1. Gesellschaft

Wir haben Angst…

Wir haben Angst…

Wir haben Angst vor Überfremdung, vor einem Ansturm von Asylanten, vor wirtschaftlich schlechteren Zeiten, vor Überfällen, vor Terroranschlägen, vor Kriegen, vor Krankheit, vor Armut, vor…

Ich teile diese Ängste zum Teil und sie sind nachvollziehbar und verständlich, stehen wir doch heute vor nicht zu unterschätzenden Herausforderungen.

Ab​er…

Es gibt Umstände, die mir (fast) mehr Angst einflössen oder mich zumindest beunruhigen!

Ich bin beunruhigt über..

  • .. die Auswirkungen der populistischen Propaganda und des Spiels mit den Ängsten der Menschen.
  • .. die Demagogen, die Hass schüren und eine kleine Gruppe, sei es von kriminellen Asylanten oder von betrügerischen Sozialhilfebezügern, immer als Mehrheit verkaufen.
  • .. nationale Politiker, die offiziell zu Widerstand, bzw. zum Brechen unserer Gesetze aufrufen, obwohl sie dabei waren, als diese beraten wurden. Nationale Politiker, die gegen die «classe politique» wettern, zu der sie selber gehören (und auch gehören wollen).
  • .. die „gottberufenen“ Politiker, jene, die ja eigentlich nicht wollen, aber müssen.
  • .. Menschen, die blind wie Lemminge der populistischen Propaganda folgen. Menschen, die alles für bare Münze nehmen, was ihnen die Demagogen auftischen, ohne zu prüfen, auch wenn es noch so offensichtlich halb wahr oder falsch ist. Menschen, die die Lügen auch dann noch glauben, wenn sie schon lange widerlegt sind, dies aber dann geflissentlich ignorieren.
  • .. eine falsch verstandene «political correctness», die es verunmöglicht, schändliche Handlungen offen und klar als solche zu benennen.
  • .. jene, die unser Leben übermässig reguliert und vom Staat bestimmt haben wollen, die immer höhere Forderungen an die staatlichen Institutionen stellen und dem Menschen jegliche Selbstverantwortung nehmen wollen.
  • .. jene, die den Staat von Grund auf attackieren und verunglimpfen und das Heil nur in einer absolut liberalen Ordnung ohne Staat sehen, dabei aber wohlwollend verneinen und darüber hinwegsehen, wenn diese Freiheit dazu benutzt wird, um Menschen auszubeuten oder Umwelt und Landschaft zu zerstören.
  • .. einen überzogenen Individualismus, für den Solidarität fremd ist und der „Gutmensch“ zum Schimpfwort werden lässt. Ein Individualismus, der ausschliesslich das eigene Wohl im Fokus hat, unabhängig davon, ob andere dadurch Schaden nehmen. Rücksichtslosigkeit wird dabei aber grosszügig beschönigt oder verneint, damit sich kein schlechtes Gewissen einstellt.
  • .. die Arroganz von Menschen, denen alles in die Wiege gelegt wurde und die, zwar durch Fleiss, aber auch viel Glück, ohne grosse Hindernisse durchs Leben navigieren und sich anmassen über Strauchelnde mit weniger Glück vernichtend zu urteilen.
  • .. die Doppelmoral, von all denen, die immer Wasser predigen, aber dann Wein trinken und dies nicht zu knapp.

Ängste sind real, wir dürfen sie aber nicht über unser Leben dominieren lassen. Wir dürfen uns nicht von Ihnen vereinnahmen lassen und blind werden. Wir dürfen die Ängste nicht zu gross werden lassen, weil sie dann oftmals nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Ängste dürfen nicht als Entschuldigung dienen, den Demagogen aufzusitzen, das eigene Denken auszuschalten und menschenverachtend zu handeln, ganz gleichgültig in welche Richtung.

Wir müssen uns eingestehen, dass es diese so einfach propagierten Lösungen für die hochkomplexen Herausforderungen in der heutigen Zeit gar nicht gibt. Wir müssen uns eingestehen, dass es oftmals ein Ringen um mögliche Vorgehensweisen ist, ja, dass oftmals erst ausprobiert werden muss, ob es funktioniert und falls nicht, muss man erneut über die Bücher. Wir dürfen uns nicht mit falschen Versprechungen, zum Beispiel zur Sicherheit, einlullen lassen, nur, weil es doch so schön klingt und für den Moment grad beruhigend ist und gut tut.

Wir müssen akzeptieren, dass da wo Menschen agieren, auch Fehler passieren können. Deshalb sollte nicht gleich jeder kleinste Fehler populistisch und medial ausgeschlachtet werden, als ob es sich um einen Dauerzustand handeln würde.

So wie nicht alle Wirtschaftsvertreter bösartige Haie sind, sind nicht alle Politiker und Staatsangestellten blöd und korrupt und nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Ganz ohne Staat geht es nicht, sonst würde Willkür und das Gesetz des Stärkeren (oder besser Rücksichtslosesten) dominieren. Wir wären sehr bald wieder in der Feudalherrschaft. Genau so wenig darf der Staat übergross werden, das Prinzip der Eigenverantwortung gilt. Wir müssen unser ausgewogenes System in der Schweiz pflegen und bewahren.

Besinnen wir uns wieder auf eine gute schweizerische Tugend, die sehr viel zu unserem Erfolg beigetragen hat. Lösungen für die hochkomplexen Herausforderungen unserer Zeit bedingen, dass wir uns differenziert mit diesen auseinandersetzen und Kompromisse eingehen können. Ja, das ist langweilig und bringt keine grossen Schlagzeilen, aber dafür gangbare und tragfähige Lösungen. Sture Extrempositionen bringen uns nicht weiter, so verlockend die Rufe der Rattenfänger auch sein mögen… die sich allzu gerne auch als Schafhirten verkleiden..

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Comments to: Wir haben Angst…
  • Februar 17, 2016

    @ Frau Maya Bally,

    1. In der Schweiz waren und sind auch noch Heute anständige, arbeitsame Menschen, die zumindest ihren Lebensunterhalt selber finanzieren können, herzlich willkommen.
    Im Asylbereich sind aber seit mehreren Jahren schon, 78 bis 85 % von der Sozialhilfe abhängig, zudem sind diese sehr schwer integrierbar.

    2. Sie haben ja Recht, dass wenn Menschen Hilfebedürftigen helfen, was ja auch unsere Christen-Pflicht ist, i.d. Regel eben gute Menschen sind. Wenn jedoch Kriminellen geholfen und diese noch geschützt werden, dabei aber munter deren zukünftig möglichen Opfer vergisst, wird dann eben mit Recht von sogenannten “Gutmenschen” geschrieben, was durchaus als Makel aufgefasst werden darf.

    3. Hier ein Beispiel eines “Gutmenschen, was i.d. Realität so passiert ist”;

    Ein Nordafrikaner wollte als Asylant nach Skandinavien, landete aber in Finnland an. Es sei ihm hier viel zu kalt, bestieg er einen Zug nach Schweden. Im Zug lud ihn eine Schwedin gastfreundlich in ihr Abteil ein, wo er sie dann zu “betatschen/belästige​n” begann. Sie signalisierte ihm dann unmissverständlich, er solle aufhören, sie wolle dies nicht. In der Folge viel er aber über sie her und vergewaltigte sie auf brutalste Art.
    Als er wieder “erschlaffte” riss sie sich schnell von ihm los und rannte Hilfe suchend los. Dem Schaffner erzählte sie dann alles genau was vorgefallen war. Dieser sagte empört; “Ich rufe sofort die Polizei an”. Darauf meinte sie; “NEIN machen sie das ja nicht, ich will nicht dass er dann zurück geschoben wird.” Diese Frau – die aus Schaden nicht klüger wird – kann man auch als “Gutmenschen” bezeichnen. Was sie nämlich auch nicht bedenkt – neben ihrem eigenen schlimmen Erlebnis – dass ohne Anzeige er doch in der Folge munter weitere Frauen ebenso brutal vergewaltigen wird.

    4. Frau Maya Bally, was Sie so alles ihren politischen “Gegnern/Innen” vorwerfen – anscheinend stark unter Emotionen leidend – so alles um “die Ohren schlagen”, das machen Sie (leider) ja selber. Respekt und Achtung seinen Mitmenschen gegenüber, gerade auch wenn er anderer Meinung ist, sollte man jedoch immer trotzdem beachten.

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    • Juli 19, 2021

      Lieber Herr Hottinger
      Ich sage lediglich, was mich beunruhigt….
      Und ja, es gibt immer unmögliche Einzelfälle, das streite ich in keiner Weise ab. Und es gibt sie die Menschen, die fast “krankhaft” gut sein wollen. Deshalb aber “Gutmensch” grundsätzlich negativ belegen, finde ich persönlich dann wieder eine völlig übertriebene Reaktion. Denn die Mehrheit, die Gutes tut ist nicht einfach blauäugig und weltfremd und irgendwo in anderen Sphären schwebend.
      Im übrigen habe ich ja auch erwähnt, dass mich falsch verstandene “political correctness” beunruhigt, weil so, schändliche Taten beschönigt werden sollen. Und das darf nicht sein.
      Aber eben, mich beunruhigt ebenso, wenn aus Einzelfällen immer Mehrheiten heran geredet werden.
      Der Opferschutz ist eine grundsätzliche Herausforderung in unserer Gesellschaft und da wurde einiges getan und muss noch einiges getan werden. Wer aber sperrt sich, wenn dafür Finanzen notwendig werden?

      Herzliche Grüsse, Maya Bally

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    • Juli 19, 2021

      “Hier ein Beispiel eines “Gutmenschen, was i.d. Realität so passiert ist”;
      Ein Nordafrikaner wollte als Asylant nach Skandinavien (…)”

      Wenn diese von Ihnen mit Schauder und Entrüstung geschilderte Vergewaltigung “in der REALITÄT so passiert ist”, kann man sie mit einer Quelle belegen, Herr Hottinger, sonst ist sie NICHT passiert bzw. mit viel Liebe zum Detail erfunden. Nicht zum ersten Mal.

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  • Februar 18, 2016

    Frau Bally, vielen Dank für diesen grossartigen Text. Sie sprechen mir aus dem Herzen.
    Vor allem folgender Punkt hat mir sehr gefallen:

    “•.. die Arroganz von Menschen, denen alles in die Wiege gelegt wurde und die, zwar durch Fleiss, aber auch viel Glück, ohne grosse Hindernisse durchs Leben navigieren und sich anmassen über Strauchelnde mit weniger Glück vernichtend zu urteilen.”

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  • November 23, 2016

    “Es gibt Umstände, die mir (fast) mehr Angst einflössen oder mich zumindest beunruhigen!
    Ich bin beunruhigt über..
    (…)
    .. Menschen, die blind wie Lemminge der populistischen Propaganda folgen. Menschen, die alles für bare Münze nehmen, was ihnen die Demagogen auftischen, ohne zu prüfen, auch wenn es noch so offensichtlich halb wahr oder falsch ist. Menschen, die die Lügen auch dann noch glauben, wenn sie schon lange widerlegt sind, dies aber dann geflissentlich ignorieren.”

    Mit der Fremdbezeichnung Begriff “Populismus” ist eine Politik gemeint, welche die Gunst der Stimmberechtigten mit opportunistischen Mitteln und/oder Lügen zu gewinnen versucht. Mit diesem Begriff wird also die Politik des politischen Gegners kritisiert oder diffamiert (zu Recht oder zu Unrecht), wenn man ihm eine Manipulation und Instrumentalisierung der Stimmberechtigten mit unlauteren Mitteln vorwirft.

    Gegnern,​​​​​ denen man Populismus vorwirft, wirft man u. a. leere oder unrealistische Versprechungen und persönliches Machtstreben mit unlauteren Mitteln vor, auch mangelnde Verantwortung für die politische Zukunft des Landes, fehlende Nachhaltigkeit der politischen Ziele und fehlende Lösungen für aktuelle Probleme.

    Es stimmt, Frau Bally, die Stimmberechtigten können leider populistische Versprechungen (von welcher Seite auch immer) nicht in jedem Fall durchschauen, insbesondere wenn sie von vermeintlich politischen Freunden kommen.

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