Die Per­spek­ti­ve, dass mit einem Re­fe­ren­dum die Ener­gie­stra­te­gie 2050 bekämpft und ver­zö­gert wird, ent­täuscht mich (ver­glei­che “Al­liance Ener­gie” – nam­hafte In­ter­es­sens­ver­tr​e­ter mö­gen sich hin­ter die­ser un­be­kann­ten Grösse ver­ste­cken).

Ich engagiere mich für erneuerbare Energien, weil ich nicht glaube, dass 8 Mrd Menschen auf dieser Erde getrieben von beschränkten nicht-erneuerbaren Energien friedlich zusammen leben können. Und weil ich eine AKW-Havarie in der dicht besiedelten Schweiz ökonomisch und moralisch nicht riskieren möchte. Falls eine Mehrheit vom Stimmvolk sich mehr vor der Energiewende fürchtet als vor Radioaktivität und Verteilungskonflikten​, muss ich das akzeptieren und vielleicht meinen Job aufgeben – zumindest haben wir in St.Gallenetwas Abstand zu den AKWs.

Ein Atomausstieg scheint auf den ersten Blick radikal. Die im November anstehende Initiative verlangt jedoch nur, was ich von der nach Fukushima diskutierten Energiestrategie erwarte: Die Abschaltung der Atomkraftwerke, nicht von heute auf Morgen, aber schrittweise nach maximal 45 Jahren Laufzeit. Bis dahin soll der Atomstrom zu einem Preis verkauft werden, der auch die Rückbau- und Entsorgungskosten deckt. Preiswerte und nachhaltige Alternativen können wir aufbauen – wenn wir wollen.

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Comments to: Wer hat Angst vor der Energiewende?
  • August 25, 2016

    Ich setze mich auch für eine “Energiewende” ein, dafür, dass wir uns erneuerbaren Energieträgern “zuwenden”, um die von der nicht nachhaltigen Energieproduktion verursachten ökologischen Schäden drastisch zu reduzieren, Herr Lüthi.

    Von der nicht-nachhaltigen Nutzung von fossilen Energieträgern sowie der Kernenergie zu einer nachhaltigen Energieversorgung mittels erneuerbarer Energien.

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  • August 26, 2016

    “(…) Bis dahin soll der Atomstrom zu einem Preis verkauft werden, der auch die Rückbau- und Entsorgungskosten deckt. Preiswerte und nachhaltige Alternativen können wir aufbauen – wenn wir wollen.”

    Ich bezweifle sehr, Herr Lüthi, dass die Stromfirmen die notwendigen Rückstellungen machen, welche für die Entsorgung der Atomkraftwerke nötig sind.

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    • Juli 19, 2021

      Es ist sehr bedauerlich und fragwürdig, dass Axpo – vorwiegend im Eigentum der öffentlichen Hand – gegen erhöhte Rückstellungen Klage eingereicht hat (vgl. https://www.vimentis.​ch/dialog/readarticle​/kernenergie—ein-wi​rtschaftliches-risiko​-fuer-den-kanton-st/)​. Dass die Kantonspolitik die kantonalen Energieversorgungsunt​ernehmen ökonomisch und ökologisch nicht besser führt, zeugt wohl davon, dass verantwortungsbewusst​e Politiker leider in der Minderzahl sind.

      Statt sich gegen höhere Rückstellungen zu wehren sollten die Versorger solchige mit kostengerechten Atomstrompreisen finanzieren, sodass das Klagen über zu tiefe Strompreise der Wasserkraftbetreiber ein Ende nimmt, und auch der KEV-Fond durch höhere Preise auf dem Spotmarkt weniger belastet wird.

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  • September 19, 2016

    Ich habe ehrlich Angst vor der Energiewende!

    Welt​weit werden bereits 87% des Energiebedarfs mit fossilen Energien abgedeckt. Es braucht zu deren Ablösung sowohl erneuerbare Energien wie Kernenergie. Z.B. die von mir geschätzte Photovoltaik hat im Winterhalbjahr 2014/15 in der Schweiz erst 0,6% des Strombedarfs abgedeckt. Im Sommerhalbjahr haben wir Stromüberfluss, den wir leider nicht mehr kostendeckend exportieren können.
    Brennstoff für die zukünftige wesentlich effizientere Nutzung von Thorium und Uran gibt es nach neusten Schätzungen für mehrere 100 Millionen Jahre, also länger als die Erde von uns bewohnbar ist. Brennstoff für die Kernfusion haben wir auf der Erde unbeschränkt. Eventuell wird es dank Kernfusion sogar möglich sein, durch ein “Billardspiel” mit den Planetoiden die Erde sobald nötig auf eine Umlaufbahn mit mehr Distanz zur dann stark wachsenden Sonne zu bringen.

    Und übrigens: Die Entwicklung der Energieversorgung ist sehr komplex und nicht einfach zu verstehen. Mein Physikstudium an der Uni Bern umfasste auch Atom-, Kern- und Reaktorphysik. Doch das war nur eine Grundlage für die seither ständig notwendige Lektüre der neusten Erkenntnisse.

    Das Referendum gegen die Energiestrategie ist aus vielen nicht zuletzt auch ethischen Gründen unbedingt notwendig! Ob es zustande kommt, ist leider unsicher. Ob es dann bis zur Abstimmung möglich sein wird, das Volk umfassend zu informieren, ist leider ebenso unklar.

    Im Fukushima-Schock vollzog Doris Leuthard eine 180-Grad-Drehung und das Parlament nickte ihr zu. Eine unrealistische Szenarien-Rechnerei bestimmt seither das Wunschdenken der Energiepolitik im Bundeshaus. Doch die grosse Mehrheit des Schweizervolkes wünscht endlich eine Volksabstimmung zur zukünftigen Energiestrategie. Offenheit für kommende Entwicklungen sowohl bei den erneuerbaren Energien wie bei der Kernenergie ist die nahe liegende und in die Zukunft weisende Energiestrategie.

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    • Juli 19, 2021

      > Welt​weit werden bereits 87% des Energiebedarfs mit fossilen Energien abgedeckt.
      Statt “bereits 87%” müsste es heissen “nur noch 78%” – siehe http://www.ren21.net/gsr – Seite 28. Die modernen erneuerbaren Energien tragen mittlerweile 10.3% bei (plus 8.9% traditionelle Biomasse). 2.5% Atomkraft ist global wenig bedeutend, und deren Wachstum ist im Vergleich zur Dynamik im internationalen EE-Markt vernachlässigbar. Wozu Atomkraft? Wollen Sie wirklich jemandem solch teure Kraftwerke wie Hinkley Point zumuten?

      >Brennstof​f für die Kernfusion haben wir auf der Erde unbeschränkt.
      Wann ist die Technologie beherrschbar? In 50 Jahren – so wie schon vor 50 Jahren versprochen wurde?

      > Eventuell wird es dank Kernfusion sogar möglich sein, durch ein “Billardspiel” mit den Planetoiden die
      > Erde sobald nötig auf eine Umlaufbahn mit mehr Distanz zur dann stark wachsenden Sonne zu bringen.
      Lustige Idee. Aber gegen so ein gewagtes Experiment würde ich das Referendum ergreifen 🙂

      Keine Angst vor der Energiestrategie 2050 – aber wenn Sie unbedingt darüber abstimmen wollen – bitte. Seit Jahren wird die Energiestrategie verhandelt – und auch ich bin nicht mit allem zufrieden. Aber die Energiebranche brauchen endlich wieder Klarheit zu den zukünftigen Rahmenbedingungen – ist es zweckmässig, den ausgehandelten Kompromiss zu zerschlagen und den Lösungsprozess zu verzögern?

      Der Wind weht in den sonnenarmen Monaten, (Holz-)Wärmekraftkopp​elung ergänzt sich saisonal ideal mit Sonnenenergie. Die Energiewende ist machbar, bezahlbar, und deutlich weniger komplex als das Beherrschen der atomaren Risiken.

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    • Juli 19, 2021

      Gemäss der internationalen Energieagentur IEA beträgt der fossile Anteil der Gesamtenergieversorgu​ng (nicht nur Strom) 87% und gleichzeitig steigt der Gesamtbedarf weltweit noch mindestens auf das Doppelte.

      Das “Billardspiel” mit den Planetoiden wird erst in einigen Dutzend Millionen Jahren notwendig. Die wachsende Sonne löscht dann das irdische Leben vollständig aus. Ob es dann noch Menschen auf der Erde gibt, wissen wir heute noch nicht.

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  • September 20, 2016

    Die Energiewende hat nicht nur mit AKW’s zu tun. Auch die Mobilität ist inbegriffen und diese braucht betr. Gesamtenergie (Mobilität, wenn ich es richtig im Kopf habe 40 %) ein grösseres Kuchenteil als die AKW’s (wenn ich es richtig im Kopf habe: Strom 10 %). Die AKW’s wurden zwecks Revision zudem diesen Sommer (wenn es heiss ist braucht man entsprechend Klimaanlagen) ausgeschaltet und wir hatten trotzdem kein Blackout. Stromdrehscheibe Schweiz sei dank. Also habe ich nicht wirklich Angst vor der Energiewende.

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    • Juli 19, 2021

      Das ist richtig, deshalb ist das zweite Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 – mit Lenkungsabgaben auf fossile Brenn- und Treibstoffe – so wichtig!
      Ein symbiotischer Zusammenhang zwischen Mobilität und erneuerbarem Strom: Mit der Elektrofahrzeug-Flott​e wird eine riesige Batterie-Kapazität aufgebaut; wenn diese einst an Leistungsfähigkeit verliert, kann sie stationär zur Pufferung von Tag/Nacht-Schwankunge​n auf dem Strommarkt eingesetzt werden.

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