1. Sicherheit & Kriminalität

“Nicht den Hauch einer Chance”?

„Nicht den Hauch einer Chance“

                 ​​                  – Sollen die Kapitulierer Recht bekommen?

 In der Debatte um die Schweizer Landesverteidigung melden sich immer auch Kapitulierer zu Wort. „Nicht den Hauch einer Chance“ hätte die Schweiz in einem Krieg, hat soeben ein Kommentator zu einem meiner Artikel auf vimentis.ch geschrieben und falls wir den GRIPEN kauften, dauere unser Widerstand höchstens 3 Tage länger.

In allen Völkern und zu allen Zeiten gab es die Kapitulierer, diejenigen, die innerlich schon aufgegeben hatten, bevor ein Krieg überhaupt ausbrach; diejenigen, die immer glauben, der andere sei ohnehin stärker und die eigenen Möglichkeiten nicht sehen; diejenigen, die auch nicht bereit sind, die persönlichen und materiellen Anstrengungen zu erbringen, die nötig sind, um eine glaubwürdige Landesverteidigung aufrechtzuerhalten, dass heisst, eine Landesverteidigung, die einen Krieg vom Land fernhalten kann. Wieviel schöner ist es doch, an einem warmen Strand am Mittelmeer im Mondschein mit hübschen Frauen eine Party zu feiern, als durch den Schlamm zu kriechen, unter der glühenden Sonne ein Schützenloch zu graben oder im eisigen Winter in einer Stellung auszuharren. Dabei geht es bei uns glücklicherweise gar nicht um ein Entweder-Oder, sondern um ein Sowohl-Als auch! Man kann seinen Dienst für unsere einmaliges Land leisten und an Parties gehen.

Die Kapitulierer nehmen sich selber als Massstab und da sie meinen, alle anderen Bürger und Bürgerinnen seien wie sie, sagen sie, wir hätten keinen Hauch einer Chance. Wenn das so wäre, hätten sie allerdings Recht. Denn mit solchen Leuten kann man ein Land wirklich nicht verteidigen. Das haben uns zu Beginn des 2. Weltkrieges die meisten der von Deutschland angegriffenen Völker gezeigt. Fast alle hatten konsequenterweise vorher auch kein Geld für ihre Armeen aufge-wendet. Noch kurz vor Beginn des deutschen Angriffs hatte General Guisan 4 hohe welsche Offiziere zur französischen Armee geschickt. Er wollte wissen, wie die Kampfbereitschaft unseres westlichen Nachbarn sei. Zutiefst schockiert über die total zerrüttete Moral der grossen Armee kamen sie zurück. Kein Wunder brach Frankreich dann in nur 6 Wochen zusammen.

Heute hat auch die Schweiz schon viele Kapitulierer. Anscheinend drückt sich rund die Hälfte der jungen Männer im Raum Basel vom Militärdienst. Auch die Politiker gehören dazu, die nicht mehr genügend Mittel bewilligen und ohne zu reagieren der WEA zuschauen, der Weiteren Eliminierung der Armee. Noch haben aber viele MitbürgerInnen nicht kapituliert. Gelingt es diesen nicht, allernächstens einen Umschwung herbeizuführen, werden wir mit Sicherheit in einen künftigen Krieg gerissen, da unsere heutige Rumpfarmee nicht fähig ist, einen solchen vom Land fern zu halten. Die NATO wird uns dann sagen, sie sei unser Freund und wolle unseren Luftraum und unsere Alpentransversalen, die grossen Flughäfen und Zentren schützen, weil wir das ja nicht mehr selber könnten. In Wirklichkeit will sie unser Land und diese grossen, strategisch so bedeutenden Infrastrukturanlagen für ihre eigenen Zwecke benützen. Und schon sind wir Mitglied einer Kriegspartei, gegen die dann die andere Partei vorgeht.

Unser Konzept der Landesverteidigung zusammen mit der strikten Neutralität, d.h. sich unter keinem Vorwand in Kriege einmischen, aber mit einer starken Armee und aller Kraft kämpfen, wenn das Land angegriffen wird, ist die einzige moralisch vertretbare Begründung für eine Armee und weltweit ein Vorbild.

Haben sich 1939 die damals nur 3 Millionen Finnen gefragt, ob sie gegen die enorme Übermacht der Sowjetarmee „den Hauch einer Chance hätten“? Weil sie keine Kapitulierer waren, haben sie dann 4 Monate lang Widerstand geleistet und blieben nach der Niederlage das einzige von der Sowjetunion besiegte Land, das sein demokratisches System behalten konnte und nicht in den Ostblock gezwungen wurde.

Haben sich die damals bitterarmen Griechen am 28. Oktober 1940, nach dem Ultimatum Italiens gefragt, ob sie „den Hauch einer Chance“ gegen dessen und Deutschlands weit überlegenen Armeen hätten? Sie waren, ob politisch links oder rechts, keine Kapitulierer und haben an Massendemonstrationen​​ im ganzen Land „NEIN, NEIN, NEIN“ gerufen, Nein zur Kapitulation. Dann leistete die kleine griechische Armee der so viel grösseren und moderneren italienischen 6 Monate lang Widerstand und stiess sie sogar weit nach Albanien hinein zurück, wo sie trotz Mussolinis persönlichem Eingreifen und grossen Gegenoffensiven stecken blieb, bis die für den Angriff auf die Sowjetunion im Balkan stehende deutsche Armee von der anderen Seite angriff und dann Griechenland schliesslich besiegte. Heute ist der 28.Oktober unter dem Namen „NEIN-TAG“ ein grosser griechischer Feiertag.

Hätten im Vietnam der Nachkriegsjahre die Christian Levrats, Evi Allemanns, Chantal Galladés, Jo Langs, die heutige SPS und andere Armeeabschaffer das Sagen gehabt, wäre das Land noch immer eine französische Kolonie und hätte „keinen Hauch einer Chance gehabt“. Aber die damaligen Vietnamesen waren keine Kapitulierer. Obschon kolonisiert, besiegten sie während rund zwanzig Jahre Krieg zuerst die unendlich viel stärkere französische Armee und dann die grösste Kriegsmaschine der Welt, die USA. Das bezahlten sie mit rund 4 Millionen Toten, Millionen von Verletzten und gigantischen Zerstörungen. Als dem Führer des Befreiungskampfes, General Giap, während des Krieges gegen die USA die enormen Verluste zum Vorwurf gemacht wurden, soll er in etwa geantwortet haben, auch im Frieden stürben die Menschen ohnehin und es gehe jetzt um das Land. Es sah die langfristigen Prioritäten richtig.

Haben sich die stolzen Stämme im Grenzgebiet von Pakistan und Afghanistan je gefragt, ob sie vor 200 Jahren gegen das britische Empire, dann im 20. Jahrhundert gegen die mächtige Sowjetarmee und in den letzten Jahren gegen die USA „den Hauch einer Chance“ hätten? Sie sind keine Kapitulierer und kämpfen für ihre Lebensart, was auch immer wir von dieser Lebensart halten. Sie wurden nie unterjocht.

Für uns heutigen SchweizerInnen stellt sich jetzt die Frage: Sind wir Kapitulierer und glauben, wir hätten „keinen Hauch einer Chance“ oder wollen wir weiterhin ein weltoffenes, freies, selbstbewusstes, unabhängiges und neutrales Volk sein, das mit einer starken Armee auch einen künftigen Krieg vom Land fernhalten kann.

Gäbe es heute überhaupt Demokratie, den Rechts- und Sozialstaat ohne die unzähligen Menschen, die sich nicht fragten, ob sie angesichts ihrer damaligen Machtlosigkeit „den Hauch einer Chance“ hätten, sondern oft sogar ihr Leben für ihr Ziele einsetzten?

Gottha​​rd Frick, Bottmingen

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
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Comments to: “Nicht den Hauch einer Chance”?
  • April 18, 2014

    Besten Dank, Herr Frick, für diese korrekte Darstellung. Man könnte da noch viel weiter fahren. Aber dazu reicht hier der Platz kaum.

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  • April 18, 2014

    Jawoll! Und die tapferen Eidgenossen liessen Napoleon nicht den Hauch einer Chance, sie gingen zwar tapfer unter, kämpften dann aber mit Napoleon, ihrem Unterdrücker, treu und tapfer gegen das Zarenreich und hatten dann an der Beresina doch nicht den Hauch einer Chance….. Ach ja, am Ende ihres Leidensweges bekamen sie dann noch die Neutralität von den Siegern ohne den Hauch einer Chance aufgebrannt, ob sie wollten oder nicht!

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  • April 18, 2014

    Einmal mehr sprechen Sie mir mit Ihrem Artikel, Herr Frick SP, aus dem Herzen!

    Um allerdings verteidigungsbereit zu sein, braucht es Etwas das sich zu verteidigen lohnt. Im Fall unseres Landes existierte dieses Etwas jahrhundertelang.

    ​Ich hoffe vor allem, dass wir noch eine Chance haben, genügend von diesem Etwas auch durch nachfolgende Generationen erhalten zu können.

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    • Juli 19, 2021

      Das haben Sie schön gesagt, Hans Knall.

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    • Juli 19, 2021

      Danke, Frau Schlatter, für Ihre eingehende Wiederaufnahme unserer Diskussion.

      In vielen Dingen kann ich Ihre Ausführungen nur bestätigen. So ist mir klar, dass manche Dinge aus unterschiedlicher Interessenlage konträr beurteilt werden. Aber eben, sie werden beurteilt. Eine Diskussion lebt davon, dass die Kontrahenten mit überzeugenden Argumenten versuchen die Logik ihrer Sichtweise verständlich zu machen. Natürlich ist das subjektiv, aber es geht ja auch nicht um einen sogenannten Konsens, dem niemand wirklich zustimmen kann.

      Gerade wer in Grundsätzen und Gesetzmässigkeiten denkt, und sich an Wertvorstellungen orientiert, kann doch nicht das Gegenteil davon als ebenso gültig erklären!

      Wer zum Beispiel grundsätzlich der Überzeugung ist, dass die Schweiz eine Armee braucht um ihre Unabhängigkeit, Neutralität und Souveränität notfalls zu verteidigen, der kann meines Erachtens nicht glaubwürdig gegen den Gripen-Flugzeugersatz​ sein, ohne die Verteidigungsfähigkei​t durch andere, bessere Mittel erhalten zu wollen. Die Behauptung, da werde Steuergeld verschleudert ist dafür nicht genug.

      Oder wer seine Wertvorstellungen unter anderem an den Naturgesetzen, an der Demokratie-Keimzelle Familie oder an der Selbstverantwortung für die eigenen Kinder festmacht, kann doch nicht gleichzeitig ebenso gut finden, dass in den Schulen mit der laufenden Gender-Indoktrination​ genau das Gegenteil gelehrt wird.

      Da braucht es eben den Mut, sich auch gegen den aktuellen Trend des “alles ist erlaubt”, “nichts ist falsch” und “niemand muss sich an unveräusserliche Werte halten” zu stellen.

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  • April 27, 2014

    Sehr geehrte Frau Schlatter, dies ist meine letzte Antwort. Nicht, wegen Missachtung Ihrer Meinung, sondern weil ich eine grössere Aufgabe übernommen habe, die mich voll beansprucht.

    Sie schrieben:

    Denn, wer “nicht verletzbar” ist, beziehungsweise gut ausgerüstet ist, hat weniger Hemmungen , Aggressionen und Tabubrüche zu begehen. Wer verwundbar ist, wird sich weniger offensiv verhalten und vielleicht eher den Konsens suchen”.

    Ich fordere keine Aufrüstung der Welt, sondern wieder eine starke Schweizer Armee, da wir nur so einen Krieg vom Land fernhalten können. Wir haben uns 200 Jahre lang NICHT OFFENSIF verhalten, eine starke Armee gehabt und wurden nie in einen Krieg gerissen. DARUM MÜSSEN WIR WEITERHIN STRITKT NEUTRAL BLEIBEN. Wir dürfen nicht der SPS folgen, die fordert, die Armee abzuschaffen und bis es soweit ist eine kleine Interventionsstreitma​cht aufrechterhalten, deren Aufgabe gemäss SPS nicht die VERTEIDIGUNG DER SCHWEIZ wäre, sondern in anderen Ländern für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Als Ziele solcher Einsätze von Schweizer Truppen werden ausdrücklich die arabischen Ländern genannt.

    Weil auch potentielle Angreifer verwundbar sind, haben sie viel grössere Hemmungen, ein kleines Land anzugreifen, das miltiärisch stark, als wenn es unverteidigt ist. Ich zitiere hier nochmals was ich schon sagte. Als der deutsche Generalstab 1939 zum Schluss kam, ein Angriff auf Frankreich durch die Schweiz lohne sich wegen der starken Schweizer Armee und dem schwierigen Gelände nicht, fügte der deutsche Generalstabschef die Notiz in sein Kriegstagebuch ein, “Eine Umgehung (der französischen Front, GF) durch eine unverteidigte Schweiz wäre eine verlockende Möglichkeit. In eine für jedermann verständliche Sprache übersetzt heisst das, die Wehrmacht hätte die Maginotlinie durch die Schweiz umgangen und wir wären in den 2. Weltkrieg gerissen worden. Ein kleines Land wird übrigens auch von niemandem als Bedrohung empfunden.

    Ihre Argumentation erinnert mich an das Mitglied der SPS (ich habe es schon einmal erwähnt), das am Parteitag 1935, während Hitlers Höhenflug, in etwa sagte, wir wollen uns nicht wehren. Denn sollten die braunen Horden in unser Land kommen, werden sie durch unsere Friedfertigkeit so beeindruckt, dass sie uns achten werden.

    Haben die 6 Millionen vergaster Mensch Deutschland bedroht. Waren sie nicht extrem friedfertig? Hat es die braunen Horden irgendwie beeindruckt, dass sie sich nicht wehrten, bzw gar nicht wehren konnten, weil sie dazu nicht vorbereitet waren. Waren sie trotz ihrer Wehrlosigkeit zu wenig zum Konsens bereit?. Haben die in Nanjing bestialisch umgebrachter 350’000 Kinder, Alte, Frauen und Männer Japan irgendwie bedroht? Waren sie trotz ihrer Wehrlosigkeit nicht zum Konsens bereit?

    Hat irgend eines dieser vergasten oder sonst wie umgebrachten Opfer während der vorhergehenden Friedenszeit erwartet, dass so etwas möglich sei, das ihm oder ihr das passieren werde? Haben die 20’000 jungen Frauen in Nanjing erwartet, dass sie von rasenden Soldaten tagelang vergewaltigt und dann umgebracht würden, indem man ihnen Pfähle oder zerbrochene Flaschen durch die Vagina in den Unterleib stiess?
    Wie ich auch schon sagte, weil das kollektive Bewusstsein der Chinesen durch die wiederholt von Europa, Japan und den USA ausgelösten Kriege, Besetzungen und Abspaltungen riesiger Gebiete und das damit verbundene unermessliche Elend und Leiden bis in die Tiefe verletzt wurde, unterstützt heute dieses Volk die massive Aufrüstung Chinas. Auch unter den vielen mir bekannten ChinesenInnen, die gegen das Regime sind, habe ich keine getroffen, die gegen die massive Aufrüstung wären.

    Im Gegensatz zu so vielen anderen MitbürgernInnen in unserem Land, die das alles nur vom Hören und Sagen kennen und glauben, es könne nie wieder Krieg geben. Das meinten auch 90% der Europäer bis 1913 und dann wieder bis 1933.

    Weil wir den höchsten Lebensstandard der Geschichte des Planeten Erde erreicht haben und alle im Land lebenden Menschen nur diese Goldenen Zeiten kennen, sind wir nicht mehr in der Lage, zu erkennen, dass auch schlechte Zeiten, sogar katastrophale Zeiten zur Geschichte gehören. Als Mitglieder einer direkten Demokratie entscheiden wir, auch Sie, liebe Frau Schlatter, darüber, ob wir die nötigen persönlichen und finanziellen Opfer bringen wollen, um falls nötig das Schlimmste vom Land abhalten zu können oder nicht und werden je nach unserem Entscheid die Konsequenzen tragen.

    Mit freundlichen Grüssen Gotthard Frick, Bottmingen

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  • April 27, 2014

    Der grosse mitteleuropäische Schnarcher könnte in den nächsten Tagen durch grausames Erwachen unterbrochen werden. Siehe diese frische Meldung zur Ukraine.

    In​ welchem Maß Mitterand und seine Entourage in den eigentlich dahinter stehenden großen Masterplan eingeweiht waren, wissen wir nicht. Aus Publikationen führender US-Strategen (Kissinger, Brzezinski) ist allerdings bekannt, dass schon frühzeitig die Ukraine in diesen Plan einbezogen war. Inzwischen ist das Land zum Spielball der Drahtzieher geworden und Russland soll folgen. Ob die Rechnung aufgeht, ist völlig offen.

    http://www.saarbrue​cker-homepage.de/einf​ach-easy/item/471-der​-krieg-kommt-nicht-de​r-krieg-ist-laengst-d​a

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