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Werden die Armeegegner sagen: Das haben wir so gewollt?

Werden die Armeegegner sagen: Das haben wir so gewollt?

 

 

 

De​r wohl unverdächtige Jean-Claude Junker, bis vor kurzem u.a. Chef der für die EU so wichtigen EURO-Gruppe, meinte vor einigen Monaten angesichts der Probleme Europas in zwei sehr ernsten Interviews am deutschen Fernsehen und im SPIEGEL, Europa sei viel zerbrechlicher als alle gedacht hätten. „Ja“, in Zukunft sei ein Krieg auch in Europa wieder möglich, „Die Dämonen sind nicht tot, sie schlafen nur!“.

 

 

 

Er wies auch darauf hin, dass er in letzter Zeit persönlich sehr viel zur Meinung der europäischen Öffentlichkeit der Jahre bis 1913 und dann bis zu Hitlers Machtübernahme  1933 studiert habe und zum Schluss kam, dass damals alle einen Krieg in Europa für unmöglich hielten. Das heisst, vor den beiden Weltkriegen unterschied sich die öffentliche Meinung Europas in dieser Frage nicht von derjenigen der heutigen SchweizerInnen.

 

 

 

Aber nur ein Jahr nach 1913 begann der 1. Weltkrieg und drei Jahre nach Hitlers Machtergreifung fand mit der militärischen Besetzung des  Rheinlandes durch Deutschland der erste kriegerische Akt,  zwei weitere Jahre später mit der Zerschlagung und Besetzung der Tschechoslowakei und der Annexion Österreichs der zweite und 1 Jahr später mit dem Angriff auf Polen die dritte kriegerische Handlung statt und – da die Westmächte schliesslich doch noch reagierten – begann der 2. Weltkrieg. Dabei ist auch zu bedenken, dass Deutschland bei Hitlers Machtübernahme über praktisch keine Armee verfügte. Sie bestand aus 100’000 Mann, ohne schwere Waffen, Panzer und Flugzeuge.  Nur 6 Jahre später hatte er ein Heer von  zwei Millionen Mann mit Tausenden von Panzern und Kampfflugzeugen aufgebaut.

 

 

 

Die erste Lehre, die wir daraus ziehen sollten – sie wird auch von der rund 5000-jährigen  Geschichte der Menschheit bestätigt -, zeigt, dass nach längeren Friedenszeiten wieder Kriege stattfinden können und sich die Bedrohungslage sehr schnell verändern kann.

 

 

 

 

 

 

Bis vor rund 15 Jahren hatten wir eine auch vom Ausland sehr ernst genommene Armee. Mit dieser auf einer langen Tradition der Wehrhaftigkeit freier Bürger beruhenden, ausschliesslich zur Verteidigung  unseres einmaligen Landes bestimmten Armee und der strikten Neutralität, d.h. der absoluten Ablehnung jeglicher Beteiligung an Bündnissen und fremden Kriegen, hatten wir uns in der ganzen Welt einen einmaligen Ruf als das friedfertigste, aber auch wehrbereiteste Land erworben, ein Bild, das immer noch viele Menschen in der Welt,   z.B  erstaunlicherweise sogar viele Chinesen, bis heute mit sich tragen, obschon es nicht mehr der Realität entspricht.

 

 

 

Die zweite Lehre:  Um in einer direkten Demokratie eine verteidigungsbereite,​ vom Ausland  ernst genommene Armee aufzubauen, braucht es langfristiges Denken in grossen Zusammenhängen, viel Zeit und Mittel und vor allem, ein freies, weltoffenes und friedfertiges, aber wehrbereites Volk.  Wir  sollten sofort mit dem Wiederaufbau beginnen. Dann hätten wir in 10 bis 15 Jahren wieder eine Armee, die einen Krieg vom Land fernhalten kann.

 

 

 

 

Vor wenigen Tagen erschien in der NZZ ein längerer Artikel einer syrischen Schriftstellerin, die auf Seiten der Rebellen steht. In ihrem Artikel spricht sie u.a. auch darüber, wie die Rebellen vor laufenden Videokameras auf unvorstellbar bestialische  und grausame Weise Gefangene der Gegenseite umbringen. Sie erklärt dieses unmenschliche Verhalten mit der aufgestauten Wut dieser Menschen.  Auch in Europa, sogar in der früheren Eidgenossenschaft, gab es solche Grausamkeiten in Kriegszeiten immer wieder, das letzte Mal 1999  im Krieg um Kosovo, also vor nur 14 Jahren. Und was für ein zerstörerisches Potenzial wird oft schon bei so völlig unwichtigen Ereignissen wie Fussballspielen freigesetzt?

 

 

 ​

Die dritte Lehre,  die wir aus den Tagesereignissen und der Geschichte ziehen sollten, ist die seit Kain und Abel bestätigte Tatsache, dass das Potenzial der Menschen vom Grossartigen, Schöpferischen, Menschlichen bis zum Niedrigsten, Zerstörerischen und Unmenschlichen reicht. Je nach den Umständen bricht sich die eine oder andere Möglichkeit Bahn. Werden nicht hunderte von Millionen von Europäern jede Hoffnung verlieren und eine ungeheure Wut aufbauen und dann zu allem fähig sein, falls  z.B. die astronomischen Schuldenberge zusammenbrechen und alle ihre Einkünfte, Ersparnisse und Pensionen vernichtet werden? Wer kann eine solche Entwicklung ausschliessen?

 

Es gibt Leute die sagen, im Kriegsfalle werde uns die NATO schon aus der Patsche helfen. Was für eine unwürdige Haltung, selber keine Opfer für die Gemeinschaft bringen zu wollen, damit man das Leben ungezügelt geniessen kann, aber von Bürgern anderer Länder zu erwarten, dass sie für uns ihr Leben hergeben.

 

 

Aber​ das ist ohnehin eine grosse Illusion. Schon vor 200 Jahren sagte ein bedeutender britischer Premierminister, und für Frankreich hat es General de Gaulle 1940 wiederholt:  Staaten haben weder Freunde noch Feinde. Sie haben nur Interessen.  Wie wir immer wieder sehen, setzen sie ihre militärische und wirtschaftliche Macht zur Durchsetzung dieser Interessen ein.  Wir können Wetten darauf abschliessen, dass in einem eventuellen zukünftigen Krieg die daran beteiligten Mächte sofort in unser Land kommen,  falls wir das nicht mehr verhindern können. Sie werken nicht kommen , um uns zu helfen, sondern um die Alpentransversalen (Gotthard, Simplom, Lötschberg) in Besitz zu nehmen, die von so grosser strategische Bedeutung und um unsere Menschen und unsere Wirtschaft für ihre Ziele einzusetzen.

 

 

 Ist sich unser Volk nach 200 Jahren Frieden, das es u.a. auch seiner bis vor kurzem intakten Wehrhaftigkeit verdankt, noch bewusst, was Krieg bedeutet, und dass es sich deshalb für das reichste Land der Welt lohnen würde, die nötigen Opfer zu bringen, um solche Greuel und Schrecken vom Land fernzuhalten?  Haben uns in jüngerer Zeit nicht einige der ärmsten Völker der Erde vorgemacht, dass ein Volk, dass seine eigene Würde und Lebensart nicht aufgeben will, auch von der grössten Militärmaschine der Welt nicht zu besiegen ist (Vietnam, Irak, Afghanistan)?

 

 

Es geht nicht nur um  das Abwenden der Zerstörung unseres Landes, der Unterwerfung unter eine fremde Macht, der Nutzbarmachung unserer Wirtschaft für fremde Ziele. Es geht auch darum, unvorstellbares Leiden und Sterben von unserem Volk fernzuhalten. Wer kann sich heute, nach eine so langen Zeit, in der es allen immer besser ging, noch vorstellen, was das konkret für sie oder ihn bedeuten würde?

 

 Wollen wir wirklich wehr- und hilflos zuschauen müssen, falls fremde Soldaten 20’000 junge Schweizerinnen tagelang vergewaltigen und dann Pfähle oder zerbrochene Flaschen durch eine natürliche Körperöffnung am vorderen Unterleib stossen, um sie, zusammen mit 330’000 anderen Menschen einer grossen Stadt, z.B. Zürich, umzubringen (das geschah beim Massaker von Nanjing)? Wollen sich unsere jungen Männer als Sklaven in von fremden Mächten geführten Minen oder Fabriken abtransportieren, oder als Soldaten für fremde Mächte ihr Leben lassen,  wie Millionen junger Männer in den damals von Deutschland besetzten Ländern?  Sollen friedliche Menschen auf Schweizer Strassen eingesammelt oder aus ihren Wohnungen und Arbeitsplätzen geholt werden und mit Güterzügen irgendwo hin transportiert werden, um dann massenweise vergast, erschossen, erhängt zu werden (KZ), während wir nur mit der Achsel zuckend zuschauen können, falls es uns nicht selber schon getroffen hat? Die Befürworter einer starken Schweizer Landesverteidigung wollen,  dass unsere Armee  auch in einer unsicheren Zukunft die Greuel des Krieges von unserem Volk fernhalten kann.

 

 

Sollte in einigen Jahren das Schlimmste, ein Krieg in Europa, doch Wirklichkeit werden, werden dannzumal die Damen und Herren Armeeabschaffer, aber auch die Damen und Herren Bundesräte und Politiker,  die heute nicht mehr bereit sind, eine glaubwürdige Landesverteidigung zu unterhalten , vor das Schweizervolk treten und sagen:


 

Ja! Wir wollten eine Schweiz, die das wehrlos über sich ergehen lassen muss!

 

 

Am 22. September entscheidet das Schweizervolk, ob es das in Kauf nehmen oder seiner absoluten weltoffenen Friedfertigkeit und Wehrhaftigkeit treu bleiben will!

 

 

 

Gotth​ard Frick, Bottmingen

 

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
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Comments to: Werden die Armeegegner sagen: Das haben wir so gewollt?
  • September 13, 2013

    Ich weiss gar nicht, was Sie überhaupt damit sagen wollen, Herr Frick. Ein Krieg entsteht îmmer situativ bedingt. Die Umfragen sagen es bereits, dass diese Initiative abgelehnt wird. Es hat doch keinen Zweck, jetzt Propaganda wegen ein Paar Bücher oder Zeitungsartikel für diese Initiative zu machen. Wir haben sehr viele Bewohner in der Schweiz, die einen Krieg erlebt haben. Unsere Armee geniesst international Hochachtung und das soll auch so bleiben. Bei der Armee hat die SP auch bewiesen, dass sie über dessen Aufbau und Funktion keine Ahnung hat. Nach Vorstellungen kann man nicht arbeiten, Herr Frick, nur nach Erfahrungen.

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    • Juli 19, 2021

      Franz Krähenbühl sagte gerade eben

      Ich weiss gar nicht, was Sie überhaupt damit sagen wollen, Herr Kneubühl.

      Herr Frick stützt sich deutsch und deutlich auf die politischen Erfahrungen der letzten hundert Jahren. Was ist da falsch? Herr Frick sagt uns, dass wir jene bösen Erfahrungen nicht vergessen sollen. Er sagt uns ferner, dass das totalitäre Deutschland damals, dass Hitler geblufft hat, als er gegen die Friedensverträge von 1918 die neutrale Zone im Rheingebiet besetzte.

      Den Engländern und den Franzosen sass der Schrecken des 1. Weltkrieges noch fest in den Knochen. “Nie wieder Krieg”, hat es geheissen…

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  • September 14, 2013

    Herzliche Gratulation zu Ihrem Aufsatz, Herr Frick.

    Es gibt viele Armeegegener die sagen, alter Zopf, heilige Kuh, Schnee von gestern, Sandkastenspiele, Armeebefürworter seien Zeitgenossen von gestern usw.

    Herr Frick stützt sich deutsch und deutlich auf die politischen Erfahrungen der letzten hundert Jahren. Was ist da falsch? Herr Frick sagt uns, dass wir jene bösen Erfahrungen nicht vergessen sollen. Er sagt uns ferner, dass das totalitäre Deutschland damals, dass Hitler geblufft hat, als er gegen die Friedensverträge von 1918 die neutrale Zone im Rheingebiet besetzte. Die Reichsarmee hat sich erst zur Stärke entwickelt, mit der fiesen Annexion Oesterreichs (Staatskasse), Tschechien (Skoda-Rüstungsbetrie​be) und der jüdischen Vermögen.

    Den Engländern und den Franzosen sass der Schrecken des 1. Weltkrieges noch tief in den Knochen. “Nie wieder Krieg”, hat es geheissen… Sie sind zu Pazifisten geworden. In der Schweiz haben Anfangs 1939 sich vor allem die Sozialdemokraten für eine rasche Aufrüstung ausgesprochen – ein bisschen spät zwar.

    Was ich damit sagen will: DIE GESCHICHTE WIEDERHOLT SICH IMMER WIEDER! Daraus gilt es Lehren zu ziehen. Genau so, wie es hier Herr Frick empfiehlt.

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    • Juli 19, 2021

      Nein, natürlich nicht dort verharren, Herr Witschi. Sich immer schön der Moderne anpassen – und immer ein bisschen Abstand zu unseren europäischen EU-“Freunden”.

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  • September 15, 2013

    Etwas für die “Lieben und Netten”

    Ameisen und Bienen, Wespen usw sind ja sehr Soziale Naturgewollte Wesen. Wobei es ja eher Monarchien sind, mit einer Königin im Inneren des Nestes.

    Es gibt da Aufgaben Teilingen, nach dem Moto eine(r) für alle, alle für eine(n.
    Nebst auserkorenen Wächtern ist jedes dieser Tiere mit einer Waffe bestückt. Ja, lachen sie nur, jedoch ist das Fakt und Tatsache.
    Im Ernst oder Notfall ist jedes dieser Tiere bereit, seinen Stachel oder seine Säure gegen den Eindringling einzusetzen.
    Egal wenn ein Bär oder Mensch versucht den Honig zu naschen, die Tiere sind bereit, damit sie überleben können, auch übermächtig wirkende Gegner zu bekämpfen.
    Meist sogar mit Erfolg, um einen kleinen Teil des Nestses zu bewahren.

    Für mich steht ausser Frage, wir müssen bereit sein, alle, jederzeit auf einen (heute noch nicht bekannten Feind) reagieren zu können. Und zwar als Pflicht für alle.

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