Am Freitag, dem 15. Juli 2011, fanden in Syrien die bisher grössten Kundgebungen gegen den Diktator Assad statt. In Damaskus erschoss die Polizei  41 Demonstrierende. Die Syrer mussten den bewaffneten Kampf gegen den Diktator aufnehmen, die weltweit höchste Flüchtlingswelle ergoss sich über die Länder, und bis heute kommen immer noch Flüchtlinge, weil Putin Assad an der Macht hält. Russische Truppen haben in Syrien für ihn ab 2015 viele Orte in den Boden gebombt …

Die mediale Aufmerksamkeit für diese Gewalttaten ist seit 2011 auch in der Schweiz mässig, obwohl ein grosser Teil der Bevölkerung Syriens seither ihre Heimat verlassen hat. 12,4 Millionen Menschen in Syrien gebliebene Menschen sind nicht ausreichend mit Lebensmitteln und Wasser versorgt und auf humanitäre Hilfe angewiesen. Anfang 2022 gibt es weltweit rund 6,8 Millionen Flüchtlinge aus Syrien – ohne Aussicht auf eine Rückkehr.

Etwa 5,6 Millionen Flüchtlinge befinden sich seither in der Türkei, im Libanon, in Jordanien, im Irak und in Ägypten. Ausserdem gibt es in Syrien noch 6,9 Millionen vertriebene Menschen, die nicht flüchten können oder wollen. Gegenwärtig leben über 90 Prozent der Menschen in Syrien unterhalb der Armutsgrenze

In der Schweiz gehört Syrien zu den wichtigsten Herkunftsländern von Asylsuchenden. Im Jahr 2020 stammten von den insgesamt 11’041 Asylgesuchen in der Schweiz 904 Gesuche von Syrerinnen und Syrern. 2019 waren es 1100 von insgesamt 14’269 Gesuchen und 2018  1’393 von insgesamt 15’255 Gesuchen. Die Schweiz anerkennt sie NICHT (!) als Kriegsflüchtlinge und gewährt deshalb den meisten nur die vorläufige Aufnahme – unter sehr harten Bedingungen. Im Jahr 2020 wurden hier insgesamt 1’530 Fälle von Syrerinnen und Syrern entschieden: 676 erhielten Asyl, 853 erhielten eine vorläufige Aufnahme. Die verbleibenden Asylbewerber erhielten zumeist mit einen Dublin-Nichteintretensentscheid, was bedeutet, dass ein anderer Staat im Schengen-Dublin-Raum für das Gesuch zuständig ist.

Dabei hätte die Schweiz seit über zwanzig Jahren die gesetzliche Möglichkeit, solche Flüchtling kollektiv, rasch und unbürokratisch aufzunehmen. Die speditive Aufnahme der Ukrainerinnen und deren Kinder mit dem Schutzstatus S zeigt, wie es gehen könnte.

Ein breites Bündnis von über fünfzig bekannten Personen aus Kultur, Politik und Kirche sowie zahlreichen humanitären, politischen und kirchlichen Organisationen hat bereits 2014 in einem offenen Brief zur Solidarität mit syrischen Flüchtlingen aufgerufen. 2015 folgte eine Kundgebung von Flüchtlingshilfswerken (Bild oben) – auch ohne Wirkung.

Deshalb hier nochmals die Forderung an den Bundesrat: Geben Sie endlich den Flüchtlingen aus Syrien den Status S wie den Ukrainerinnen!

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
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Comments to: STATUS S AUCH FÜR SYRER, NICHT NUR FÜR UKRAINERINNEN
  • Mai 2, 2022

    An den Maifeiern der Gewerkschaften wurde der Status S für Asylsuchende aus der Ukraine gelobt und die Benachteiligung von Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan angeprangert. Mit Recht. So geht das nicht.

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  • Mai 6, 2022

    Auch in Syrien, Jemen und Afghanistan fallen Bomben: Luzerner Forschende orten deshalb Handlungsbedarf im Asylbereich. Ein neues Handbuch der Hochschule Luzern richtet sich an Fachpersonen aus dem Asylwesen. Die Autoren schlagen unter anderem vor, den Status F zu überdenken.

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