1. Sonstiges

Wie man 1.2 Millionen versteckt

Ich habe heute einen Ar­ti­kel in der Schweizerzeit ge­le­sen über die:

Voranschreitende Islamisierung und Zuwanderung

Es handelt sich um einen lesenswerten Artikel. Was ich jedoch auch sehr interessant finde, sind die Beschwerden des Autors, gerichtet an das Bundesamt für Statistik (BfS):

Zu Beginn dieses Kommentars sei angemerkt, dass sämtliche fortfolgend aufgeführten Zahlen mit statistischen Quellen untermauert sind – die zuweilen einen beträchtlichen Recherchier-Aufwand erforderten. Gerade das Bundesamt für Statistik macht es Interessierten – mittels offensichtlich festzustellenden Verschleierungstaktik​en – nicht immer einfach, aussagekräftige Zahlen zu finden.

Der Autor weist darauf hin, dass die Definition des BfS für Personen mit Migrationshintergrund​ unzureichend ist, wenn man sich über die Herkunft der Bevölkerung informieren möchte. Denn es berücksichtigt nur folgende Kategorien:

  • Im Ausland geborene Ausländer (1 493 000)
  • Im Inland geborene Ausländer mit mindestens einem im Ausland geborenen Elternteil (173 000)
  • Eingebürgerte im Ausland geborene Schweizer (590 000)
  • Im Ausland geborene gebürtige Schweizer mit zwei im Ausland geborenen Eltern (21 000)
  • Eingebürgerte in der Schweiz geborene Schweizer mit mindestens einem im Ausland geborenen Elternteil (254 000)
  • In der Schweiz geborene gebürtige Schweizer mit zwei im Ausland geborenen Eltern (71 000)

Insgesamt 2 602 000 Personen (Stand 2016)

Folgende Kategorien werden nicht berücksichtigt

  • Gebürt​ige Schweizer mit einem im Ausland geborenen Elternteil (575 750 Stand 2015)
  • Angehörige der 3. Ausländergeneration (5 000)
  • Eingebürgerte ehemalige Angehörige der 3. Ausländergeneration (18 000)

Insgesamt ca. 598 750 Personen (wahrscheinlich noch mehr, da ein Teil der Zahlen aus 2015 stammt)

Doch wir sind noch nicht fertig, denn die obigen Zahlen beziehen sich nur auf die Population der über 15-Jährigen. Die Zahlen für unter 15-Jährige wurden zum letzten mal 2015 für den Zeitraum 2011-2013 erhoben. Diese sehen folgendermassen aus:

  • 548 000 Kinder gehören einem Haushalt ohne Migrationshintergrund​ an
  • 380 000 Kinder gehören einem Haushalt mit Migrationshintergrund​ an
  • 213 000 Kinder gehören einem Haushalt mit gemischtem Hintergrund an

Der Migrationsstatus eines Haushaltes wird vom BfS folgendermassen definiert:

Der Haushalt hat keinen Migrationshintergrund​, wenn weder der alleinerziehende Vater oder die alleinerziehende Mutter bzw. die beiden Partner eines Paares (mit oder ohne Kind(er)) bzw. keine Person in einem Nichtfamilienhaushalt​ oder einem anderen Haushaltstyp im Ausland geboren sind bzw. eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen. Der Haushalt hat einen Migrationshintergrund​, wenn der alleinerziehende Vater oder die alleinerziehende Mutter bzw. beide Partner eines Paares (mit oder ohne Kind(er)) bzw. alle Personen in einem Nichtfamilienhaushalt​ oder einem anderen Haushaltstyp im Ausland geboren sind bzw. eine ausländische Staaatsangehörigkeit besitzen. Ein gemischter Haushalt mit/ohne Migrationshintergrund​ liegt vor, wenn einer der beiden Partner eines Paares (mit oder ohne Kind(er)) bzw. mindestens eine Person in einem Nichtfamilienhaushalt​ oder einem anderen Haushaltstyp im Ausland geboren sind bzw. eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen, die übrigen Haushaltsmitglieder jedoch nicht.

D. h. 593 000 Kinder unter 15 haben mindestens einen ausländischen oder im Ausland geborenen Elternteil. (Obwohl natürlich auch hier nicht alle Kinder mit ausländischen Wurzeln erfasst werden, zum Beispiel Kinder mit zwei in der Schweiz geborenen eingebürgerten Eltern.)

Am Schluss kommen wir also auf ca. 3.8 Mio Personen (ca 45% der Bevölkerung) mit ausländischen Wurzeln, 1.2 Mio mehr als das BfS. Wahrscheinlich sind es wegen der veralteten Zahlen, auf die wir uns stützen mussten, sogar noch mehr.

TL;DR: Anstatt der vom BfS gemessenen 2.6 Mio gibt es etwa 3.8 Mio Personen mit ausländischen Wurzeln.

Aber warum ist das überhaupt relevant? Nicht aus fremdenfeindlichen Gründen, sondern weil eine gute statistische Grundlage massgeblich ist für eine produktive Diskussion über Immigration und Integration, wie sie in einem Einwanderungsland wie der Schweiz stattfindet und weiter stattfinden wird.

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Comments to: Wie man 1.2 Millionen versteckt
  • Dezember 24, 2017

    Die “Schweizerzeit” ist ein rechtsnationales Blatt. Alt – NR Schlüer SVP redigierte lange dieses Blatt.
    Nun zu Statistiken: In der obigen Auflistung – welche ziemlich spitzfindig wirkt – sind einzelne der aufgezählten Kategorien schon in andern enthalten. Die Datenentstehung ist nicht ersichtlich. Darum ist ja die Erstellung und Verwendung von Statistiken so schwierig.
    Und – man vermisst den Zusammenhang mit dem Titel: “Voranschreitende Islamisierung”. Wer pflegt welche Religion? Es gibt so viele:
    Religionsfreie, Refomierte, Mormonen, Klerikale Freikirchen, Römisch- Katholiken, Christ-Katholiken, ,Russisch Orthodoxe, Juden, Othodoxe Juden, Muslime,(Sunniten, Schiiten) Shintoisten, Methodisten, Moonsekte, Hindus, Buddhisten, Naturreligionen etc….. .
    Wahrscheinlich wollte die Schweizerzeit auch darstellen, welche Religion die Menschen aller Kategorien tragen. Das ist nicht durchführbar.
    >> Darum hier ein Beispiel einer Statistik mit Weltbevölkerung und Religion:
    Weltbevölk​erung im Jahr 1900: 1526 Mio in% Im Jahr 2010: 6909 Mio in%
    Davon: Christen 1900. 558 Mio 36,6 % 2010: 2281 Mio 33 %
    Muslime 1900: 200 Mio 13,1% . 2010: 1553 Mio 22%
    Religionslose 1900: 6 % . 2010: 11,3%
    Also eine Interpretation der Zahlen ist äusserst schwierig, denn alle hier nicht aufgezählten Religionen spielen für die oben gezeigten Zahlen eine Rolle. Und welche Zahl wird dann für welche Aussage in einer Zeitung gebraucht? Nur die Anzahl Menschen oder nur die %? Das ergibt je eine andere Aussage.

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    • Juli 19, 2021

      Das lässt die Frage zu, warum überhaupt Statistiken? Oder aber, traue keiner Statistik welche du selber nicht gefälscht hast.

      Weiteres Thema: So viele politische Handlungen beruhen auf Statistiken, wo die Herkunft der Daten ebenso wenig klar ist, teilweise geschummelt wird, (gelogen oder absichtlich betrogen wäre ein zu hartes Wort), einfach um Ziele zu erreichen; z.B die Welt zu retten…

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    • Juli 19, 2021

      Das sehe ich ähnlich , Herr Nabulon,
      – es gibt ein böses Beispiel von absichtlicher Verschleierung . Es ist Arbeitslosenstatistik​​. Die Politik wollte es so. Es werden zwar die Kurzzeitarbeitslosen und die Langzeitarbeitslosen nach Alter erfasst. > Aber die Ausgesteuerten werden aus der Gesamtstatistik ausgeschieden, auch wenn sie auch arbeitslos sind. Das verzerrt am Schluss die %-Zahl der Arbeitslosen in Bezug auf die Gesamtzahl der Arbeitenden.
      – Auch die Wortwahl bei Statistiken spielt eine Rolle. So wird bei Aktiengesellschaften z.B. das Wort “Verlust” auch gebraucht, obschon nur etwas weniger Gewinn gemacht wurde als letztes Jahr. Für die Aktionäre kann es trotzdem noch gleichviel Ausschüttung geben. Die wollen natürlich den Gewinn gesteigert sehen. Also holt man mit Hilfe von Personalrestrukturier​ung kurzzeitig Geld herein.

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    • Juli 19, 2021

      Das ist reine Falschbehauptung, Herr Müller, die nur einer „Echoraumbestätigung“​ der Ihnen wohl eingehämmerten Ideologie geschuldet ist.

      Zeigen Sie bitte mal ein Beispiel auf, bei dem bei Aktiengesellschaften in Statistiken das Wort „Verlust“ gebraucht wird, obschon nur etwas weniger Gewinn gemacht wurde als letztes Jahr.

      Andererseits​ ist nicht von der Hand zu weisen, dass vielerorts von „sparen“ geredet wird, nur wenn die Ausgabensteigerung etwas tiefer ausfällt als letztes Jahr.
      https://www.sr​f.ch/news/schweiz/zah​len-luegen-nicht-oder​-vielleicht-doch

      T​rotzdem stellen sie diese Unwahrheit, ebenso ideologiegetrieben selbstverständlich nicht in den Raum.

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    • Juli 19, 2021

      Also ich lese auch den Wirtschaftsteil der NZZ. Dort kann man zum Thema “Verlust” Lesen:
      “Gewinnwarnung” der Gruppe xy. Da ist dann von einem Quartalsverslust die Rede, welcher im kommenden Quartal eintreffen soll. Diese Warnung richtet sich an Aktienbesitzer.
      Also nichts von Ideologie. Übrigens ich habe nichts gegen Aktiengesellschaften.​ Nur etwas gegen “Heuschrecken”.

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    • Juli 19, 2021

      Reine Ausreden, Herr Müller.

      Erstens haben „Gewinnwarnungen“ keine statistischen Eigenschaften, wie Sie grossartig behauptet haben und zweitens wird damit auf echte Verluste hingewiesen, die man befürchtet.

      Nichts​ ist also daran, dass „Auch die Wortwahl bei Statistiken spielt eine Rolle. So wird bei Aktiengesellschaften z.B. das Wort “Verlust” auch gebraucht, obschon nur etwas weniger Gewinn gemacht wurde als letztes Jahr.“, in irgend einer Weise wahrheitsgemäss wäre.

      Hingegen ist Ihnen mein Hinweis darauf, dass in anderen, ihnen nicht so genehmen Bereichen, etwa beim Sparen, genau diese Verdrehungen immer wiederholt werden obschon sie nicht zutreffen, keine Reflektion wert…

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    • Juli 19, 2021

      Die Kategorien welche ich verwendet haben schneiden sich nicht. Personen ohne Migrationshintergrund​ mit einem im Ausland geborenen Elternteil können nicht zur Gruppe mit Migrationshintergrund​ gehören, aber auch nicht zu den Angehörigen der 3. Generation weil diese mindestens 2 im Inland geborenen Eltern haben müssen. Alle diese Zahlen basieren auf Erhebungen bei den über 15 Jährigen was heisst das sie sich auch nicht mit den unter 15 Jährigen schneiden können.

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    • Juli 19, 2021

      Sorry, ich bin SVPler, und sehe Probleme die es gibt.

      Da heisst es, nicht “nur” beim Ausländer genau hinsehen, sondern bei allen genau hinsehen. Also Gut und Böse zu unterscheiden. Thema “ich bin in einem Christlichen Land geboren” wurde und bin Agnostiker, eben ist diese Weihnachtszeit vorbei, sie wollen nicht wissen, was ich von all diesen Glauben halte…

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    • Juli 19, 2021

      Ich bin kein Börsen Mensch..
      Aber Gewinnwarnungen sind schon krasse Worte, weil man befürchtet Dass…

      Auch meine ich schon bei reduzierten Gewinnen von Verlusten gelesen zu haben, mag es die Presse sein, oder der News Vorbereiter, der den Text dann so formuliert, und gesprochen wird in TV, oder Radio..

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    • Juli 19, 2021

      Dass Sie „meinen“, Herr Nabulon, „schon mal bei reduzierten Gewinnen von Verlusten gelesen zu haben“ liegt daran, dass diese Falschaussage immer wieder behauptet wird.
      Aber wirklich gelesen haben Sie es nicht. Genauso wenig wie Herr Müller können Sie auch kein solches Beispiel beibringen.

      Die Behauptung von Herrn Müller war, dass „bei Aktiengesellschaften z.B. das Wort “Verlust” auch gebraucht wird, obschon nur etwas weniger Gewinn gemacht wurde als letztes Jahr.“

      Das habe ich als Falschbehauptung bezeichnet. Und tue es immer noch.

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    • Juli 19, 2021

      darum “meinen”, und nein einfach “so” kann ich keinen Beweis liefern.

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  • Dezember 30, 2017

    Wie tief in die Vergangenheit hätten Sie denn gern den Nachweis ausländischer Herkunft? Völlig Gaga sich darüber zu beklagen das man die 3. Ausländergeneration nicht mehr als Ausländer erkennt.

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    • Juli 19, 2021

      Bei der 3. Generation die das Bfs erfasst handelt es sich nicht um gebürtige Schweizer die ausländische Grosseltern haben, sondern um Eingebürgerte und Personen ohne Schweizer Pass deren Familien schon seit drei Generationen in der Schweiz leben. Diese als Personen mit Migrationshintergrund​ zu erfassen erscheint mir vernünftig.

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