1. Gesellschaft

WENN SCHON CORONA-DEMOS, DANN OHNE ANTISEMITEN & NAZIS

Teilnehmer von Co­ro­na-­De­mos ir­ri­tie­ren manch­mal mit dem Tra­gen von Ju­dens­ter­nen ­mit der Auf­schrift “un­ge­impft”, um sich gegen eine ver­meint­li­che Impf­pflicht zu weh­ren. Es tau­chen auch Schil­der mit der Auf­schrift “Aus­gangs­be­schrän­​​​​​​​​​​​​​​​​​kun­g​e​n​ sind so­zia­ler Ho­lo­caust” auf. Das ist ab­so­lut nicht hin­nehm­bar und muss straf­recht­lich ver­folgt wer­den. Wes­halb? Auf sol­chen De­mons­tra­tio­nen wird die Schoah, indem die Mas­ken­pflicht mit dem Tra­gen des Ju­dens­terns im Na­tio­nal­so­zia­lis​​​​​​​​​​​​​​​​​­mus ver­gli­chen wird, re­la­ti­viert. Auch die Zu­nahme der Ver­brei­tung sol­cher ob­szö­ner an­ti­se­mi­ti­scher Ver­schwörungs­my­the​​​​​​​​​​​​​​​​​n im Netz ist besorgniserregend.

E​​​​​​​​​​​​​​​​s gibt eine Ähnlichkeit zwischen der impfkritischen Bewegung um 1900 und der Szene, die heute gegen die Pandemiebekämpfung auf die Strasse geht: Eine ideologisch gefestigte, in ihrem Judenhass unbeirrbare Minderheit flutet mit antisemitischen Stereotypen, Argumentationen und Bildern eine wenig gefestigte diffuse Bewegung. Es mag sein, dass heute viele Menschen an solchen Demos mitmachen, weil sie unter den Folgen des Lockdowns leiden und nach simplen Lösungen suchen. Die Hetzer haben bei vielen von ihnen Erfolg: Unreflektierte Versatzstücke antisemitischer Einstellungen sind in der Bevölkerung immer noch weit verbreitet – recht stark in alternativmedizinisch​​​​​​​​​​​​​​​​​en, anthroposophischen und esoterischen Szenen.

Für die impfkritische Bewegung gilt dasselbe wie für ihre historischen Vorläufer: Solange sich ihre Unterstützer nicht konsequent von den Antisemiten unter ihnen und von deren Überzeugungen trennen, sind sie für den Judenhass mitverantwortlich.

Di​​​​​​​​​​​​​​​​​e Corona-Pandemie erzeugt auch sonst ein Klima der allgemeinen Verunsicherung. In den vergangenen Wochen haben Tausende Menschen in vielen Städten gegen die Beschränkungen des privaten und öffentlichen Lebens im Kampf gegen die Corona-Pandemie demon​​​​​​​​​​​​​​​​​strie​r​t​ – so in Deutschland und in der Schweiz. Die Abstandsregeln wurden oft missachtet und die Schutzmasken nicht getragen. Auch das muss natürlich strafrechtlich verfolgt werden.

 

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2​8​.​ März 2021

Ton und Taten mancher Corona-Skeptiker werden aggressiver. Als am Samstag vor einer Woche Tausende gegen die bundesrätlichen Massnahmen auf die Strasse gingen, kam es zu gewalttätigen Übergriffen. In Liestal BL schlug ein Demonstrant einen Journalisten blutig, rechte Hooligans warfen Flaschen auf Fotografen und auf Gegendemonstranten. In Bern verletzte ein Demonstrant einen Polizisten mit einem Messer.

Viele dieser militanten Massnahmen-Kritiker organisieren sich beim Messenger-Dienst Telegram. Eine Gruppe trägt den Namen «Der Sturm». Bereits 170 User tauschen dort Verschwörungstheorien​​​​​​​​​​​​ aus und hetzen gegen Menschen, die vor dem Virus warnen, so gegen Virologinnen, Journalisten und Politiker – und auch gegen Juden, die angeblich die Weltherrschaft an sich reissen wollen.

«Der Sturm» umfasst Rechtsextreme, QAnon-Fanatiker, aber auch Esoterikerinnen und grüne Impfskeptiker. Gründer und Administrator des Chats ist ein Neonazi, der unter dem Pseudonym «Morpheus» agiert. Er schreibt: «Die Zeit der friedlichen Veranstaltungen ist vorbei! Wir müssen uns organisieren für wahren Widerstand. Sieg oder Tod.» Nach:

https://www.bli​​​​​​​​​​​ck.ch/schwe​i​z​/​g​e​w​a​l​t​b​e​re​it​sc​ha​ft​-d​er​​-c​​or​​on​​a-s​kep​t​ik​e​r-​s​te​i​gt​-​d​i​e​-​zei​t​-de​r​-fr​​i​edl​​i​che​​n​-ve​​ra​nst​​al​tun​​ge​n-​i​​st​-v​o​​rbei-​i​​​d1642​5​​​458.h​t​​​m​l

So​lc​​h​e Gewaltaufrufe wie auch der Antisemitismus müssen gerichtlich verfolgt werden.

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2​0​.​ April 2021

«Der Sturm» versammelt in der Schweiz Rechtsextreme, QAnon-Fanatiker, aber auch Esoterikerinnen und grüne Impfskeptiker. Gründe​​​​​​​​r und Administrator des Chats ist ein Neonazi, der unter dem Pseudonym «Morpheus» agiert. Die militanten Skeptiker riefen in vergangen Wochen sogar dazu auf, das Bundeshaus zu sprengen.

«Bunde​sf​​​​​​​utzis an Stuhl fixieren»

Die in diesem Telegram-Chat ausgesprochene Drohungen kommen ein Mitglied jetzt teuer zu stehen. Ein Mitglied schrieb dort: «Bundeshaus besetzen und die Bundesfutzis an einen Stuhl fixieren und kleine kurze Schmerztherapie, das Ganze auf Video und ausstrahlen in der Schweiz.»

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28. April 2021

“Bereits im letzten November hat der SIG dazu aufgerufen, auf Holocaust-Vergleiche im politischen Diskurs zu verzichten. Dies, weil derartige Vergleiche in der Schweiz «merklich zunehmen» würden. Insbesondere bei Demonstrationen gegen die Corona-Massnahmen seien immer wieder «Judensterne» mit der Aufschrift «ungeimpft» oder «Maskenattest» beobachtet worden. Im Antisemitismusberi​​​​​​cht für die Deutschschweiz von 2020, den der SIG zusammen mit der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus herausgegeben hat, wurden 485 Vorfälle im Onlinebereich und 47 antisemitischen Vorfälle ausserhalb des Internets gezählt. Die Dunkelziffer werde allerdings als hoch eingeschätzt.” (LuzernerZeitung)

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17​. Juni 2021

An einer unbewilligten Corona-Demo in Luzern hat die Luzerner Polizei antifaschistische Transparente der Gegendemonstranten entfernt, während gegen die Plakate der Corona-Demonstranten nichts unternommen wurde. Zudem haben in der Buobenmatt rund fünfzehn bekannte Neonazis auf drei Gegendemonstranten der Antifaschistischen Aktion (Antifa) eingeprügelt. Der Angriff erfolgte, weil die Gegendemonstranten eine Antifa-Fahne mitführten.
 
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19.​ Juni 2021

Hinweise auf Neonazi-Teilnahme an Corona-Demo in Luzern

Vieles deutet daraufhin, dass die Antifa von Demonstranten aus der rechtsextremen Szene Prügel bezogen hat. So sind auf Aufnahmen der Demo mehrere Männer zu sehen, die mit ihrer Bekleidung ihre offensichtliche Zugehörigkeit zum Neonazi-Milieu kundtun und aus ihrer Gesinnung keinen Hehl machen.

Ein Massnahmen-Gegner trägt etwa ein Muskelshirt mit der Aufschrift «Nordic Performance». Die Marke wird vom rechsextremen Modelable «Thor Steinar» vertrieben. Dieses wiederum hat der deutsche Verfassungsschutz seit geraumer Zeit im Visier. Denn die vom Label vertriebene Kleidung wird als Erkennungszeichen der Rechten-Szene eingestuft.

Ein weiterer Teilnehmer der Demo trägt ein «Ansgar Aryan»-Shirt, der gleichnamigen deutschen Neonazi-Modemarke, die die «arische Rasse» verherrlicht. Ebenfalls auf den Aufnahmen zu sehen, ist ein Ex-Mitglied der in Deutschland mittlerweile verbotenen Rockervereinigung Gremium MC, der mit stolz das T-Shirt seines einstigen Motorradclubs zur Schau trägt. Gemäss Antifa soll er auch schon im Gefängnis eingesessen haben.

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Comments to: WENN SCHON CORONA-DEMOS, DANN OHNE ANTISEMITEN & NAZIS
  • November 21, 2021

    An den Ausschreitungen in Wien gegen 2G in Österreich traten auch die sog. \”Schweizer Trychler\” auf. Ich frage mich, wer ihnen diesen Demonstrationstourismus finanziert. Mit einem gelben Stern an der Jacke haben sich ausserdem andere Aktivisten als Opfer einer Verfolgung inszeniert, die sie offensichtlich mit der tödlichen Verfolgung der Juden durch die Nazis gleichsetzen.

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  • November 23, 2021

    Das von mir oben zitierte schillernde denglische Unwort \”Lockdown\” muss vorsichtig angewendet werden; es ist nicht definiert. Offenbar bedeutet \”Lockdown\” in Österreich ab gestern (22. November) \”Teilschliessungen öffentlich zugänglicher Gebäude\”: Nur noch Geschäfte des täglichen Bedarfs seien geöffnet, der Kulturbetrieb ruhe und Museen und Kinos seien geschlossen.

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