1. Aussenpolitik

Kennen wir Deniz Yücel?

Medienschaffende, Po­li­ti­ker und sogar die Bun­des­kanz­le­rin ü­ber­schla­gen sich in ihrem En­ga­ge­ment für Deniz Yü­cel, „Welt“-­Jour­na­list mit Dop­pel­pass, der in der Tür­kei wegen Mit­glied­schaft in einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung, Da­ten­miss­brauchs und Ter­ror­pro­pa­ganda im Ge­fäng­nis sitzt. Grundsätz­lich kann man die Ein­schrän­kun­gen der Pres­se­frei­heit in der Tür­kei gar nicht deut­lich genug kritisieren.

Denken wir zurück ans Jahr 2012. Damals hat Yücel, eine Äußerung der ebenfalls türkischstämmigen Schreiberin Mely Kiyak aufgreifend, dem nach einer schweren Krankheit teilweise im Gesicht gelähmten Thilo Sarrazin den Tod gewünscht.

In einem Artikel in der linken „taz“ schrieb Deniz Yücel:

„So etwa die oberkruden Ansichten des leider erfolgreichen Buchautors Thilo S., den man, und das nur in Klammern, auch dann eine lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur nennen darf, wenn man weiß, dass dieser infolge eines Schlaganfalls derart verunstaltet wurde und dem man nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten.“

Diese widerwärtige Entgleisung wurde lediglich mit einer Missbilligung vom Presserat und einer Entschädigungszahlung​​​​ sanktioniert. Das war es dann aber auch. Keine strafrechtlichen Konsequenzen, keine allgemeine Empörung, noch nicht einmal berufliche Nachteile für den „Hater“.

Quelle: „Preußische Allgemeine Zeitung“ vom 03.03.2017; Nr.9; von Jan Heitmann.

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
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Comments to: Kennen wir Deniz Yücel?
  • März 6, 2017

    Interessant finde ich den Fall Yücel auch in Bezug auf das Thema Doppelbürgerschaft, welches ja hierzulande oft diskutiert wird.

    Für Yücel scheint sich dies momentan negativ auszuwirken, weil sich die Türkei darauf beruft, einen eigenen Bürger im eigenen Land zu bestrafen. Seine zweite, die deutsche Bürgerschaft wird ihm, obwohl Doppelbürgerschaft auch in der Türkei erlaubt ist, nun praktisch als Beweis für Spionagetätigkeit ausgelegt.

    Das könnte in ähnlicher Weise auch einem Schweizer Bürger mit türkischem Doppelpass geschehen.

    Echt gruselig wird es, wenn man sich bewusst wird, dass das Regime, welches die Türkei in eine Diktatur führt, massgeblich von Türken gewählt wird, die im Ausland leben.

    Auch von Schweizerisch-Türkisc​hen Doppelbürgern, die ja die Türkischen Bürgerrechte ebenfalls besitzen. Das führt zur logischen Folge: Auch Schweizer wählen Erdogan!

    Gibt es noch offensichtlichere Beispiele für die verfehlte Stossrichtung dieser gutmenschen-ideologis​chen Fantasie der Doppelbürgerschaft?

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  • März 7, 2017

    Die Türkei unter Erdogan – mit Betonung auf “unter” – soll durch eine Abstimmung zu einer Diktatur werden. Weniger streng gesagt zu einem “Einmannbetrieb Erdogan’s”. Wenn nun Journalisten im Gefängnis landen, hat es eher wenig mit Gerichtsbarkeit oder “Verfehlungen” dieser Berufsgattung zu tun, sondern es geht Erdogan um die ” Abschaffung” der Meinungsvielfalt. Er verträgt keine Kritik – das hat er mit Trump gemeinsam.
    Nun zur Doppelbürgerschaft. Jedes Land kann erlauben oder nicht erlauben, dass seine Bürger eine andere Bürgerschaft annehmen dürfen. Was ich nicht weiss, ist, ob Doppelbürger in beiden Ländern das aktive und passive Wahlrecht ausüben können.

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