1. Sicherheit & Kriminalität

Keine militärische Bedrohung in voraussehbarer Zukunft?

Da auch nach 7 (sie­ben!) Ver­su­chen, meine Ant­wort an Herrn Hal­di­mann di­rekt an der dafür vor­ge­se­he­nen Stelle zu veröffentlichen, sie­ben­mal schei­terte – der Text ver­schwand so­fort nach Drücken der Taste “Kom­men­tar ab­schi­cken”, muss ich sie hier als Ar­ti­kel veröffentlichen.

 

Keine Militärische Bedrohung in vorraussehbarer Zukunft?

 

Bottming​en, 14.01.2015

 

Sehr geehrter Herr Haldimann, Vielen Dank dafür, dass Sie sich die Mühe genommen haben, auf meinen Vimentis-Beitrag zur Armee zu antworten. Sie glauben, es bestehe keine kurzfristige militärische Bedrohung.

 

Den Nachrichten konnte man entnehmen, dass Russland in den letzten Jahren immer wieder sehr grosse Truppenverbände (bis zu 155’000 Mann pro Fall) kurzfristig alarmierte und manchmal über tausende (innerhalb von drei Tagen!!) von Kilometern verschob und dann in grossen Manövern einsetzte. Die USA haben auch die Fähigkeit, grosse Truppenverbände kurzfristig irgendwo in der Welt einzusetzen. Das ist die Realität, die wir berücksichtigen müssen. Auf real bestehende Möglichkeiten der verschiedenen Mächte müssen wir uns vorbereiten, nicht auf Einschätzungen möglicher politischer Entwicklungen.

 

Di​e Entwicklung um die Krim begann doch ganz überraschend und fand sehr schnell statt. (Die Frage, ob Russland oder „der Westen“ die Ukraine-Krise ausgelöst und deren weitere Entwicklung bestimmt hat, will ich hier nicht diskutieren).

 

Die​ Gefahr eines Brandes in meiner Gemeinde “halte ich für unwahrscheinlich”. Trotzdem unterstütze ich es, dass die Gemeinde eine glaubwürdige Feuerwehr unterhält.

 

Stelle​n Sie sich einmal vor, die Spannungen in Europa stiegen. Die USA/NATO überfliege unser Land mit Kampf- und Transportflugzeugen, weil es die direkteste Route ist (wie sie das immer wieder mit Genehmigung der Schweiz tun, was im Frieden kein Problem ist) und sie richteten sogar auf einem unserer Flughäfen ein Unterhalts- und Nachschubzentrum ein. Laut internationalem Neutralitätsrecht müssten wir das zwar verhindern, aber wie haben heute die militärischen Mittel nicht mehr dazu. Russland akzeptierte diese Benützung unseres Luftraumes und Territoriums durch seinen potenziellen Feind nicht und reagiert militärisch. Das ist ein durchaus realistisches Szenario. Und das ginge alles sehr, sehr schnell.

Ihre Meinung, man könne die Armee bei wachsenden konkreten Bedrohungen wieder aufbauen, halte ich für unrealistisch. Erstens mal politisch. Das bedingte ja, dass unsere Politiker langfristig denken. Eine Illusion. Zweitens müssten dann kurzfristig Milliarden von Franken bereit gestellt werden. Eine weitere Illusion. Und drittens: Heute ist die Weltlage so, dass ein Wiederaufbau sofort beginnen müsste.(Das sehen Sie ja anders).

 

Und weiter: wie lange dauert die Ausbildung von Soldaten? Wie viel länger dauert es, bis Unteroffiziere, dann Offiziere und höhere Kommandanten ausgebildet sind und auch Führungserfahrung gesammelt haben? Woher sollen die Ausbildner für eine grössere Armee kommen? Wo sind die Ausbildungsplätze? Wie lange dauert die Beschaffung von Waffen und dann die Beherrschung von deren Handhabung? Sind sie dann überhaupt noch erhältlich, oder werden sie dann auch von anderen Staaten dringend benötigt. Wie lange bräuchte es, bis die neu geschaffenen Verbände den Kampf und dann die Zusammenarbeit eingeübt hätten!

 

Zu Beginn des 2.Weltkrieges wollte die Schweiz in England die damaligen Spitzenjagdflugzeuge Spitfire kaufen. England lehnte ab, da es selber erst am Aufbau einer Jagdflugwaffe sei und sie selber dringend brauche. Das bewährte sich dann in der Luftschlacht um England, die Deutschland verlor. (Wir hatten es wegen der gleichen Volksmeinung wie heute – “nie wieder Krieg” – nach dem 1. Weltkrieg versäumt, rechtzeitig die Luftwaffe genügend stark zu machen). (Quelle:“Hitlers Krieg und die Selbstbehauptung der Schweiz 1933-1945“. Gotthard Frick. ISBN 9783033029484)

 

Mi​t ihrem letzten Satz bin ich einverstanden. Unser Land befindet sich in einer tiefen Sinnkrise. Möglicherweise sind wir am untergehen.   Mit freundlichen Grüssen Gotthard Frick

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
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Comments to: Keine militärische Bedrohung in voraussehbarer Zukunft?
  • Januar 14, 2015

    Unser Land wird nicht untergehen. Was die Sicherheitspolitische​ Lage betrifft, sehe ich die Sache nicht ganz so schwarz.

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    • Juli 19, 2021

      Und dies schreibt ein Herr Haldimann, aus jener Partei welche die Armee abschaffen will. Mit Schönreden ist kein Lande verteidigt.

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    • Juli 19, 2021

      Und ein Mann, auf dessen unbewaffnete politischen Vorfahren das Schweizer Militär auf Befehl von oben schoss!

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    • Juli 19, 2021

      Und ein Mann der selber in der Armee Dienst getan hat.

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    • Juli 19, 2021

      Die Armee hat auf friedliche Demonstranten geschossen, was für mich ein Beweis dafür ist, dass die Armee eine eine wirkliche, politische Kontrolle braucht. Damals waren übrigens keine Linken an der Macht.

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    • Juli 19, 2021

      Beat Haldimann schaffen sie mit ihrer SP/JUSO die Armee nur weiter ab.

      Aus diesen Kreisen kommt nie ein Ton, wenn eine Naturkatastrophe geschieht, wie 2014 im Emmental. Künftig gehen vermutlich Gewerkschaftler mit ihren Fähchen wedeln, statt Armee mit Schaufel helfen.

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    • Juli 19, 2021

      Waren Sie im Emmental Frau Habegger? Oder haben Sie jemals gehört, dass ich, die Gewerkschaften, oder die SP gegen solche Einsätze wären?

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    • Juli 19, 2021

      Beispiele Frau Habegger.

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    • Juli 19, 2021

      Mir ist nicht bekannt, dass ich Beiträge von Ihnen gelöscht hätte, weil sie nicht in mein “sozialistisches” Gedankengut gepasst hätten. Ihre Antwort zeigt mir aber, dass sie keine Beispiele auf Lager haben. Auch in der heutigen SP ist der Schutz der Bevölkerung ein wichtiges Gut. Der Blogartikel bezieht sich auf die Sicherheitspolitik und zeigt die Bandbreite der sozialdemokratischen Weltanschauung auf.

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