1. Gesellschaft

Weihnachten

Weihnachten ist die Zeit der Ge­schen­ke, der Fa­mi­li­en­fee­ten wo man Ver­wand­ten, denen man das ganze Jahr über kei­nen Ge­dan­ken schenkt, etwas schenkt. Wo die Geschäfte Rekordumsätze bol­zen und die Selbst­mor­drate sprung­haft zu­nimmt. Weih­nach­ten ist aber auch die Zeit der be­sinn­li­chen Familienzusammenkünft​​e, wo sich of­fen­bahrt wie wich­tig eine starke Fa­mi­li­en­bande ist. Fa­mi­lie be­deu­tet Ge­bor­gen­heit und Re­spekt, sowie An­er­ken­nung aller die Mit­glied der Fa­mi­lie sind.

In jedem Dorf und in jeder Stadt gibt es aber Menschen, die keiner Familie anzugehören scheinen. Sei dies aus dem Grunde, dass sie alle Angehörigen verloren haben, oder in besonderen Umständen leben, so dass ihre Familien nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollen. So habe ich vor Jahren von Niklaus Huber mal folgende Geschichte gehört:

Familie Huber (Vater, Mutter, zwei Söhne, Niklaus und Peter) hat sich zum Ziel gesetzt, im Kocherpark in Bern den Drogenabhängigen am Weihnachtsabend eine warme Suppe abzugeben. Sie müssen wissen, dass der Kocherpark in Bern in jener Zeit ein beliebter Treffpunkt für Drogenabhängige gewesen ist. Familie Huber hat sich also der Aufgabe gestellt, Suppe zu kochen, Guetzli zu backen und Kerzen bereit zu stellen. Alle haben geholfen, die Gegenstäande ins Auto zu laden. Schliesslich sollte es ja perfekt sein, damit es schön wird und wenigstens für kurze Zeit Wärme in die Herzen von Menschen bringt, die am Rande der Gesellschaft stehen und deren Leben sich dem Ende zuneigen schent noch bevor es richtig zu blühen begonnen hat. Drogenabhängige Jugendliche der 80er Jahre eben.

Familie Huber ist also mit dem vollbepackten Auto nach Bern gefahren und hat den Wagen in der Nähe des Kocherparks aufgestellt. Zu Fuss haben sie den Kocherpark in der Dunkelheit betreten und und einen geeigneten Platz gesucht, um die mit heisser Suppe gefüllten Teekrüge, Guetzlischachteln, die Kerzen und anderes wichtiges Material abzustellen. Schliesslich haben sie in der Nähe von Steinbänken eine kleine Mauer gefunden. Gut genug um dort das Material hinzustellen und sich einzurichten. Das Wetter hat es gut gemeint an diesem Abend mit der Familie Huber und den Drogenabhängigen im Kocherpark in Bern. Kalt ist es gewesen, geschneit hat es aber nicht.

Langsam sind die Drogenabhängigen bei der Familie Huber aufgetaucht. Niklaus und Peter sind sie wie Gestallten einer anderen Welt vorgekommen mit ihren abgewetzen Jeans und Wollpullovern und Jacken die schon bessere Zeiten gesehen haben. Bei manchen sind Niklaus und Peter Punkte, die wie Mückenstiche ausgesehen haben, auf ihren nackten Armen, beim überreichen der warmen Suppe aufgefallen. Das seien Heroinsüchtige, die sich das Heroin spritzen. Haben sie von den Eltern erfahren. Ab und an hat sich ein Gespräch ergeben und alle sind glücklich gewesen.

Ein Jahr vorher hat Niklaus das 10. Schuljahr beendet. Ein Klassenkamerad namens Harry hat, Wegen schlechtem Benehmen, das 10. Schuljahr nicht beenden können. Er ist zwei Wochen vor dem Ende des Schuljahres von der Schule gewiesen worden. Niklaus hat nicht schlecht gestaunt, als plötzlich Harry aufgetaucht ist und von ihm einen Becher Suppe erhalten hat. Mutter und Vater Huber haben im Hintergrund die Becher mit Suppe vorbereitet, als Niklaus Harry gefragt hat wie es ihm so ginge. Harry, mager und vom Drogenkonsum gezeichnet hat ihm geantwortet, dass er nach dem Rausschmiss aus der Schule die Lehrstelle nicht antreten konnte und nirgends mehr ein Obdach habe. Schon hat Niklaus Harry vorgeschlagen, er möge doch bei ihnen zu Hause wohnen. Harry hat das Angebot abgelehnt. Glücklich ist Harry nach längerer Zeit von dannen gegangen.

Niklaus hat Harry seither nie mehr gesehen und auch nichts mehr von ihm gehört. Der Kocherpark ist heute kein Treffpunkt für Drogenabhängige mehr und es gibt heute für diese Personen Angebote, die es zu jener Zeit nicht gegeben hat. Niklaus hat mir berichtet wie er immer an Weihnachten an die Freude und Dankbarkeit der Parkbesucher von damals denken muss, die etwas warme Suppe, Guetzli und menschliche Wärme erhalten haben.

Wieviele der drogenabhängigen Parkbesucher von damals heute noch leben weiss Niklaus nicht. Eines ist ihm aber klar geworden. Man kann anderen Menschen mit etwas Suppe, Guetzli und Aufmerksamkeit das Gefühl von Zugehörigkeit geben. Das ist Weihnachten und beschränkt sich nicht nur auf die Tage ende Dezember.

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