1. Sicherheit & Kriminalität

Vorbereitung auf Konflikte, Krisen und Katastrophen

Vorbereitung auf Kon­flik­te, Kri­sen und Katastrophen.

Der Chef der Armee (CdA) redet Klartext. In einem Artikel in der Schweiz am Sonntag (27.12.2015), der auch von den Zeit-Fragen (05.01.2016) aufge-nommen wurde, weist er auf die sich rasch verschlechternde geopolitische Lage hin. Damit schliesst er sich der Lagebeurteilung der „Ewiggestrigen“ an.

Allerdings forderten diese deswegen seit Jahren eine Landesverteidigung, die ihren verfassungsmässigen Auftrag erfüllen kann, d.h. den Einbezug der Schweiz in einen Krieg zu verhindern, oder im Angriffsfall Land und Leute mit Aussicht auf Erfolg zu verteidigen.

Dagegen wechselt der CdA dann zu „Neusprech“, der Sprache des totalitären Staates aus dem Roman „1984“ (George Orwell). Mit Neusprech wird das Gegenteil der Bedeutung der Worte gemeint. So sagt er, unsere „Armee ist auf dem Weg zur Weiterentwicklung, damit sie für Land und Leute kämpfen, sie schützen oder ihnen helfen kann.“ Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wurde die Armee bereits um zwei Drittel verkleinert. Mit dem in Neusprech „Weiterentwicklung“ genannten nächsten Schritt soll sie nochmals halbiert werden, wobei von den dann noch vorgesehenen 100’000 Mann nur noch rund 30’000 Mann eigentliche Kampftruppen sind. Der Grossteil ist für die Unterstützung der Kantone vorgesehen, z.B. bei Rüfenen, ein kleinerer für Auslandeinsätze. Aber das Hochgebirgsland Schweiz wird dann über keine Gebirgstruppen mehr verfügen.

Korpskommandant Blattmann weist auf den Armeebericht 2010 hin, dort stünden die Aufgaben der Armee. Er verzichtet aber darauf hinzuweisen, dass man dem Bericht entnehmen kann, in welch katastrophalen Zustand die Armee schon damals war.

In der No.2/2013 der Military Power Revue, der Fachzeitschrift des CdA, erschien die im Armeebericht 2010 angekündigte „Militärdoktrin der Schweizer Armee“ . Der Kernsatz aus dieser Militärdoktrin sagt alles:

Die „Verteidigungsfähigke​it wird nur nach einem politischen Entscheid sowie einer längeren Vorbereitungszeit erreicht“. Es soll nur noch „eine kleine Zahl den Erhalt und die Entwicklung des für die Abwehr eines militärischen Angriffes notwendigen Know-hows garantieren“.

Mit anderen Worten, wir haben keine Armee mehr, die „Land und Leute schützen kann“, sondern sie soll nur noch wissen, wie man kämpfen würde, hätte man die Zeit zur Vorbereitung und die personellen und materiellen Mittel dazu.

Der Verfasser des vorliegenden Artikels hat in seinem Artikel „Eine Militärdoktrin der Illusionen“ (Zeit-Fragen No. 1, 14. Januar 2014, Vimentis.ch Dezember 12013) Punkt für Punkt nachgewiesen, dass die Armee die dort genannten Aufgaben nicht erfüllen kann. So soll sie „mit allen Mittel verhindern, dass der Gegner seine Ziele rasch erreicht; es sollen ihm schwere Verluste beigebracht werden, die ihn zur Aufgabe seiner Aktionen zwingen“. Sie soll „nach Aufnahme der Kampfhandlungen …Schläge in die Tiefe des gegnerischen Raumes tragen“. Womit?

Geht diese Militärdoktrin von einem Angriff durch Liechtenstein aus? Wie lächerlich kann sich die weltweit einst als friedliebendstes, aber wehrhaftestes Land wahrgenommene Schweiz noch machen? Kein Wunder, begann die indische Zeitung Business Standard ihren langen Artikel vom 21.02.2014 über die Schweizer Armee mit dem Satz: „ Es ist so leicht sich über die Schweiz lustig zu machen, dass es fast unsportlich ist“.

Dazu passt der Entwurf des endlos langen Sicherheitsberichtes 2015, der von der Verwaltung im Namen des Bundesrates herausgegeben wurde und gegenwärtig bei den eidgenössischen Parlamentariern liegt. Er wird wahrscheinlich ungelesen zustimmend zur Kenntnis genommen werden. Dort wird ein umfassender Auftrag definiert (Seiten 67 & ff). Dann wird gezeigt, dass die Armee den Auftrag gar nicht erfüllen kann:

„Wenn es nicht möglich ist, gegnerisches Feuer auch auf grössere Distanz zu erwidern und gegnerische Kräfte an ihrer Kampftätigkeit zu hindern, könnten die eigenen Truppen kaum mit Aussicht auf Erfolg eingesetzt werden…. Ohne Schutz des Luftraumes können militärische Aktionen am Boden und in der Luft höchstens in Ausnahmefällen erfolgreich durchgeführt werden“.

Dazu kommen weitere Schwächen: Viel zu wenig Verbände, fehlende Ausrüstung, Konzentration der schweren Mittel in wenigen Zentren, keine schnelle Erstellung der Kampfbereitschaft. Selbst wenn wir diese katastro-phalen Schwächen beheben wollten und dafür die Mittel frei geben würden, dauerte die Umsetzung viele Jahre.

Dafür wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Nato im Kriegsfall unser Partner sein werde. Obschon das Schweizer Volk immer noch glaubt, wir seien neutral, führen uns unsere Oberen schleichend in die Nato. Wir sind nicht nur Mitglied der Nato-Partnerschaft für den Frieden (in der chinesischen Presse als strategisches Instrument der USA vorgestellt) , sondern nehmen auch an der Interoperabilitätspla​ttform der Nato teil. Dort üben die teilnehmenden Armeen die gemeinsame Kriegführung.

Es wäre an der Zeit, Bundesrat und Armeeführung schenkten unserem Volk reinen Wein ein und orientierten es darüber, dass wir in den nächsten Jahren – da selbstverschuldet wehrlos – zum ersten mal seit fast 200 Jahren in einen möglichen Konflikt oder grossflächigen, mit Gewalt verbundene Zusammenbruch in Europa mit hineingerissen werden und die ganzen unermesslichen Leiden und Zerstörungen über uns ergehen lassen müssen.

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
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Comments to: Vorbereitung auf Konflikte, Krisen und Katastrophen
  • Januar 9, 2016

    @ Herr Frick, SP

    Herr Frick, ich lese immer gerne Ihren sehr guten, sachlichen Artikel bei Vimentis.

    Danke, machen Sie weiter so.

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    • Juli 19, 2021

      Vielen Dank Herr Hottinger.

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    • Juli 19, 2021

      Gotthard Frick ist eben noch ein SP Parteimitglied alter Schule. Diese setzten sich noch mit Taten, nicht nur mit leeren Worthülsen, für die Arbeiterschaft ein. Güpplisozialismus gabs nicht. Sie waren nicht heimatmüde. Liebe SPler nehmt euch ein Beispiel an diesem SP Mitglied. Herzlichen Dank Herr Frick, für Ihre Blogs mit Händen und Füssen.

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    • Juli 19, 2021

      Herr Hottinger, mir geht es ebenso!

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