1. Gesellschaft

Mindestlohn- Initiative ist ein Bumerang

Die In­itia­tive würde ins­be­son­dere junge Men­schen be­stra­fen und die In­va­sion an der Grenze im Tes­sin verschärfen.

Es ist ohne Zweifel verlockend ein Mindestlohn von 4000 Franken für alle Menschen              (Frauen,​​​​ Männer , junge Berufstätige , und so weiter) , in der Schweiz, in jeder Region und in jeder Branche, so beinhaltet es die Initiative über die wir am 18. Mai abstimmen. Die Garantie auf einen angemessenen Lohn ist eine Voraussetzung für eine gut funktionierende Gesellschaft wie die unsere, das unterstützen viele.

Das Ziel dieser Initiative ist es, die zu niedrigen Löhne, Armut und Lohndumping zu eliminieren. Es ist aber ein – aus mehreren Gründen – zweischneidiges Schwert.

Beginnend​​​​ mit einer Überregulierung, die einen Mindestlohn, ohne regionale und sektorale Unterschiede zu berücksichtigen, bedeutet. Der Mindestlohn würde in der gleichen Weise und im gleichen Verhältnis für Hilfskräfte des Landwirts aus dem Kanton Appenzell, wie für einen Mitarbeiter, der im Zentrum von Zürich arbeitet und lebt und auch für den Verkäufer in Chiasso gelten. Die Sozialpartner haben bis anhin die Löhne diskutiert und sind meistens zu einem akzeptablen Entscheid gekommen. Diese, in der Schweiz funktionierende, Art und Weise hat bis anhin gute Dienste geleistet. Die Mindestlohninitiative​​​​ gefährdet das.

Verglichen mit allen Nachbarländern, haben wir eine befriedigende Situation  (auch im Tessin, obwohl es hier akute Probleme gibt).

Wir wissen, dass die Arbeitslosenrate etwas über 3 % liegt( 4,5% im Tessin), verglichen mit den dramatischen 12% der 18 Euro-Länder . Nach offiziellen Angaben wird sich die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde minimal (was in etwa 4000 Franken pro Monat entspricht) auf ca. 330.000 Arbeitsplätze auswirken, was einem Anteil von 9% an der Gesamtbeschäftigung des ganzen Landes entspricht.

Ein Gehalt von 4000 Franken ist nicht, wie manche uns glauben machen wollen, ein Schwellenwert, unterhalb dem das Risiko besteht in Armut zu geraten. Tarifverträge wurden für Löhne weit unter diesem Wert vereinbart und zum Teil von jetzigen Unterstützern der Initiative mit-unterzeichnet. Aber es dauert nicht mehr lange und es sind Wahlen.

Für den Kanton Tessin, hätte die Annahme einer der Initiative noch mehr negative Folgen als in anderen Kantone, die Gründe sind leicht aufzuzählen:

1. Zunächst für die nahe Position des Kantons gegen den Süden und die Grenze zu Italien. Das Grenzgängertum hat das Limit längst überschritten, wo es noch kontrollierbar wäre. Die Italiener werden Wege finden ihre Leute zu geringerem Lohn einstellen zu lassen, ohne dass die Schweiz das kontrollieren kann.

2. Zudem besteht kein Zweifel -laut offiziellen Statistiken- dass Löhne von weniger als 4000 Franken betreffen vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die im Kanton Tessin über den ganzen Kanton verteilt sind. Es sind dies kleine Unternehmen mit wenigen Mitarbeiter/innen.

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3. Auf der nationalen Ebene betrifft diese Initiative durchschnittlich 9 % der Stellen, im Tessin steigt diese Zahl deutlich in Tessin (L’AGEFI Genf in den letzten Tagen rechnet einen Anteil von 19%). Was macht das Tessin dann? Da für kleine und mittlere Unternehmen die Margen der Lohnsumme begrenzt sind. Akzeptiert es, dass einige dieser Unternehmen geschlossen werden, mit all den Konsequenzen von mehr Arbeitslosen und weniger in Steuereinnahmen ?

Wegen der Kompromisslosigkeit dieser Initiative, riskiert sie wichtige Sektoren der Bevölkerung zu bestrafen, statt sie zu fördern. Warum auch sollte ein Arbeitgeber einem jungen Bewerber, der eben gerade seine Ausbildung fertig gemacht hat, einstellen, wenn er zu denselben Konditionen einen erfahrenen Mann einstellen kann? Die Jungendarbeitslosigke​​​​it ist eh schon hoch.

Angesichts der Masse der Grenzgänger im Kanton Tessin braucht es nicht grosse Intelligenz um zu verstehen, dass die Not des Kantons gross ist und dass hier akute Gefahr besteht. Bestimmte Grenzgänger werden nicht 42 Stunden arbeiten, jedoch ohne mit der Wimper zu zucken auch mehr als 62 Stunden pro Woche, für ein Monatsgehalt von 4000 Franken arbeiten.

Wenn ein Paar ( Mann und Frau oder Lebensgefährten ), eine Gesamtentschädigung 8000 Franken erreicht, eine Summe die auf der grossen Halbinsel keine auch so gut ausgebildeter Berufsmann je erreichen wird. ist klar, dass dann ein Mindestlohn von 4000 Franken noch mehr ausländische Arbeitskräfte in den Kanton Tessin zieht. Dazu kommt, dass die vielen italienischen Kleinselbständigen (Maurer, Plattenleger, Maler, Gärtner, Putzpersonal, Altershilfen, usw.) können ihren Mitarbeiterinnen ohne Weiteres Löhne nach italienischem Niveau bezahlen.

Wir haben gesehen, was in den letzten Jahren mit den Grenzgängern, die kleinen italienischen Selbständigen, den Scheinselbständigen, den Schwarzarbeitern passiert ist. Der Kanton ist mit den Kontrollen überfordert. Mit der Initiative wird es mehr Kontrollen mit wenig Nutzen geben. Die Hühner selbst werden über diese zukünftigen Kontrollen lachen.

Diese Initiative wird folgendes Ziel erreichen:

 

– Lohnanhebung der Tiefstlöhne und damit muss das Lohngefüge einiger Betriebe muss neu diskutiert werden. Es können nicht nur die untersten Löhne angehoben werden.

– Durch die Mehrbelastung wird der Lebensunterhalt teurer. Denn es betrifft vor allem die Detailhändler (Essen teurer) , die Bauwirtschaft (Mieten höher), usw.

– Hilfsarbeiten werden wo immer möglich durch Maschinen (oder PC automatische Kassen) ersetzt, das kommt nun günstiger. Es wird mehr Arbeitslose geben.

– Wie oben beschrieben wird die Jugendarbeitslosigkei​​​​t steigen.

– Die Rentner werden durch die Teuerung ärmer, viele Pensionskassen kennen keinen Teuerungsausgleich, zum Beispiel die viel gepriesene Swisscanto.

Es gibt nur eines

– junge Leute,

Arbeitnehmer

– Pensionäre

– Angestellte

– Denkende

stimmt nein.

 

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
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Comments to: Mindestlohn- Initiative ist ein Bumerang
  • April 21, 2014

    Danke, seit geraumer Zeit wird das Tessin nicht mehr als Kanton,sondern als eine Art antike Folklore der Schweiz betrachtet. Unsere Anliegen werden weder von den Parteien noch in Bern gehoert. Die Schwarezen Brueder sind Geschichte, wir brauchen Unterstuetzung fuer unsere Kleinunternehmen. 4000 franken koennen wir einem Anfaenger nie zahlen, oft brauchen sie das nicht, da sie noch zu Hause wohnen und wie viele Tessiner Gemuese im Garten haben. Klar, wenn die Bonzen diser italienischen Unternehmen Land kaufen um Villen zu bauen, dann wird fuer Tessiner das Land zu teuer, und Garten ist weg.
    Liebe Schweizer und Schweizerinnen helft uns, damit Ihr auch in Zukunft Euch an einem kleinen Flecken mit mediterranem Klima erfreuen koennt. Ein kleinunternemer im Tessin

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  • April 21, 2014

    paulo bernasconi

    Ich werde Ihnen durch mein Ja überzeugt helfen, noch mehr Schaden in der Sonnenstube dem Kanton Tessin, wie auch in anderen Grenzkantonen anzurichten.

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    • Juli 19, 2021

      Ich höre, dass Sie dem Tessin Gutes tun wollen. Danke. Wir werden in der deutschen Schweiz kaum gehört. Unsere Tessiner Regierung hat zum xten Mal versucht Bern zu überzeugen, dass der Vertrag mit Italien inbezug auf die Grenzgänger neu verhandelt werden muss. Wir haben keinen Erfolg damit. Mit der Mindestlohn – Initiative wird dem Tessin /wenn angenommen/ sehr viel Schaden zugefügt. Die Tourismusbranche hat Angst davor.

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    • Juli 19, 2021

      Dann nehmt das Heft geschickt selbst in die Hand. Esgibt immer Alternativen!!!!

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  • April 21, 2014

    Was die Wahrnehmung des Tessins in der Nordschweiz anbelangt, so sind die Tessiner sehr weit selbst schuld. Man hört hier so gut wie nichts vom Tessin. Standortmarketing und kantonale Werbung betreiben die Tessiner offenbar nicht. Die letzte bekannte Persönlichkeit war FDP / Herr Pelli, allerdings nicht sehr sympathisch. Sollte sich das schöne Tessin nicht selbst Gedanken machen, wie diese Wahrnehmung verbessert wird??

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    • Juli 19, 2021

      Das ist etwas billig, einfach die Schuld einem Kanton zuschieben, der im Moment zu kämpfen hat. Den Grenzgängervertrag mit Italien ist ein Konstrukt von Bundesbern. Für Sie ist Herr Pelli (eben zurückgetreten) nicht sympathisch. Ist gute Politik sympathierelevant ?
      Auch wenn Herr Abate im Ständerat nicht sehr bekannt ist, ist es doch Lombardi Filippo. Im Nationalrat ist das Tessin mit wenigen Räten vertreten.
      Die Schweiz ist dafür bekannt Minderheiten zu schützen, oder verlieren wir auch diese Kultur ?

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    • Juli 19, 2021

      So war das nicht gemeint als Schuldzuschiebung.

      Es ist aber leider so, dass der Kanton Tessin ganz offensichtlich ‘im Norden’ zu wenig wahrgenommen wird. Und der derzeitige Ständeratspräsident​ Lombardi ist auch nicht gerade ein Aushängeschild, jedenfalls nach meiner Beurteilung.

      Eine andere Sache ist der Grenzgängervertrag mit Italien. Dass diesbezüglich rasch etwas geschehen muss, ist mir auch klar.

      Aber derzeit sind bei BR EWS die Prioritäten höher oder anders gelagert als die Belange des Kantons bzw. der Menschen, wie leider in vielen anderen Bereich auch!

      Das ist leider die Schlussfolgerung und hier müssen sich die Tessiner viel massiver in die öffentlichen Wahrnehmung einbringen. Das meinte ich mit Standortmarketing.


      Das Tessin gehört zur Schweiz wie der Thurgau, das ist doch eine nicht zu diskutierende Frage, aber Abwarten hilft da nicht.

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  • April 21, 2014

    Der Mindestlohn ist einmal mehr ein linkisches Zückerchen für wenige mit bitterem Nachgeschmack für ALLE.

    Nein zum Mindestlohn.

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  • April 28, 2014

    “Ein Gehalt von 4000 Franken ist nicht, wie manche uns glauben machen wollen, ein Schwellenwert, unterhalb dem das Risiko besteht in Armut zu geraten. (…)”

    Herr Jossi, die Mindestlohninitiative​​​ fordert 12 x 4000 Franken BRUTTO im Jahr für eine volle Leistung für 1 Erwachsenen mit 1 Kind.

    Das ergibt pro Monat im Kanton Luzern einen Netto-Mindestlohn von 3233,60 CHF. Davon müsste man aber noch die Krankenversicherung abziehen – 197,10 pro Monat..

    http://www​​​.lohncomputer.ch/de​/​i​hr-ergebnis.html?​tx​_l​ohnrechner_pi1%​5Bc​ont​roller%5D=Sta​rt&c​Hash​=f68b422ccb​7d180​580bf​407433af4​a2f


    Das ist tatsächlich KEIN Risiko, in Armut zu geraten, das IST Armut.

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    • Juli 19, 2021

      Ich mache Ihnen eine Berechnung für die Tessiner Grenzgänger und die Gefahr für das Tessin: In Italien verdienen Lehrer um die 1.200 Euro. Hochschulprofessoren kommen auf 1.700 Euro im Monat. Hart trifft es junge Freiberufler. Hier lautet das Arbeitsmotto „Viel Arbeit und sehr wenig Geld”. Auch die Bezahlung der weiblichen Arbeitskräfte ist in Italien bei gleicher Qualifikation sehr unausgewogen. Ein Grenzgänger käme mit einem Mindestlohn und allen Abzügen auf dasselbe Gehalt wie ein Hochschulprofessor. Für Italien würde das heissen: wir schicken alle ins Tessin und sanieren uns so..

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    • Juli 19, 2021

      Wir alle wissen, dass wir bei 4000.- Fr. von einem Bruttolohn sprechen und alle meine Kalkulationen beruhen darauf. Ihre Argumentation wird nicht besser, wenn Sie sie dauernd wiederholen. 8.50 Euro Deutschland ist auch brutto, Durchschnittslohn 5300 Tessin ist auch brutto.
      Sie sprechen immer auch von einer vollen Leistung, was ist das ? 100% Präsenzzeit ? Voller Einsatz, wer bestimmt das ? Qualitativ 100% da werden die Gerichte Arbeit bekommen, mindestens dort wird es weniger Entlassungen geben, es sei denn der Staat muss, weil wegen der vielen Arbeitslosen, die dann kommen mehr berappen.

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