1. Sicherheit & Kriminalität

Gewalt und wer sie ausüben soll

Gewalt ist häss­lich. Blut, Trä­nen, Schmerz, Angst, Ver­let­zun­gen: Ge­walt ist immer dra­ma­tisch, manch­mal ein­schrän­kend für den Rest des Le­bens, manch­mal bringt sie den Tod.

Wir brauchen staatliche Gewalt
Gewalt ist nicht schön, aber sie ist real und kommt immer wieder vor. Ja, auch in der friedlichen, zivilisierten Schweiz. Ja, auch wenn die meisten Leuten im Alltag wenig bis keine Gewalt antreffen – zum Glück!

Wir leben aber nicht im Paradies und nicht auf der Insel der Seligen, darum ist es gut und richtig, dass wir Polizei und Militär haben, die Gewalt im Rahmen genau festgelegter Regeln ausüben dürfen und gelegentlich auch ausüben müssen – dann, wenn alle sanfteren Massnahmen nicht wirken.

Es ist auch gut und richtig, wenn das Ausüben von Gewalt im Rahmen halbweg realistischer Übungsszenarien wie bei Conex 15 geübt wird. Denn die Fehler und Probleme, die Lauf von Übungen ausgebügelt werden können, bedeuten im Ernstfall, dass unschuldige Menschen nicht sterben, sondern gerettet werden. Wenn Ernstfälle nie eintreten, umso besser, doch wenn sie eintreten, so sollen Militär, Polizei, Grenzwache und alle andern Beteiligten, deren Aufgabe es ist, die Sicherheit der Schweiz zu erhalten, auch fähig und kompetent sein, dies zu tun.

Polizisten statt Videokameras
Die Tendenz der letzten Jahre geht dahin, überall Videokameras und Sensoren zu installieren. Diese technischen Geräte sind zwar fähig, eine Situation aufzuzeichnen, sodass man im Nachhinein genau sieht, was geschehen ist – aber sie helfen nicht dabei, ein Verbrechen zu verhindern. Ein Übeltäter oder eine Übeltäterin kann völlig problemlos eine Person zusammenschlagen und ausrauben, auch wenn zehn Videokameras das Geschehen aufzeichnen – und wenn diese Person das Gesicht versteckt, mit Kapuze, Sonnenbrillen, Schals – ist sie nur schwer oder gar nicht erkennbar, spätenstens sobald sie die Kleider gewechselt hat.

Anwesende Menschen, zum Beispiel Polizisten, können aber sehr wohl ein Verbrechen verhindern. Aus diesem Grund ist es wichtig für die Sicherheit, dass die Polizei genug Personal hat, um regelmässig Patrouillen durchzuführen, zu Fuss, mit Velo, im Auto – und ein engmaschiges Netz von Posten zu betreiben, sodass schnell Hilfe geholt werden kann, wenn es nötig ist.

Videokameras hingegen und andere technische Sensoren sollen mit Zurückhaltung eingesetzt werden, und mit klaren Regelungen zu Datenschutz und dem Schutz der Privatsphäre der vielen unbescholtenen Bürger und Bürgerinnen, die damit aufgezeichnet werden.

Das Sturmgewehr in der Besenkammer
Die Schweiz hat eine Milizarmee, und das soll auch so bleiben. Eine Armee ist eine gefährliche Sache – die haben Waffen! – und ein Staat braucht ein paar Sicherungen, sodass die Armee nicht ein Eigenleben entwickelt und zur dominierenden Kraft im Staat wird und die anderen Kräfte aushebeln kann. Dass die Armee aus dem ganzen Volk kommt, ist eine dieser Sicherungen, die dabei hilft, dass Armee und Volk eng ineinander verflochten bleiben und nicht als gegensätzliche oder sogar verfeindete Gruppen wahrgenommen werden. Darum: ja zur Pflicht für einen allgemeinen Dienst (im Militär oder zivil), und zwar für Männer und Frauen gleichermassen.

In letzter Zeit wurde des öftern kritisiert, dass Wehrleute ihre Waffe mit nach Hause nehmen. Waffen sind bäh. Waffen erinnern an Blut, Tod, Verletzungen, Gewalt, da ihr einziger Zweck ist, eben diese zu erzeugen – im Gegensatz zum genauso gefährlichen Küchenmesser, das aber doch meist nur auf harmloses Gemüse angwendet wird. Soldaten sind Leute, die Falle eines Falles andere Menschen töten müssen, und aus diesem Grund besitzen sie Schusswaffen.

Doch müssen diese Schusswaffen zuhause aufbewahrt werden? – ich meine, ja. Der Grund dafür ist allerdings nicht die Befürchtung, dass irgendwann mal eine fremde Armee an den Schweizer Grenzen steht, oder sogar schon darüber hinaus gegangen ist, gegen die die Schweiz sich verteidigen muss – eine Mobilmachung liesse sich genauso gut organisieren mit Waffen, die in Zeughäusern vom Militär selbst aufbewahrt werden.

Der Grund, warum Waffen bei den Wehrleuten zuhause aufbewahrt werden, ist ein weiterer Schutz gegen möglichen Unsinn aus hohen Regierungskreisen – eine weitere Gewaltenteilung, denn die Teilung von Gewalt in viele verschiedene Instanzen, die sich gegenseitig kontrollieren, ist der beste Schutz für alle.

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Comments to: Gewalt und wer sie ausüben soll
  • September 30, 2015

    Barbara Seiler, was haben die Gegner zu verbergen, dass sie dermassen scheu sind gegen Ueberwachungskameras.​ Von mir aus können schon im Treppenhaus Kameras montiert werden. Selbstredend stört mich auch keine Kamera in Verkaufsgeschäften und in der Oeffentlichkeit. Nicht mal Kameras die allfällig montiert sind zu Tempoüberwachung auf den Strassen. Wenn ich mal etwas übersehen oder zu schnell gefahren bin wars nicht der Fehler der Kamera, sondern mein eigener.

    “Das Sturmgewehr in der Besenkammer”. Mit Ihren Ausführungen kann ich nichts anfangen. Erstens war ich auf eigenen Wunsch unbewaffneter Spital – Sanitätssoldat. War vor über 50 Jahren gar nicht einfach diesen Wunsch durch zu setzen. Trotzdem Ihre doppelzüngigen Aussage betreffend Waffen in der Besenkammer einmal Ja und einmal ezwas verborgen, Nein verstehe ich nicht. Natürlich, ich war Handwerker mit krummem Rücken und schmutzigen Händen, da fehlt mir halt schon einiges an Wissen. Nur meine Ausbildung, haben meine Eltern und ich bis auf den letzten Rappen selbst finanziert

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    • Juli 19, 2021

      … und noch der versprochene Rest:

      – was heute legat ist, ist es morgen vielleicht nicht mehr. Einer Aufnahme sieht man aber nicht unbedingt an, wann sie gemacht wurde. Und Sie haben nicht die geringste Ahnung, was mit den Bildern geschieht, wer die zu sehen bekommt, welchen Zwecken sie zugeführt werden.

      Man kann sihc durchaus auch fragen, ob die Aufgabe der Sicherheitsbeauftragt​en in der Schweiz es eher sei, Verbrechen zu dokumentieren, oder Verbrechen zu verhindern? Kameras können nur dokumentieren. Menschen können verhindern.

      Wo sie eine “doppelzüngige Aussage” erkennen wollen, ist mir allerdings ein Rätsel. ich bin eindeutig dafür, dass Wehrleute ihre Waffe zuhause aufbewahren.

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  • September 30, 2015

    Guten Tag Herr Rohner

    zum Thema “wer nichts zu verbergen hat” zitiere ich Edward Snowden: ” Arguing that you don’t care about the right to privacy because you have nothing to hide is no different than saying you don’t care about free speech because you have nothing to say.”, also auf Deutsch ungefähr “zu sagen, dass das Recht auf Privatsphäre Sie nicht interessiert, weil Sie nichts zu verbergen haben, ist nichts Anderes als zu sagen, dass das Recht auf freie Rede Sie nicht interessiert, weil Sie nichts zu sagen haben”.

    Und sogar dann bin ich mir ziemlich sicher, dass Sie gewisse völlig legale, aber private Dinge – nur dann tun, wenn Sie sicher sind, dass Sie dabei nicht beobachtet werden.

    Es geht natürlich auch immer um Budget. Wenn in der Ecke “Sicherheit des Staats” eine bestimmte Summe zur Verfügung hat, worin soll man die lieber investieren? Leute oder Technik?

    zum Rest später…

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  • September 30, 2015

    Na ja, die Schweiz benötigt eigentlich gar keine Waffen. Viel besser wäre eine Truppe, die zum Beispiel innerhalb weniger Tage weltweit mobile Spitäler aufbauen könnte. Und dann natürlich mehr Truppen, um bei Umweltereignissen schnell einzugreifen.

    Dass​ die Armee heute eine Gefahr ist für die Schweiz liegt auch daran, dass sich die Linken beinahe vollständig aus den Führungspositionen zurückgezogen haben. Nun gehört die Armee der SVP. Pech! Allerdings dürfte die Gefahr nicht all zu gross sein. Die Ideen für einen Putsch sind längst nicht mehr geheim und natürlich auch viel zu dämlich :-).

    Gewalt ist von Gestern. Wer in der Welt überleben will, muss lieben. Und die Liebe kommt von Gott. Nur Menschen die mit Gott sind, können lieben. Alles andere sind bloss “gegenseitige Abhängigkeiten”. Sex für Geld, oder Sex für Unterhalt, oder Sex für Sicherheit, etc.

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    • Juli 19, 2021

      Guten Tag Herr Bieri

      Solange es private Gewalt gibt – zB Ehepartner/-innen, die Ehepartner/-innen attackieren – kann auf die Polizei nicht so schnell verzichtet werden. Und im Angesicht der aktuellen internationalen Lage finde ich es sehr beruhigend, dass die eigene Armee in der Schweiz steht, und nicht eine fremde Armee.

      Ein liebevolles Verhalten ist natürlich sehr lobenswert, in der Tat.

      Aber inwiefern die Armee der Schweiz eine Gefahr für die Schweiz sein könnte, da kann Ihnen nicht ganz folgen.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Bieri

      Wenn es der Wunsch der SchweizerInnen wäre eine Schweiz ohne Armee, dann hätten dieses Volk auch so gestimmt bei der initiierten Abstimmung. Ist nicht so und somit ist das zu Respektieren und nützt nichts, wenn man erneut darauf rum hakkt.

      Eine Schweiz ohne Armee ist zur Zeit vom Volk nicht gewünscht – Respektieren Sie das bitte.

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    • Juli 19, 2021

      PS: Nachtrag

      Und die Schweiz hat schon Einsätze in Kriesengebieten, welche NUR den Zweck haben humanitäre Hilfe zu leisten, eben…. genau solche Spitäler, Wasserbrunnen und was auch immer zu bauen oder dabei zu helfen.

      Sicher kann man auch immer “mehr” fordern, und mehr geht immer, aber sollte man vielleicht mal erkennen, dass jedes Mehr auch seine Grenzen hat? Und vorallem, wenn noch nicht mal das eigene Volk erkennt, was man alles tut in der ganzen Welt, wie soll man denn selber eine effektive Wertschätzung in dieser Tätigekeit finden?

      Und “nur” Fordern kostet halt viel Geld, das ist nun mal so. Und bezahlen sollte man das dann auch wollen. Verdoppeln wir doch einfach die Steuer, und nutzen das Geld für weitere humanitäre Hilfe. Oder machen es wie man das bisher gemacht hat. Immer mehr leben auf “Pump”, vielleicht findet man im Bundesbern auch eine Kreditkarte, welche überzogen werden kann, dass allen Gerecht wird.

      Födert und fordert doch weiterhin den Staatskolaps mit noch höheren Schulden. Einfacher und effizienter wäre es, wenn man Staatsschulden verbieten würde, so würden Milliarden frei welche dann nicht mehr als Zinsen bezahlt werden müssten. Und schon hätten wir ein Riesebudget für solche Denkweise.

      Aber warum soll man das tut, schliesslich hat der Staat Schulden, dann soll doch auch jedes 2 (oder noch mehr) Auto auf pumpt auf den Strassen herumfahren. Was solls – ein paar Fränkli mehr Schulden… auf diese kommts ja nicht mehr an… aber irgendwann jammern, wenn wir der nächsten Generation einen Schuldenberg hinterlassen.

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    • Juli 19, 2021

      Na ja, wenn ihr euer Geld unbedint für die “beste” Armee der Welt verschleudern wollt…dann tut es.

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  • September 30, 2015

    Vielleicht noch etwas Aktuelles aus der Tagespresse:

    http:​//www.gmx.net/magazin​e/politik/Kampf-Islam​ischer-Staat-IS/wladi​mir-putin-bombadiert-​ziele-syrien-zweifel-​30965560

    Da hat also Europa ein Problem mit dem aufkommenden Terrorismus in der arabischen Welt. Einer hat hier einen Beitrag geschrieben mit dem Titel “Me sött halt…” oder so. Nun tut einer endlich, was man sollte. Doch leider scheint es der “falsche” zu sein für die Welt, nämlich der, den man gerne als den “Bösen” sehen möchte. Und schon hagelt es völlig unberechtigte Kritik von allen Seiten! Ist es nicht grundsätzlich richtig, den IS dort anzugreifen, wo er jetzt noch sitzt? Müsste man dasselbe nicht auch im Magreb tun? Und weshalb soll Putin den Assad nicht stützen? Schliesslich hat die “Entfernung” anderer Machthaber und teils Marionetten des Westens zu noch schlimmeren Zuständen geführt. Der IS konnte nur so stark werden, WEIL Teile der geschlagenen, irakischen Armee heute dort kämpfen, WEIL Teile der ehemaligen Armee Gaddafis heute dort kämpfen und WEIL man sogenannte “Rebellen” (Sufisten) in Syrien mit Waffen und Geld gegen Assad unterztützt hat:

    http://www.ta​gesanzeiger.ch/auslan​d/amerika/Westen-unte​rstuetzte-die-Schaffu​ng-eines-salafistisch​en-Staats/story/28174​900

    Wer Gewalt säht, wird Gewalt ernten? Egal ob staatliche oder andere, Gewalt bleibt Gewalt. Es ist schon traurig zu lesen, wie der Westen jetzt eifersüchtig gegen Putin lästert, bloss WEIL der tut, wozu der Westen nicht fähig oder nicht willig ist. Weshalb unterztützt man nun nicht auch Putin mit Waffen und Geld, damit der beherzte Mann mit Hilfe vieler jungen Russen das Problem lösen kann?

    Ganz einfach: Weil man insgeheim immer noch hofft, dass die Salafisten den Assad stürzten…danach wollte man dann die Salafisten stürzten…nachdem man sie benutzt hat. Doch solche “bauernschlaue” Taktiken sind noch nie aufgegangen. Oder hat Europa damals nicht auch insgeheim gedacht, Hitler würde das vermeindliche Problem mit den Juden “lösen”? Hat man ihn nicht deshalb so lange ungestört machen lassen? Das Resultat kennen wir: Millionen von Toten und ein neuer Staat, der wirklich Öl ins Feuer gegossen war. Auch dort ist keine Lösung in Sicht. Wann wird das jüdische Volk endlich wieder in Frieden leben können? Vielleicht nie mehr, denn ihr Staat liegt inmitten des heutigen Terrorgebietes! Das war wohl nicht das wirkliche “gelobte” Land, sonder bloss ein Trostpflaster für den Holokaust. Wie billig von Europa, den Juden ein Stück Land zu geben, mitten im Feuerofen, den Europa selbst eingeheizt hat.

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    • Juli 19, 2021

      Sufisten sollte Salafisten heissen! Perdon, ein schlimmer Fehler, der mir da unterlaufen ist. ich entschuldige mich bei allen Sufisten!!!

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  • Oktober 1, 2015

    Frau Seiler

    Vielleicht sollte man sich mal überlegen, was wir überhaupt Fordern, möchten oder wünschen.

    “Wir brauchen staatliche Gewalt
    Gewalt ist nicht schön,”

    Wir brauchen…..Gewalt – Gewalt ist nicht schön? Könnte es sein, dass wir auch in unserer Sprache beginnen sollten ein “Umdenken” im Kopf zu erreichen. Oder ergibt solches ein Sinn, auch wenn der Text korrekt ist in der Aussage?

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