1. Gesellschaft

SP-Nationalrätin will Doppelnamen zurück

andra Müller und Mar­kus Meier wol­len hei­ra­ten. Beide müssen sich nun ent­schei­den: Be­halte ich mei­nen Namen oder gebe ich ihn ab? Denn einen Dop­pel­na­men zu tra­gen ist seit dem neuen Na­mens­recht, das vor zwei Jah­ren eingeführt wur­de, nicht mehr möglich. Dabei wäre genau das San­dras Wunsch. Schliess­lich ist ihr Fa­mi­li­enname Teil ihrer Identität. Auf der an­de­ren Seite will sie aber auch – soll­ten sie eines Tages Kin­der haben – dass die ganze Fa­mi­lie den glei­chen Namen trägt. Schwe­ren Her­zens ent­schei­det sich San­dra des­halb, ihren Nach­na­men ab­zu­ge­ben, auch wenn sie dabei das Gefühl be­schleicht, ihre Ideale einer unabhängigen Frau zu ver­ra­ten.

Das Beispiel ist fiktiv, dennoch sehen sich viele Heiratswillige mit ähnlichen Problemen konfrontiert: «Heutzutage müssen Frauen zwischen zwei extremen Lösungen wählen – einer progressiven und einer konservativen. Aber es fehlt ein Mittelweg», sagt SP-Nationalrätin Rebecca Ruiz. Die Waadtländerin ist überzeugt, dass Frauen seit der Einführung des neuen Namensrechts wieder vermehrt den Namen des Mannes annehmen. Denn gerade für Mütter sei es wichtig, den gleichen Namen wie ihre Kinder zu tragen. Sie sei von vielen Betroffenen auf dieses Problem angesprochen worden, sagt Ruiz gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Di​e 32-Jährige will deshalb Klarheit und fordert in einem Postulat, dass die Auswirkungen des neuen Namensrechts in einer Studie untersucht werden. Ihr Ziel ist «die grösstmögliche Wahlfreiheit»: «Jeder soll den Namen wählen können, der ihm am besten entspricht.»

«Staat soll uns nicht vorschreiben, wie wir heissen sollen»

Unterstützun​g erhält Ruiz von links bis rechts. Vor allem bürgerliche Kreise haben die Gesetzesrevision vor zwei Jahren stark kritisiert. Einer von ihnen ist SVP-Nationalrat Lukas Reimann. Dass Ruiz das Thema erneut aufs politische Parkett bringt, freut ihn: «Ich sehe nicht ein, warum der Staat uns vorschreiben soll, wie wir heissen sollen.» Er wisse von vielen Frauen, die sich den Doppelnamen wieder zurück wünschten. «Ich bin in diesem Bereich für den grösstmöglichen Spielraum.»

Dass die Gesetzesrevision, die auf einen Vorstoss von SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer zurückgeht, ausgerechnet von einer SP-Kollegin hinterfragt wird, bringt den SVP-Nationalrat zum Schmunzeln: «Es zeigt einfach, dass die Gleichstellungspoliti​k der SP nicht aufgeht.»

Leutenegge​r Oberholzer kontert

Diesen Vorwurf will Leutenegger Oberholzer nicht auf sich sitzen lassen. «Es ist naiv, bereits nach einem Jahr zu sagen, dass eine Revision gescheitert ist.» Bis die neue Regel in der Gesellschaft angekommen sei, brauche es viel mehr Zeit. «Bei den Doppelnamen war es identisch: Auch diese wurden erst nach vielen Jahren in der Gesellschaft salonfähig.»

So lange will Ruiz nicht warten. Sie hofft, dass die Studienergebnisse bereits 2016 vorliegen. Momentan gehen inoffizielle Schätzungen davon aus, dass 71 Prozent der Frauen den Namen ihres Mannes angenommen haben. Das wären gleich viel wie vor der Gesetzesänderung. Eine Umfrage der Zeitung «Schweiz am Sonntag» hatte allerdings ergeben, dass je nach Gemeinde 75 bis 90 Prozent den Namen des Mannes gewählt hatten. «Sollte die Studie meinen Verdacht bestätigen und zeigen, dass wieder mehr Frauen den Namen ihres Mannes annehmen, dann müssen wir ernsthaft darüber nachdenken, dass Gesetz wieder zu ändern», sagt Ruiz. Dann habe die Revision das Ziel der Gleichstellung nämlich definitiv verfehlt.

http://www​.20min.ch/schweiz/new​s/story/SP-Nationalra​etin-will-Doppelnamen​-zurueck-19496964

 

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Comments to: SP-Nationalrätin will Doppelnamen zurück
  • Dezember 24, 2014

    Köstlich diese SP-Logik!

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  • Dezember 24, 2014

    Wenn Sandra Müller und Markus Meier heiraten, dann heissen nachher beide Meier-Müller und die Kinder Müller. Wo ist das Problem? Da gibt doch niemand den Nachnahmen ab. Der bleibt voll bestehen, nur wird der Name der Manneslinie für die neu gegründete Familie vorangestellt. In praktisch jedem Administrativ-Formula​​r wird doch die Angabe des Mädchennamens der Ehefrau verlangt.

    Leute wie Leutenegger Oberholzer erwirken mit der Namenskonfusion nur eine weitere Zerrüttung des Familienbegriffs. Sie heisst Leutenegger Oberholzer, er heisst Oberholzer, die Kinder teils teils…

    Die grösstmögliche Wahlmöglichkeit bedeutet, dass der Name nichts mehr mit der Familie zu tun hätte. Nach ein paar Generationen tragen die Geschwister vielleicht den Mädchennamen der geschiedenen Grossmutter oder von Vaters zweiter Ehefrau oder vom schwulen Adoptivvater oder tatsächlich noch vom Grossvater. Die Abstammung hat mit dem Namen keinen Zusammenhang mehr.

    Ein Familienname würde gar nicht mehr existieren.

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    • Juli 19, 2021

      Wird dann ganz schwierig einstmals einen Stammbaum zu erstellen,mit der freien Namenwahl!Darum ist die Doppelname- Angabe sinnvoll!

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