil mal umfällt müssen nicht ganze Landstriche evakuiert werden. Hab auch noch nie gehört, dass ein Windrad explodiert wäre.

      Zum Thorium-Reaktor, auch schneller Brüter genannt: Wie bei früheren Reaktorgenerationen wird uns wieder das Blaue vom Himmel herunter versprochen.

      Ich verweise auf einen Artikel im deutschen Focus-Magazin:
      http:​//www.focus.de/wissen​/technik/atomkraft/ti​d-22180/physik-reakto​ren-der-zukunft_aid_6​24007.html

      Die ‘friedliche’ Nutzung der Atomenergie und die Verwendung von waffenfähigem Plutonium sind im übrigen Zwillinge: Sie gehören zusammen.

      Beste Grüsse!

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    • Juli 19, 2021

      Der heisse ThoriumBrüter war einmal vor 40 Jahren; in der Zwischenzeit wird Thoriumfluorid-Salzsc​hmelze flüssig langsam zudosiert bei höherer Temperatur, was natürlich viel weniger “hochenergetische noch nicht nutzbare LagerEnergie (nicht einfach Abfälle für ein ewiges Endlager)” ergibt. Doch das wissen Sie ja so gut wie die Chinesen, die jetzt solche Th-AKW’s erstellen und die wir dann teuer zurückkaufen müssen, da dem PSI ja der ForschungsAuftrag entzogen wurde (zu Gunsten lärmiger Windräder).

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