1. Sonstiges

Nicht immer gleich den Rücktritt fordern

Die von der Schweiz am Sonn­tag sug­ge­rier­ten Vorwürfe von schwe­ren Ver­ge­hen wie Amts­miss­brauch, Nötigung etc. an Geri Müller haben sich vor­erst in Luft aufgelöst, viel­mehr sieht es so aus, als habe sich die Zei­tung für eine Schmierenkomödie ein­span­nen las­sen. Trotz­dem stel­len die Ba­de­ner Rechts­par­teien die For­de­rung nach so­for­ti­gem Rücktritt Müllers. Sie begründen dies vorab da­mit, dass die Würde des Amtes und des Amts­sit­zes beschädigt wur­de, weil das (lee­re) Büro Zeuge eines würdelosen pri­va­ten Aus­rut­schers ge­wor­den ist.

Es stel­len sich nun drei Fra­gen an die Ur­he­ber die­ser Forderung:
– Set­zen die Ba­de­ner Rechts­par­teien wirk­lich die rich­ti­gen Prioritäten, wenn sie die­ses Ver­ge­hen an der Würde des Amts­sit­zes höher ge­wich­ten als den Wählerwillen und die ge­samte bis­he­rige Amtsführung von Geri Müller?
– Wie de­fi­niert sich ei­gent­lich die Würde des Amts­sit­zes? Haben Par­kett und Möbel al­leine wirk­lich eine Würde, die durch ihren “Blick” auf et­was, was für in der Ab­sicht dem pri­va­tes­ten Kreis vor­be­hal­ten ist, ver­letzt wer­den kann? (Die Veröffentlichung an sich kann ja nicht Geri Müller an­ge­las­tet wer­den). Oder sind die Büros eines Amts­hau­ses mit allen Vorgängen darin grundsätzlich öffentlich? Soll man für pri­vate Telefongespräche aufs WC gehen?
– Wie hal­ten es die zuständigen Par­teigre­mien ei­gent­lich mit dem Schutz der Würde ihrer ei­ge­nen Büromöbel? Sind Sie sich be­wusst, was sie an­rich­ten, wenn Sie in einem un­be­ob­ach­tet ge­glaub­ten Mo­ment im Büro ihre Un­ter­hose richten?

Man kann nicht die ganze Zeit unter Vor­schub von bil­li­ger ad-hoc-­Mo­ral den Rücktritt von Po­li­ti­kern for­dern, nur weil man sie selbst so­wieso nicht gewählt hätte. Die­ses in ver­schie­de­nen po­li­ti­schen La­gern Mode ge­wor­dene Getue ist völlig un­de­mo­kra­tisch. Po­li­ti­ker sol­len zurücktreten, wenn sie Un­recht tun (grob gegen die Re­geln/­Ge­setze des Staa­tes ver­stos­sen, in des­sen Namen sie stell­ver­tre­tend für ihre Wähler Macht ausüben). Wenn sie sich nicht nach der Moral ver­hal­ten, der ihre Wähler auch für sich sel­ber fol­gen würden, oder wenn sie sich sonst mit ihrer Po­li­tik unglaubwürdig ma­chen, sol­len sie abgewählt werden.

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Comments to: Nicht immer gleich den Rücktritt fordern
  • August 21, 2014

    Die Fakten liegen in der Tragik der Erpressbarkeit, der charakterlichen Schwächen des NR G. Müller, samt seinen ‘dunklen Punkten’.

    Alles andere ist Pornobeiwerk, das sich selbst zerlegt, inkl. die Wundertüte des unterstellenden ‘Moral-Geschwurbels’,​ welches Sie ‘rechtsbürgerlicher’ Seite zuschieben.

    Ich sehe hier eher einen grünen ‘Polit.-Gau’, der, je länger er dauert und schön geredet wird, zu einem Polit.-Zunami aufläuft.​

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  • August 21, 2014

    Auch meine Meinung Hr Kästli . Gut gesagt. So ist es.

    Hr limaa: unter Porno werden Menschen in sexueller Aktivität miteinander definiert.
    Ein Nacktfoto einer Person mit evtl einem Pimmel ist kein Porno. Es fehlt die sexuelle Interaktion.
    http://​de.wikipedia.org/wiki​/Pornografie

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  • August 21, 2014

    Gratuliere, Herr Kremsner. Sie scheinen wirklich grosse Pornoerfahrung zu haben.

    Das alles rechtfertigt das ‘Geschwurbel’ in Sachen Erpressbarkeit, Charakterschwäche und ‘dunkle Punkte’ des NR G. Müller in keinem Falle. Er muss gehen.

    Ihm würde ich keine vertraulichen NR Kommissionsergebnisse​ mehr anvertrauen!

    Ausserdem stelle ich mir vor, wie er seiner Sekretärin in Baden gegenüber treten oder am Sprecherpult im Nationalrat glaubwürdig auftreten will.

    Aber wenn die Grünen einen ‘Gau’ haben wollen, dann nur weiter so. Traurig, doch leider die Realität.

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  • August 22, 2014

    Wenn Herr Müller nur ein wenig seiner Würde und Achtung retten will, dann tritt er zurück. Es ist peinlich, wie er sich als Opfer profilieren will. Er hat bei vollem Bewusstsein seine Grüselfotos einer “unbekannten” Person gesendet. Wer so dumm handelt und sich damit in seinem Amt erpressbar macht ist untragbar. Dass es auch noch in den Arbeitsräumen geschieht lässt auf ein grosses Mass an Exhibitionismus schliessen. Wollen wir solche Politiker?

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