1. Bildung & Forschung

Universität Zürich hat Reformbedarf

Im Ge­gen­satz zum aka­de­mi­schen Frank­reich, wo seit vor­letz­ter Woche und dem Er­schei­nen des World Uni­ver­sity Ran­king 16/17 des viel­be­ach­te­ten Hoch­schul­ma­ga­zins​​​​ Times Hig­her Edu­ca­tion hellste Auf­re­gung herrscht – die beste franzö­si­sche Uni­ver­sität – die Ecole Nor­male Supérieure – fin­det sich erst auf Platz 66, schlug die Rück­ver­set­zung der Uni Zürich um einen wei­te­ren Platz auf Platz 104 im Top 400 World Re­pu­ta­tion Ran­king von THE keine hohen Wel­len.

Die ungenügenden Bewertungen von Forschung und Lehre durch THE müssten der Universitätsleitung umso mehr als ein Dorn im Auge sein, als die Zürcher Uni gegenüber vergleichbaren Universitäten in diesen beiden Disziplinen massiv abfällt. Und als Wissenschaftsstandort​​​​ Zürich ist die ETH – aber sicher nicht die Universität Zürich – auf Augenhöhe mit Boston, San Francisco und London, so viel Aussagen von Herrn Rektor Hengartner in einer der diesjährigen Ausgaben der Sonntagszeitung.

Da​​​​s akademische Gefälle zwischen ETH und Uni darf nicht kaschiert werden. Die ETH rangiert hervorragend auf Platz 9 des THE, die Ecole Polytéchnique Lausanne hat auch dieses Jahr wieder einen Platz gutgemacht und liegt auf Platz 30. Und die Universität Basel hat sogar 3 Plätze gutgemacht und liegt jetzt auf Platz 98, acht! Plätze vor der Uni Zürich.

Der Übertitel eines Tagesanzeigers aus dem Jahre 2013 „ETH top, Uni flop“ gilt leider immer noch….

Zu den im weltweiten Vergleich Top UZH Salären und zu den durch die Uni Zürich ausgerichteten fürstlichen Nebenleistungen,genan​​​nt Fringe Benefits (dazu die Stichworte Sabbaticals und Doppelkarrieren), sowie zur Vielzahl von Lehrkräften aus dem nördlichen Nachbarland an anderer Stelle mehr.

Hier nur einige Feststellungen offene Baustellen, welche den Universitätsrat und das Rektorat beschäftigen müssten:

  1. Im Gegensatz zur erfolgreichen EHT ist die Universität Zürich hoffnungslos verpolitisiert – und das muss endlich aufhören!

2. Die Führungsstrukturen entspringen der Mitte des letzten Jahrhunderts.

Wann endlich werden die akademische und betriebswirtschaftlic​​​​he Führung der Zürcher Alma Mater entflechtet?

Wann endlich erhält die Universität Zürich einen CEO, welcher das Grossunternehmen Uni Zürich nach betriebswirtschaftlic​​​​hen Grundsätzen führt? Wann endlich kann sich die akademische Führungsspitze der Universität auf das konzentrieren, von dem sie etwas versteht, nämlich auf Forschung und Lehre?

3. Und wann endlich wird die Universität Zürich nicht weiter nach egalitären Grundsätzen geführt, sondern sieht sich wieder als das, was sie sein müsste: eine Kaderschmiede und eine Wirkungsstätte der akademischen Elite?

Die UZH ist in den vergangenen Jahren in vielen Disziplinen immer mehr zu einer Frauenuniversität mutiert, insbesondere bei den philosophischen Fächern und Teilen der naturwissenschaftlich​​​​en Fächer wie Biologie und – ganz bedenklich – bei der Mathematik sowie im Fach Geographie.

Und in den Massenstudienfächern scheinen sich immer mehr Absolventen mit einem Bachelor Titel zufrieden zu geben und geben sich dem Trugschluss hin, mit dem Abschluss eines Grundlagenstudiums sei es getan, Mann oder Frau könne sich jetzt auf den Lorbeeren ausruhen und schnell viel Geld verdienen. Ein paar Jahre später rächt sich das dann brutal…

70 % der Doktoranden: 70 % kommen aus dem Ausland und in der Mathematik doktorieren fast ausschliesslich nur noch Frauen.

Zum Qualitätsmanagement und der Reputation der Universität Zürich folgendes:

Internatio​​​nal​ gibt es für die Geisteswissenschaften​​​​ keine relevanten Rankings. Ergo werden und wurden von den sieben Fakultäten der Uni nur deren drei- in den von mir vorerwähnten Rankings berücksichtigt.

Die Universitätsleitung muss sich deshalb überlegen, wie sie die Qualität und die gesellschaftspolitisc​​​​he Relevanz der vier international nicht bewerteten Fakultäten gewährleistet?

Bei der Medizin gibt es Eignungstests. Und wie steht es mit den Massenstudienfächern Soziologie, Politologie, Psychologie und Erziehungswissenschaf​​​​ten? Ist es nicht Aufgabe einer Universität dafür zu sorgen, dass Absolventen dieser Leichtgewichts-Diszip​​​​linen sich auch Eignungstests unterwerfen müssen, und nicht nach dem Erwerb des Batchelor Titels ihre Studien abbrechen und mehr oder weniger unvorbereitet ins Berufsleben einsteigen?

Die Universität Zürich soll sich an den Besten messen und nicht, wie auch dieses Jahr, sich dem Selbstlob hingebend, in vielen akademischen Disziplinen einem egalitären Leistungsprinzip frönen.

Eine Wissenschaftliche Hochschule hat die geistige Elite auszubilden und diesen Kernauftrag hat die Universitätsführung in den letzten Jahren zu sehr in den Hintergrund gestellt.

Die Quittung dafür hat die Universität Zürich auch dieses Jahr wieder mit der unbefriedigenden Bewertungen durch Times Higher Education erhalten.

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
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Comments to: Universität Zürich hat Reformbedarf
  • November 17, 2016

    Herr Hanspeter Amrein

    Der Roboter wird die Wissenselite aufrütteln. Die Bewertungsspielvarian​ten sind Makulatur!

    Würden Sie das Geldsystem in der Entstehung, Funktion und Auswirkung der Korrelation der arbeitsgeteilten Wirtschaft mit dem Geldfluss, verstehen, würden Sie erkennen, dass die Betriebswirtschaftlic​he Führung, kein Gradmesser für den Erfolg von Bildung sein kann!
    Warum man das Geldsystem nicht verstehen will, hängt mit den Spielformen aus Ökonomie und Politik zusammen, welche Ihre Profilierung suchen!

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  • November 22, 2016

    Wie man mit nicht so konformen politischen Mitstreitern umgeht, ist ja wohl bekannt.Das damit auch “Qualität
    an verantwortungsvollen Schnittstellen in leitenden Gremien darunter leidet, ist wohl eine Folge davon.
    Vetterli-Wirt​schaft mit Beförderungen von Partei-und sonstigen weiteren “ideologischen Mitstreitern”ist wohl auch nicht dazu angetan das Niveau auf einem internationalen Level zu halten.Mit den ewigen “Studien” über Gleichberechtigung,Fe​minisierung der Sprache,usf.kann man vielleicht in Zeitungen für Schlagzeilen sorgen, sind aber leider kein Indikator für hervorragende Leistungen, die das Land wissenschaftlich ,technisch auch vorwärts bringen.Ja man muss es leider sagen…!..stolz können wir nur auf ETH sein..!!

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  • Dezember 19, 2016

    Herr Amreim
    1. es gibt einen Eignungstest für die Universität Zürich, nämlich die Maturprüfung. Wer studieren will, muss ein Maturzeugnis vorweisen. Und wer sich trotz Matur nicht fürs Studium eines bestimmten Faches eignet, wird schon bald ausgesiebt.
    2. haben SIe eine Ahnung, wie die Rankings zustande kommen, die Sie hier erwähnen? Ich schon. Und man kann sich über den Sinn des einen oder anderen Faktors in diesem Ranking durchaus streiten.

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  • Dezember 19, 2016

    Seit wann interessiert sich übrigens die SVP für Bildung? Mehr BIldung bedeutet weniger SVP-Wähler

    http://​www.tagesanzeiger.ch/​zuerich/gemeinde.html​Weniger-gebildete-Zue​rcher-waehlen-haeufig​-SVP-/story/16872859

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  • Januar 28, 2017

    Was in aus Ihrem Artikel so heraussticht, sind Interpretationen: z.B. “elitäre Elite”, “Kaderschmiede”, … “in der Mathematik doktorieren fast n u r noch Frauen”, … “diese Leichtgewichts-Diszip​linen”. oder der eigenartige Satz: …die Uni Zürich ist zu einer “Frauenuniversität mutiert”.
    – Da fragt man sich natürlich, ob der Schreiber wohl denkt, Bildung sei nur den Männern zugedacht.
    – Noch ein Wort zu den sogenannten “Rankings”. Diese Disziplin hat die Welt wie eine Seuche erfasst. Für alles gibt es Ranglisten. Es wird versucht die Welt in Prozent zu erfassen statt nach Inhalt. Wenn wir also die Kochkunst, die Philosophie, den Flugzeugbau , die schönste Frau , Musikkompositionen oder die Gesamtleistung von Spitälern in Prozent erfassen wollen, so greifen wir bei der Interpretation dieser “erhobenen” Zahlen bestimmt daneben.
    Denn es ist ja der “Ranker” der bestimmt, was er vergleichen will. Und was er nicht kann, lässt er weg. (Weglass-Beispiele: Erziehung von Kindern, Predigten von der Kanzel, Archeologie, Psychologische Beratung, Opernaufführungen, Vermittlung alter Sprachen, Mathematikforschung, Teilchenforschung am CERN).
    – Und wer oder was soll denn die Hochschule Nr. 1 oder 57 sein? Oder anders gesagt, ist eine Hochschule in Zürich einfach gleich wie eine Hochschule in Kasachstan oder China Zu bewerten? Ungeachtet der Geschichte ?

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