1. Gesellschaft

Menschenrechte und Islam

Menschenrechte und Islam

Laut seiner in der NZZ vom 15. Oktober 2016 veröffentlichen Meinung zum NZZ-Interview des CVP Präsidenten Gerhard Pfister vom 8. Okt. 2016 sagte Herr Christian Levrat, Präsident der SPS, wörtlich:

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die UNO-Menschenrechtsdek​laration verabschiedet, als gemeinsames Werk der Menschheit, nicht als Ausdruck des abendländischen Christentums. Diese Werte werden nicht immer und überall eingehalten, aber sind die Fundamente der Staatengemeinschaft“.​

Stimmt das? Dazu folgendes: Die UNO war auf Betreiben der USA1945 gegründet worden. 1948 zählte die UNO erst 55 Mitglieder, darunter eine überwiegende Mehrheit von christlichen Staaten*.

Kurz nach dem 2. Weltkrieg waren die USA die dominierende Macht und bestimmten weitgehend die Agenda der Welt ausserhalb des Ostblocks. Die UNO-Menschenrechtserk​lärung atmet deshalb den Geist des christlichen Abendlandes, wobei die Sowjetunion die sozialen Artikel durchsetzte.

Am 10. Dezember 1948 wurde die UNO-Menschenrechtserk​lärung von 48 der 55 UNO-Mitgliedstaaten angenommen. Eleanore Roosevelt, die Frau des verstorbenen US Präsidenten, war die Präsidenten der dafür errichteten UNO Kommission. Neben den meisten Mitgliedern des Sowjetblocks enthielt sich das muslimische Saudi-Arabien der Stimme.

Die muslimischen Staaten empfanden diese Erklärung als „westlich“. Am 5. August 1990 wurde deshalb in Kairo die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam von 47 Mitgliederstaaten der Organisation der Islamischen Konferenz (von insgesamt 57 Mitgliedern) angenommen.

Das bedeutet, dass der UNO-Erklärung der Menschenrechte (48 Ja stimmende Staaten) mit der Islamische Erklärung der Menschenrechte (47 zustimmende Staaten) ein bedeutendes Gegengewicht gegenüber steht. Das sind eindeutig zwei konkurrierende Menschenrechts-erklär​ungen.

Die Kairoer Menschenrechtserkläru​ng hat mit derjenigen der UNO nicht viel gemein:

So wird in der Erklärung schon einleitend gesagt dass „Wissen mit Glauben einhergeht.“

Es wird bestätigt, dass „seine (des Menschen, der Verf.) Freiheit und sein Recht auf ein würdiges Leben im Einklang mit der islamischen Schariasteht..

Es ist hier nicht der Platz, alle 25 Artikel der Kairoer Erklärung wiederzugeben. Aber bei sehr vielen Artikel, wird zwar eines der Menschenrecht genannt, aber dann eine Schlussformel angefügt, die es wieder relativiert, in dem es der Scharia unterstellt wird. Hier einige Beispiele solcher Formeln:

Art.2: Das Leben darf nicht genommen werden, „es sei denn, aus einem von der Scharia vorgeschriebenen Grund“; Art. 7: Zu den Rechten der Kinder und deren Erziehung sowie die Rechte der Eltern: „…..In Übereinstimmung mit den ethischen Werten und Prinzipien der Scharia“ und nochmals „…. in Übereinstimmung mit den Rechten der Scharia“; Art. 9: Die Bildung ist wichtig und dient dazu, dass sich der Mensch zum Wohle der Menschheitmit der „Religion des Islam und den Tatsachen des Universums vertraut machen kann“; Art. 16: Jedermann soll die Früchte seiner Arbeit geniessen dürfen, „vorausgesetzt, dass diese Arbeit nicht gegen die Prinzipien der Scharia verstösst“; Art. 22, a: Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäusserung in einer Weise, „die nicht gegen die Prinzipien der Scharia verstösst“.

Für Staaten wie die heutige Schweiz sind folgende Artikel sehr wichtig: Art. 6.b. „Der Ehemann ist verantwortlich für den Unterhalt und das Wohlergehen der Familie“ (das galt ja bis vor einigen Jahrzehnten auch in der Schweiz!). Art. 19, d: „Es gibt nur die in der Scharia erwähnten Verbrechen und Strafen“.

Die Schlussartikel 24 und 24 sagen nochmals ganz klar was gilt:

„Alle in dieser Erklärung aufgestellten Rechte und Freiheiten unterliegen der islamischen Scharia.

„Die islamische Scharia ist der einzige Bezugspunkt für die Erklärung oder Erläuterung eines jeden Artikels in dieser Erklärung“.

Am 15. September 1994 nahm der Rat der Liga der Islamischen Staaten die Arabische Charta der Menschenrechte an, die im Ton wesentlich gemässigter ist und näher an der UNO Deklaration der Menschenrechte liegt. Aber schon in der Präambel wird in Bekräftigung der Charta der UNO und anderer Menschenrechtserkläru​ngen am Schluss noch gesagt „sowie der Kairoer Erklärung über Menschenrechte im Islam“, die, wie gezeigt, die Menschenrechte der Scharia unterstellt.

Was meint Herr Levrat dazu?

Gotthard Frick,Bottmingen

*)​ UNO Mitglieder waren: Die europäischen Staaten (ohne Deutschland, Italien, die Schweiz), einschliesslich die Mitglieder des Ostblocks, die südamerikanischen Staaten, auch alle christlich, sowie einige asiatische Staaten (ohne Japan, aber mit China, damals noch unter Kuomingtang Führung) und einige wenige afrikanische christliche Staaten, wie z.B. Äthiopien (viele andere waren damals noch Kolonien). Von muslimischer Seite waren Saudi-Arabien sowie die folgenden Länder, alle mit damals zum Teil bedeutenden christlichen Gemeinschaften: Afghanistan, Pakistan, Türkei, Irak, Iran, Syrien.

Bis heute gibt es im Iran starke christliche, jüdische und zoroastrische Gemeinschaften, die durch die Verfassung geschützt sind und einen verfassungsmässigen Anspruch auf je einen Sitz im Parlament haben. Insgesamt gibt es 35 Synagogen, davon fast 20 in Teheran, jüdische Schulen, koschere Metzgereien, eine jüdische Bibliothek etc.

Bis zum vom Westen angestrebten Sturz von Präsident Assad, lebten auch dort die Christen , Juden u.a. religiöse Minderheiten weitgehend sicher. Mitten in der grossen Umayyaden-Moschee in Damaskus befindet sich die christliche Grabkapelle von Johannes dem Täufer.

Quellen: Org. der Islamischen Konferenz, Org. für Islamische Zusammenarbeit; Rat der Liga der islamischen Staaten. Übersetzungen durch die UNO.

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
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Comments to: Menschenrechte und Islam
  • Oktober 25, 2016

    Bitte überfordern sie einen Herr Christian Levrat, Präsident der SPS mit seinen Genossen nicht, mit detailierten Berichten, wie alles entstanden ist, Herr Gotthard Frick.

    Mal egal wie die Menschenrechtskonvent​ion entstanden ist, wie wäre es *Fantasie” wenn alle Regierungen dieser Welt sich daran halten würden?

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  • Oktober 25, 2016

    Danke, Herr Frick, für die Präzisierung der an sich bereits korrekten Aussage von Herrn NR Christian Levrat.

    Wegen der beiden von Ihnen erwähnten widersprüchlichen Menschenrechtskonvent​ionen wird heute vor allem die Arbeit des UNO-Menschenrechtsrat​es hintertrieben:

    Mit​glieder des UNO-Menschenrechtsrat​es wurden auch islamische Länder, so Tunesien und Saudi-Arabien. Dies steht im Gegensatz zum Anspruch des Rates, seine Mitglieder müssten höchsten Menschenrechtsstandar​ds entsprechen. Die in der UNO-Menschenrechtserk​lärung geltenden Werte werden von diesen islamischen Mitgliedern sehr offensiv in Frage gestellt. Sie erreichten auch, dass Kritik an islamischen Glaubensrichtungen neu als Menschenrechtsverletz​ung (!) betrachtet wird.

    Ausserdem schützen einander die menschenrechtsverletz​enden Staaten im Rat:

    “(…) Besonders die stimmstarke Organisation islamischer Staaten schmettert regelmäßig Vorwürfe bezüglich Menschenrechtsverletz​ungen etwa in Usbekistan oder dem Iran ab.[13] Auch im Darfur-Konflikt wurde auf Betreiben der afrikanischen und asiatischen Staaten, die im Menschenrechtsrat eine Mehrheit bilden, eine scharfe Verurteilung der schweren Menschenrechtsverletz​ungen mehrfach abgelehnt. (…)” (Wikipedia)

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    • Juli 19, 2021

      Welche dieser Menschenrechtsauslegu​ngen ist denn jetzt die Richtige, Herr Oberli?

      Ich meine, welche Interpretation soll denn nun gemäss Ihnen und der gesamten Internationalistengem​einde über unserer Verfassung stehen?

      Nota bene über unserer Verfassung, welche die Menschenrechte bereits klar definiert…

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    • Juli 19, 2021

      Der Islam gehört in der CH unter strengste Beibachtung. Null Toleranz. Heisst die Devise.

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  • Oktober 27, 2016

    Seichte Lektüre!
    Sind Sie nun für die Integration des Islam in die Schweiz oder halten Sie das für kaum möglich???

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    • Juli 19, 2021

      Das Blogthema von Herrn Frick ist die problematische Einstellung mancher islamischen Machthaber zu den Menschenrechten, Herr Bischof, nicht die Integration oder Assimilation von Muslimen in der Schweiz. Er erwartet bestimmt auch von Ihnen einen weiterführenden Beitrag zum Thema.

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