1. Gesundheitswesen

Patientenwohl und Arbeitsplatzsicherhei​t: Kein Wiederspruch!

Das Heil­mit­tel­ge­setz geht uns alle an. Denn ver­ges­sen wir nicht: Pa­ti­en­ten sind wir alle wohl schon ein­mal ge­we­sen und wer­den es wohl auch wie­der ein­mal sein. Und wenn man krank ist zählt plötzlich nur noch ei­nes: ge­sund wer­den und die Be­gleiter­schei­nun­​gen vom Krank­sein lin­dern. Was wir dann brau­chen sind qua­li­ta­tiv hoch­ste­hende und si­chere Me­di­ka­men­te.
Ge­rade des­halb brau­chen wir als Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten auch neu- oder wei­ter ent­wi­ckelte Me­di­ka­men­te.
Ge­rade des­halb lie­gen auch For­schungs­an­reize im In­ter­esse der Patientinnen.
For­schungs­an­reize lie­gen aber auch im In­ter­esse der Schwei­ze­ri­schen Standortattraktivität​ damit wir eine sich wei­ter-­ent­wi­ckeln​de Phar­ma­b­ran­che mit at­trak­ti­ven Arbeitsplätzen ha­ben. Dies ist nicht nur für die Re­gion Basel wich­tig. Der grösste Pha­ra­ma-­Pro­duk­ti​­ons­stand­ort be­fin­det sich im Aar­gau. In Genf und der Waadt ent­wi­ckelt sich ein Bio­tech-Clus­ter wie auch ent­lang des Zürichsees. Aber auch in Zug hat sich ein neues Zen­trum ge­bil­det das weit in die Ost­schweiz aus­strahlt. Und ver­ges­sen wir den Stand­ort Tes­sin nicht. Die Phar­ma­b­ran­che mit ihren Arbeitsplätzen ist heute so gut wie in jeder Re­gion von gros­ser Be­deu­tung.

Aber gehen wir doch auf ein paar „Besonderheiten“ ein, die für uns alle von Bedeutung sind.
Die meisten von uns haben das Glück von ihren Krankheiten und Unfällen auch dank den Wirkungen von entsprechenden Heilmitteln wieder genesen zu dürfen – leider nur die Meisten. Gerade denjenigen, deren Schutz uns am wichtigsten ist, fehlen oftmals wirksame Medikamente: Unseren Kindern. Sie sind die Opfer früherer (regulatorischen) Untätigkeit und keine Anreize geschaffen wurden, damit auch für vergleichsweise kleine Patientengruppen Medikamente entwickelt, getestet als auch vertrieben werden. Hier bringt das HMG einen grossen Fortschritt.

Unser​e Kinder sind nicht alleine – genau so ergeht es vielen weiteren Betroffenen von seltenen Krankheiten.
Es geht folglich darum (stärkere) Anreize zu schaffen um die Forschung in den betreffenden Gebieten voranzutreiben. Hierbei können wir bspw. von den USA oder der EU lernen. So haben die USA bereits 1983 (!) eine Marktexklusivität für wirksame und sichere Medikamente gegen seltene Krankheiten geschaffen, wobei die EU im Jahre 2000 nachgezogen hat. Dank der Vorreiterrolle, zunächst der USA und dann der EU, verfügen wir heute über wesentlich mehr Arzneimittel gegen seltene Krankheiten als noch vor 20 Jahren. Zusammen mit einem verlängerten Patientenschutz um sechs Monate kann der beschriebene, haltlose Umstand noch besser bekämpft werden.

Ähnliche Zustände herrschen im Forschungsgebiet der Indikationen: Die Anreize für die Erforschung neuer Indikationen bekannter Medikamente genügen nicht – vor allem wenn ein Medikament schon länger auf dem Markt ist. So z.B. bei antimikrobielle Resistenz, Krankheiten des zentralen Nervensystems wie Depression, usw., wo wir alle, Ärzte und Patienten dringend auf neue Medikamente warten. Innerhalb des internationalen Wettbewerbs, in welchem unsere Pharma-Industrie – notabene nicht nur diejenige im Raum Nordwestschweiz – agiert, ist es durchaus verständlich, dass die Bereitschaft in hochrisikoreiche Forschung Millionen oder gar Milliarden zu investieren, relativ gering ist, zumal der Patentschutz innerhalb von kürzester Zeit wiederum wegfällt.

Gegen die Nichtexistenz wirksamer und sicherer Medikamente für unsere Kinder und gegen seltene Krankheiten sowie der gleichzeitigen Stärkung des Forschungsstandortes Schweiz gilt es demnach den Schutz, wie im neuen HMG vorgesehen, auf 10 Jahre auszubauen. Wirtschafts- und Sozialenteresse laufen nicht zwingen gegen-, bzw. auseinander – dies beweist die FDP ein Mal mehr! In diesem Sinne gilt es das neue Heilmittelgesetz (HMG) entsprechend anzupassen – im Sinne aller!

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
Kommentare anzeigen Hide comments
Comments to: Patientenwohl und Arbeitsplatzsicherhei​t: Kein Wiederspruch!
  • Mai 8, 2014

    Ja, es gibt auch seltene Krankheiten. Die Definition dazu: Eine seltene Krankheit ist durch eine Prävalenzschwelle definiert, das heisst, durch die Anzahl Patienten, die zu einer bestimmten Zeit von dieser Krankheit betroffen sind. In der Schweiz und der EU gilt eine Krankheit als selten, wenn fünf oder weniger Personen von 10’000 Einwohnern unter einer bestimmten Krankheit leiden. Heute sind weltweit rund 7000 bis 8000 seltene Erkrankungen bekannt. Die meisten seltenen Krankheiten sind schwer zu diagnostizieren. Insgesamt leiden alleine in Europa schätzungsweise mehr als 30 Millionen Menschen an einer seltenen Krankheit. Das Spektrum an Krankheitsbildern ist gross und umfasst Störungen des Stoffwechsels, des Blut- und Immunsystems oder Erkrankungen bestimmter Gewebe. Die Mehrheit dieser Erkrankungen sind genetisch bedingte Erbkrankheiten. Sie betreffen somit nicht nur die erkrankte Person, sondern auch deren Familienangehörige. Die Mehrzahl der Erkrankungen tritt bereits im Neugeborenen- oder Kindesalter auf.
    Charakteristika​ seltener Krankheit sind:
    • Seltene Krankheiten treten in der Regel in der Praxis eines Allgemeinmediziners höchstens einmal pro Jahr auf, sind ihm daher nicht vertraut und werden häufig falsch diagnostiziert. Deshalb kann es lange, oft mehrere Jahre, dauern, bis ein Patient die richtige Diagnose erhält, was für die Betroffenen leidvoll und entsprechend kostenintensiv sein kann.
    • Seltene Krankheiten sind oft lebensbedrohlich oder chronisch invalidisierend und bedürfen einer spezifischen Behandlung.
    • Selten​e Krankheiten erfordern meist eine anspruchsvolle Diagnose und Behandlung.
    Familien​ von Betroffenen opfern sich nicht selten für jene auf und verlieren dabei auch mal die Arbeit. Einerseits scheint es für die Pharmaindustrie zu wenig lukrativ zu sein und andererseits braucht es noch einiges um herauszufinden, welches Medikament nicht doch auch für anderes eingesetzt werden kann. Die finanziellen Aspekte für die Medikamente sind auch nicht zu verachten inkl. die Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Die Frage, die sich hier stellt ist: „wieviel ist ein Menschenleben wert?“, was ich noch ergänzen möchte mit: „gut medikamentös eingestellte Menschen“ können durchaus leistungsfähig sein“. Manchmal sind deshalb Bundesgerichtsentsche​ide und Korrekturen notwendig. So z.B. jenes zu „Morbus Pompe“ http://www.polyreg.ch​/d/informationen/bgel​eitentscheide/Band_13​6_2010/BGE_136_V_395.​html . Was auch nicht zu verachten ist, ist dass diese Krankheiten nicht geheilt werden können. Es können lediglich nur die Symptome bekämpft werden. Leider gilt hier eine Altersdeadline von 18 Jahren. Denn Übergänge vom Kindesalter zum Erwachsenenalter sind nur schwach möglich und werden zudem auch ausgeblendet. Bei alledem heisst es nicht, dass es keine Unterstützungsmöglich​keiten gibt. Wer mehr darüber erfahren möchte findet neben diesem Link noch weitere inkl. Informationen. http://www.ig-seltene​-krankheiten.ch/web/i​gsk/news/Aktuelle-Vor​st-sse.html

    Kommentar melden
    • Juli 19, 2021

      Es gibt sehr viele Krankheiten, korrekt Frau Sägesser. Zuweilen werden diese in den letzten Jahren WHO/EU/BAG-konform nahezu gesucht und gezüchtet. Nur um DAS Paradebeispielv schlechthin zu nennen: Söiligrippe. Wehrlose werden bürokratisch bewirtschaftet und ausgenüzt, statt betreut und vertreten.

      Gerade Betagte, Kranke und Behinderte werden seit einiger Zeit bürokratisch durch Behörden amtlich traktiert/bewirtschaf​​tet und medizinisch ausgebeutet.

      Die Gesundheit ist unser aller höchstes Gut, daher haben Behörden und die Schulmedizin die Aufgabe ENDLICH wieder den Menschen gerecht zu werden und nicht irgendwelchen Bürokraten und der Pharma nachzurennen, weil die Profitgier ruft.

      Gerade Betagte, Kranke und Behinderte benötigen Schutz, statt bewirtschaftet und ausgebeutet zu werden, nur haben diese derzeit keine Lobby.

      Behinderte werden zu Hirnscanversuchen missbraucht, Betagte und Behinderte überfüttert man mit Medis um sie in die boomenden Psychis weiter zu missbrauchen usw.

      So steigen die Kosten und die Qualität sinkt. Darin ist die Politik gefordert. Halbgötter in Weiss sind nichts anderes als Handwerker, haben aber einen Blankocheck und wollen mit der anstehenden Hausarztabstimmung gar noch einen gesetzlich verankerten Mindestlohn.

      Nein, danke, keine weiteren solche Spielchen zu Lasten der Allgemeinheit auf dem Rücken der Schwächsten. Es bedarf endlich der besseren Kontrollen dieser “geschützten Werkstätten im gesamten GesundheitsUNwesen”.

      Kommentar melden
    • Juli 19, 2021

      Guten Tag Frau Habegger

      Willkomme​n zurück, schön dass Sie wieder da sind. Ich habe Ihre Blogs und Kommentare vermisst.

      Kommentar melden
    • Juli 19, 2021

      Ja, zur Heilmittelgesetz gilt sich an der Schweizer Handelvorschrift z.B.: Thai-pille, Babys-Pille schmutzige Tabletten sind, zur Überprüfung an der Medizinische Zollbehörden der Schweiz zurückweisen!
      Oder zur Bestrafung illegale Me­di­ka­men­te der Schwarzmarkt.

      Kommentar melden
    • Juli 19, 2021

      Herr Matter

      es geht um die Hausarztinitiative, hat nichts mit dem Heilmittelgesetz zu tun.

      Jetzt müssen ENDLICH Patienten geschützt werden vor der medizinischen Ausbeutung und Abzockerei, nicht Aerzte im Gesetz einen gesetzlich Blankocheck erhalten über unser höchstes Gut regieren zu können. Deshalb Nein zur Hausarztmedizin.

      Aber richtig, das Heilmittelgesetz sollte dringenst angeschaut werden und vor allem die in Mode geratenen Übermedikamentationen​. Hier braucht es Kontrollen.

      Kommentar melden
  • Mai 17, 2014

    Wo kommen wir hin, wenn einer Anspruchgruppe, also hier den Hausärzten, per Verfassung ein Einkommen garantiert wird. Völlig absurd.

    Wer wird sich bei einer Annahme dann als nächstens ansprucherhebend per Verfassung das Einkommen festschreiben lassen?

    Absurd und ablehnen.

    Kommentar melden

Kommentar schreiben

Neuste Artikel

  1. Bildung & Forschung
Fächerbelegung an Universitäten: Geistes- und Sozialwissenschaften im Rückgang Die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer sind zwar als Lerninhalte und insbesondere für die Freizeit und als Politikgrundlage attraktiv; die Wirtschaft verlangt aber heute vor allem wirtschaftliches und technisches Wissen.

Bleiben Sie informiert

Neuste Diskussionen

  1. NEIN zur Renteninitiative der Jungen FDP: Keine Reduktion der schönen Rentnerzeit! Das Pensionsalter ist für viele - gute Gesundheit vorausgesetzt…

Willkommen bei Vimentis
Werden auch Sie Mitglied der grössten Schweizer Politik Community mit mehr als 200'000 Mitgliedern
Tretten Sie Vimentis bei

Mit der Registierung stimmst du unseren Blogrichtlinien zu