1. Wirtschaft

Geldschöpfung, Halbwahrheiten und Vollgeld

Wieviel Halb­wahr­hei­ten darf der Chefökonom der Ban­kier­ver­ei­ni­gu​ng verbreiten?

Gestern Donnerstag an einer hochdotierten Podiumsdiskussion an der ETH Zürich über das Geldsystem und die Geldschöpfung: Martin Hess, Chefökonom der Schweiz. Bankiervereinigung behauptete, die Nationalbank könne über den Zins die Geldschöpfung durch die privaten Banken ausreichend kontrollieren. Den konkreten Beweis blieb er allerdings schuldig.Man rechne also nach und entscheide selber, was die Kontrolle der Nationalbank taugt: 

Nehmen wir an, einer Bank fehle die für die Kreditvergabe von 1 Mio. Franken (=Geldschöpfung) erforderliche Mindestreserve von 25’000 Franken. Dann muss sie sich bei der Nationalbank gegen die Hinterlegung von Sicherheiten das nötige Zentralbankgeld ausleihen und dafür den Leitzins von aktuell 0.75 Prozent bezahlen, also 187,50 Franken. Will die Nationalbank die die private Geldschöpfung durch die Banken erschweren, erhöht sie den Leitzins. Bei einer Verdoppelung – was in der Geschichte der SNB noch nie vorgekommen ist –, erhöhen sich die Kosten der Bank auf 375 Franken. Wird sie dadurch von dem Geschäft abgehalten, das ihr bei einem Jahreszins von 5 Prozent 50’000 Franken einbringt abgehalten? 

Es ist klar, dass die Banken an dieser Form der Kontrolle möglichst nichts ändern möchten. Wir Menschen aus der Realwirtschaft dagegen sind durch diese Geldschöpfung benachteiligt, die vor allem in die Finanzwirtschaft fliesst. 

Die zur Zeit einzige politische Antwort auf diesen unmöglichen Zustand ist die Vollgeld-Initiative.

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
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Comments to: Geldschöpfung, Halbwahrheiten und Vollgeld
  • Mai 8, 2015

    ..es nimmt mich Wunder,wieviele Leute und Pseudo-Finanz-Wissens​chafter,das nun unterschreiben werden,obwohl kein “Normalo” wirklich draus kommt,was da nun “vollendet” werden soll.Ich als Laie kann doch so was gar nicht unterschreiben,ohne im Grunde etwas zu unterschreiben,wovon ich schlichtweg keinen Dunst habe.Dieser vollmundige Titel Vollgeld-Initiative soll uns nun weismachen,das wir dereinst bei einer grossen Bankenpleite alles Ersparte wieder zurück erhalten.Je höher diese Garantie ist,desto noch riskanter werden die Banken doch spekulieren,wenn sie keine Angst mehr haben müssten,das noch jemand zu Schaden kommt.Also nein,das ist mir zu suspekt…!..und mit zu vielen Fragezeichen behaftet.
    Wenn ich Geld auf einer Bank anlege,so tu ich das mit der Annahme,das diese mein Geld mit grösster Sorgfalt verwaltet und wenn möglich auch noch etwas “vermehrt”.Mit immer noch mehr Vorschriften wird der Spielraum für diese jedoch immer kleiner.So denke ich, wird das Risiko einer Pleite schussendlich eher noch grösser,als mit den heutigen Vorgaben,die doch eigentlich genügen müssten.

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    • Juli 19, 2021

      @Jürg Wolfensperger; Es wäre ratsam zuerst unser Schneeball- Geldsystem zu verstehen!
      Die geschöpfte Geldmenge (aus Krediten) ist kein gesetzliches Zahlungsmittel!
      Das Vollgeld ändert an der Geldschöpfung sehr wenig, weil es das Interbankkreditgeschä​ft nicht unterbindet! Es verschont jedoch die Geldvermögenden vor Verlusten (Geldkonti bei der Zentralbank) und entschuldet den Staat (Seigniorage)! Dagegen übernimmt die SNB die Bankbilanz – Kreditrisiken in der Höhe des Basisgeldmengen-Fehlb​etrages! Bei einem Totalcrash gelten sowieso andere Gesetze!
      Die Frage muss jedoch gestellt werden: “Warum der Staat (Bürger) als Währungshoheit die Zinserträge den Geschäftsbanken überlässt?”
      Auch mit Bücher schreiben kann man Geld scheffeln, auch wenn der Inhalt äusserst fraglich bleibt!
      Im bestehenden System müsste man das Interbankkreditgeschä​ft stark einschränken und ein gewisser Zinserfolg dem Staat zukommen lassen!
      Einzig das Informationsgeld der Österreichischen Schule würde das Geld seiner Bestimmung, tauschen nicht aufbewahren, zuführen! Ein System der Zukunft!

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  • Mai 8, 2015

    Völlig klar, das System ist verseucht und sehr krank. Das Stupide ist aber, dass unsere Politik naiv und blind ist, und alles auch noch mitmacht. Der Schlamassel begann nach dem Mauerfall, als die Finazhyänen die Globalisierung einläuteten. Erinnert ihr euch noch, wie bei der Fusion SBV und SBG Ospel und Chiabalavetta (oder wir der Mann hiess) wie stolze Hähne die Treppe hoch gingen ? Die USA haben mit ihrere Lockerung der Gesetzgebung auch noch den rest gegeben. Wen wunderts, wenn danach die internationale Raubtierfinanzwelt geboren wurde ? Mich wunderte damals schon, warum ich unterschreiben sollte, dass die UBS meine Hypothek “weitervermarkten” konnte. Leute wie Ospel und Madoff, und das ganze riesige Schneballsystem sind rasch gediehen, Ethik adieu ! Nun sind alle Staaten mit naiver und dummer, oder aber abzockerischer Politführung unheilbar verschuldet. Sie fühlen sich immer noch im Recht und deshalb im gleichen Boot wie die katastrophale Finanzbranche, sprich Bankensystem. Es fällt doch geradezu auf, dass das ganz grosse Trauerspiel nur immer von den gleichen Spezis und für ihre eigenen Klüngel getrieben wird: Immer riesigere Geldmengen werden produziert (nicht verdient !!) und immer nur den banken in den Hintern gestossen, welche aber nichts der Wirtschaft oder dem Volk weitergene, nein sie haben ja auch die Zinsen auf Null geschraubt, und kassieren aber auf Hypotheken. Das Gros geht in die Schlunde der maroden banken und in die Saläre ihrer nichtsnutzen Managements!
    Es wird einen riesigen Chlapf geben ! Alle rechtschaffenen Leute, Arbeitende und Sparer werden enteoignet werden. Dabei wäre ja innerhalb jedem Währungsystem eigentlch alles lösbar ! Mit den im jeweiligen System (das heisst z.Bsp. die Schweiz, England, Euroraum, Dänemark, d.h. alle Staaten mit eigener Währung und eigenem “Volk” !) würden sich Löhne, Kosten, Zinsen etc., einpendeln ! Man muss aber aufhören sich ständig nach den Grossen Zentralbanken richten zu wollen, d.h. ewig die totale Globalisierung anstreben zu wollen !! Warum kann Bundesrat und Parlament nicht einfach mal bestimmen, dass unseren internen Banken ein Zins verordent wird. Es würde wieder eine Zinsdifferenz entstehen, mit welchen die Banken sauber und seriös arbeiten könnten und der Bürger würde nicht immer noch mehr enteignet ! Wäre doch ein gutes Vorzeigemodell aus der Schweiz. Warum lässt man Banken selbst unendlich Geld drucken und dies rein nur zu ihrem Eigennutz und lässt sie damit andererseits die ganze Nation und die Bürger kaputt machen ?

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    • Juli 19, 2021

      Herr Speiser
      Schulden und Besitz sind die zwei Seiten der Geldmedaille! Damit ist die Verbriefung/Haftung systemimmanent! Die Enteignung muss folgen, weil die Schulden können nur mit Reduktion der Aufbewahrung (Sparen) abgebaut werden! Die Auswirkung der künstlichen Intelligenz, wird den Prozess beschleunigen!
      Wir verdanken den Wohlstand der Schuldenwirtschaft! Dieses Privileg haben nur wenige Länder! Am Ende des Geldes verbleiben die aus der Natur geschöpften Güter! Währungsreform und Neubeginn! Was ist daran schlecht, alle anderen Länder haben doch dasselbe Problem?
      Wie kommt der Sparanteil von Ihrem Gegenwert Arbeit/Leistung wieder auf Ihr Lohnkonto?
      Entweder mit Schuldenerhöhung (Geldmengenerhöhung) oder Umlagerung des Schuldengeldbesitzes (Geldvermögen)! Dieser Schneeballeffekt wird auch für Gewinne Zinsen und Pflichtreserven des Bankensystems, ausgelöst! Die Eigenmittel sind eigentlich auch nur zugeordnete Delkredererisiken! Es wird aber immer nur der Zins und Zinseszins erwähnt! Denkfehler!
      Woher stammt das zugeordnete Geld für den Steuer- und Sozialabgabeanteil Ihres Gegenwertes der Arbeit/Leistung?
      Wei​l das Geldsystem in seiner Funktion und Auswirkung nicht verstanden wird, kann das Demografie- und Generationsfalschspie​l zelebriert werden! Die Anzahl Beschäftigten sind nicht massgebend für die Bedürfnisabdeckung der Bevölkerung (BIP)! Der Arbeitgeber kommt zudem, weder für den Gegenwert der Arbeit/Leistung auf, noch beteiligt er sich an den Sozialausgaben! Er stellt den Arbeitsplatz nur solange zur Verfügung als er rentiert! Soviel zur Sozialpartnerschaft! Es ist alles nur ein Spiel!

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  • April 23, 2016

    “Wieviel Halb­wahr­hei­ten darf der Chefökonom der Ban­kier­ver­ei­ni­gu​​ng verbreiten?”

    Antwo​rt 1:

    Gar keine Halbwahrheiten!

    An​twort 2:

    Soviel Halbwahrheiten, wie er möchte!

    Bitte kreuzen Sie an – ich entschuldige mich an dieser Stelle für meinen Humor …

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