Sonne oder Atom ?

 

Die Frage bewegt seit langer Zeit, obwohl die Frage bei genauer Betrachtung obsolet ist. Uns bleibt schlicht weg keine andere Wahl. Neue AKWs sind zur Zeit in unserem Land politisch und sicherheitstechnisch nicht mehr realisierbar. Die weltweit ältesten Kernkraftwerke Mühleberg und Beznau I/II sollten allmählich ersatzlos abgestellt werden. Seit Fukushima ist dies auch vielen bürgerlichen Politikern endlich klar geworden. Der Bundesrat und die Mehrheit von National- und Ständerat unterstützen nun den AKW Ausstieg. Die Frage sollte sich also nicht mehr länger stellen. Die Gesellschaft sollte vielmehr schnellst möglich die Umsetzung das AKW-Ausstieges durchführen. Die Frage der Kosten ist nicht vorrangig! Tausende von privaten Investoren warten auf die versprochenen KEV-Fördergelder um die eingereichten Photovoltaikanlagen zu realisieren.

Fossile​ Energiequellen und Uranvorräte sind nur noch für einige Jahrzehnte gewinnbringend abbaubar. Unsere Gesellschaft muss sich Energie-politisch anders ausrichten. Der riesige wachsende asiatische Markt von China und Indien wird zukünftig auch massiv Öl und Uran beanspruchen. Der Energiekuchen wird nicht einfach grösser, aber bestimmt teurer. Der Westen kann sich seine Stücke davon nur noch sichern, da er höhere Preise für Uran und Öl bezahlen kann, als die aufstrebenden Schwellenländer. Die Preisspirale dreht sich schneller, weil der Abbau sowohl von Öl und Uran immer schwieriger wird. Die Natur wird bei Ölbohrungen oder dem Transport auf hoher See (Ölkatastrophen) oder durch den Bergbau stark belastet. Australien war bis vor kurzem Hauptlieferant von Uran für den Westen, zunehmend stammt Uran heute aber auch aus Afrika, Südamerika und Kasachstan. Im Tagbau wurden und werden dabei grosse Landflächen in Australien und Afrika verwüstet. Uranerz enthält oft nur 0.5 – 5% Uran, selten 10%, welches nach einer energieaufwändigen mechanischen Zerkleinerung mittels Säuren aus dem Stein herausgelöst und danach weiter chemisch verarbeitet werden muss. Schliesslich gelangt das Uran auf dem Seeweg um die halbe Welt nach Europa, wo es zu Brennstäben verarbeitet wird. Die Mähr vom sauberen Atomstrom, welcher erst noch CO2 frei produziert werden kann, wird immer noch regelmässig von bürgerlicher Seite ins „Spiel“ gebracht. Die ganze Uranproduktion ist aber kein leichtes „Spiel“, dies wird oft ausgeklammert. Überdenkt man nur ansatzweise die Gewinnung und Produktion von Uran, so sollte jedem klar werden, dass dies nicht CO2 neutral ablaufen kann. 

Vor 13 Jahren bestellte ich meine erste Solaranlage, damals war die 3.1kWp Anlage, bestehend aus 48 Modulen zu 64 Watt zu einem Preis von Fr. 47‘000.- noch sehr teuer und für viele eine Spinnerei, ich war aber schon damals überzeugt davon und wollte ein Zeichen gegen den Atomstrom setzen. Als Förderung erhielt ich von Bern im Rahmen des Förderprogramms Energie 2000 Fr. 9300.- und vom AEW Fr. 3100.-. Die Anlage liefert auch heute noch täglich sauberen Solarstrom ohne messbare Leistungsverluste. Sie brauchte bis heute keinen Rappen Unterhalt. 2007 erweiterte ich die Anlage auf total 6.4kWp und produziere so jährlich mindestens 6400kWh eigenen Solarstrom – immer noch ohne einen Rappen Unterhalt.  Heute kostet eine Solaranlage auch ohne Förderung noch etwa einen Drittel als vor 13 Jahren. Man installiert die Module aufs Dach und fertig! Kein Endlager, Revisions- oder Sicherheitsprobleme. Natürlich ist mir auch bewusst, wenn alle dies täten, hätte die AEW ein gewisses Stromleitungsproblem.​ Solarstrom kann aber für die Wirtschaft einen wichtigen Beitrag zur so genannten Bandenergie beitragen, da während des Tages, die meisten Produktionsanlagen in Betrieb sind. Innovative Firmen und Investoren haben dies bereits gemerkt und bedecken ihre Dächer zunehmend mit Solarmodulen. Der Strom wird dort produziert wo er gebraucht wird, innovative Ingenieure können die Produktionsabläufe den täglichen Schwankungen der Solarstromproduktion anpassen, zusätzlich können andere erneuerbare Energien, wie Wind- und Wasserkraft Bandenergien liefern, wenn einmal die Sonne nicht scheint. Das von einigen Kritikern betonte Stromverteilungsprobl​em ist aber lösbarer als die Probleme von Atomstrom. Seit ich lesen kann (1967) versucht man in der Schweiz ein Endlager zu planen und zu bauen. Von diesen Planungskosten spricht niemand, der Bevölkerung werden seit 40 Jahren in regelmässigen Abständen erfolglos Pläne für Endlager unterbreitet. Wir alle brauchen Atomstrom, keine Gemeinde bietet aber Land für die scheinbar sichere Entsorgung für einige Millionen Jahre, während 40 Jahren scheiterten alle Bemühungen. Eine ganze Generation von Geologen, Ingenieuren und Politikern hat sich damit beschäftigt. Die Suche nach einem Endlager scheint fast ein Service Public zu sein. Ebenso wurden tausende von Seiten Papier und Pläne darüber geschrieben, gedruckt und hunderte Stunden Reden darüber gehalten, zurück blieb viel Altpapier, das meiste davon bereits mehrfach rezykliert. Es braucht einen Schlussstrich, in der Privatindustrie gibt es kaum ein Produkt mit einer 40 jährigen Planungsphase ohne ein sichtbares Ergebnis. Zur Lösung des Energieproblems können erneuerbare Energiesysteme beitragen. Gemeinden und Private sollten beim Bau von erneuerbaren Energiequellen rasch gefördert werden. Die Schweizer Wirtschaft kann damit gefördert, der massive Geldabfluss ins Ausland für Öl und Uran gestoppt werden. Die lange KEV-Liste von Photovoltaikprojekten​ sollte politisch schnell geklärt werden, damit der Deckel der Fördergelder von Bern entfernt werden kann. Die Schweiz ist durch ihre zögerliche Politik mittlerweile europaweit das Schlusslicht bezüglich dem Bau von Solaranlagen. Pro Kopf wurden beispielsweise bis heute in Deutschland 300 Watt, in Italien 200 Watt, in Spanien 100 Watt, in Frankreich 50 Watt und in der Schweiz 25 Watt Photovoltaik installiert. Wir sind also noch weit entfernt von einem Solarstromproblem. Im Freiamt hat sich aber in den letzten 5 Jahren diesbezüglich etwas getan, Investoren wie Bauern, Hausbesitzer bis KMU‘s haben den Nutzen erkannt und liessen auf ihren Dächern Solarmodule montieren. Mittlerweile wurden im Unterfreiamt Solaranlagen mit einer Leistung von über einem Megawatt installiert, dies macht pro Kopf etwa 35 Watt Solarstrom. Auch die neu gegründeten Solar Genossenschaften in Hägglingen, Muri und Sins fördern mit Hilfe von Kleininvestoren neue Solaranlagen.

 

Dr.​ Adrian Meyer Grossratskandidat Grüne Bezirk Bremgarten

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Comments to: Sonne oder Atom
  • September 14, 2012

    Erhalten Sie nicht auch vom EW eine Abnahmegarantie und einen subventionierten Preis?

    Wie hoch wäre Ihr Gewinn, wenn keine Subventionen gesprochen würden und der Strom zu den Preisen der EPEX (Stromhandelsbörse) berechnet würde?

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  • März 6, 2013

    Gestern lief auf ARTE eine Dok über Fukushima und das Leben danach. Eindrücklich! Doch frage ich mich wie teuer der Atomstrom wirklich ist (wird dieser doch subventioniert aus der Steuerkasse und folglich entsprechend durch den Steuerzahler bezahlt). Verschwiegen und unter dem Deckel gehalten wird sicher auch noch so einiges. Sind wir Menschen, das Parlament, die Unternehmen und der Bundesrat so kurzsichtig? Was, wenn Mühleberg hops geht? Ich denke, dass da im schlimmsten Falle die ganze Schweiz und auch umliegenden Staaten betroffen sein können. Denn das Wasser, die Luft, der Staub den man mitnimmt etc. wird immer weiter getragen. Sollte so ein Fall geschehen, dann gute Nacht Schweizerwirtschaft. Darauf will ich es nicht ankommen lassen! Zudem: Gewinnorientierung auf Kosten von Ökologie und Menschenleben = Nein, danke! Denn einige Opfer und Verletzte aus Unfällen wie Fukushima, Tschernobil und anderen sind noch gar nicht geboren. Stromverknappung? Bereits heute ist die BKW einer der grössten Stromhändler …. Mehr darüber im Link zu lesen http://www.greenpeace​.org/switzerland/Glob​al/switzerland/public​ations/ce_various/~27​74582.pdf.

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