1. Gesellschaft

Zeitgerechte Familien- und Gleichstellungspoliti​k

Familienrealitäten haben sich in den letz­ten Jah­ren stark verändert – es gibt Ein- und Dop­pel­ver­die­ner-F​a­mi­li­en, Ei­n­el­tern- und Patchwork­fa­mi­lien und un­ter­schied­li­che in­ter­ge­ne­ra­tio­n​elle Be­treu­ungs­mo­del­l​e. Gleich­zei­tig ist die Schweiz ein Land mit der höchsten Frau­en­er­werbs­quo­​te, die auch eine der höchsten Teil­zeit­quo­ten bein­hal­tet. Dies bei den einen aus freier Wahl, weil das ihre Art ist Fa­mi­lie und Er­werbs­ar­beit unter einen Hut zu brin­gen. Bei an­de­ren eher aus Qual, weil es keine be­zahl­ba­ren oder verfügbaren familienergänzenden Kinderbetreuungsmögli​chkeiten gibt. Haus­halte mit Kin­dern – und ins­be­son­dere Ei­n­el­tern­fa­mi­li​en und kin­der­rei­che Fa­mi­lien – haben ein be­son­ders hohes Ar­muts­ri­siko und sind stärker vom Phänomen der Wor­king Poor be­trof­fen. Lag die Ar­muts­quote 2010 im Durch­schnitt bei 7,9%, war sie bei Ei­n­el­tern­fa­mi­li​en mit 25,9% mehr als drei­mal höher. Eine überdurchschnittliche​ Armutsgefährdung wei­sen auch Per­so­nen in Haus­hal­ten mit zwei Er­wach­se­nen und drei oder mehr Kin­dern auf (21,2%). So­weit die Ausgangslage.

In der Dezember-Ausgabe von TOP News (3/2012) habe ich unter dem Titel «Es braucht noch viel Veränderung für gleiche Chancen zwischen Mann und Frau» unter anderem erwähnt, dass wir eine umfassende Familienpolitik brauchen. Nachfolgend meine Gedanken zur einer zeitgerechten Familien- und Gleichstellungspoliti​k.

Genügend familienergänzende Kinderbetreuung

Eine richtige Familienpolitik beinhaltet flächendeckend eine qualitativ gute familienergänzende Kinderbetreuung. Die Familienzulagen müssen erhöht und die Krankenkassenprämien gesenkt werden. Der Mutterschaftsurlaub muss ausgebaut und ein nennenswerter Elternurlaub etabliert werden. Zudem wird die Familienarmut nicht nur als Schlagwort benutzt, sondern wirklich bekämpft, indem die ökonomische Existenzsicherung von Kindern angegangen wird. Familienarmut ist nicht nur als reales Problem anzuerkennen, sondern sie ist aktiv in Form von konkreten Projekten zu bekämpfen und es ist das Ziel zu setzen, Erwerbsanreize zu schaffen und die Vereinbarkeit von sozialem Leben, Familie und Erwerbsleben zu fördern. Ergänzungsleistungen für Familien sehe ich als vordringliche Lösung.

Gerechte Individualbesteuerung​ & Lohngleichheit

Das geltende Steuerrecht führt unbestritten zu fragwürdigen Ungerechtigkeiten zwischen den verschiedenen Zivilstandsformen. Der Bundesrat soll eine steuereinkommensneutr​al ausgestaltete Individualbesteuerung​ prüfen. Besteuerung soll fortan unabhängig vom Zivilstand, unabhängig vom Geschlecht und unabhängig von der gewählten Lebensform erfolgen.

Die Lohndifferenz beträgt noch immer 18,4%, wie der «Equal Pay Day» vom 7. März und der «Internationale Frauentag 2013» zeigen. Frauen müssen somit bis zum 7. März 2013 arbeiten, um für gleichwertige Arbeit denselben Lohn zu erhalten, den Männer bereits am 31. Dezember 2012 in der Tasche hatten. Frauen verdienen nicht weniger, weil sie weniger leisten, sondern weil sie für gleiche und gleichwertige Arbeit schlechter bezahlt werden. Die Lohnschere öffnet sich umso mehr, je höher die Hierarchiestufe ist und je mehr Boni, flexible und erfolgsabhängige Lohnbestandteile ausbezahlt werden. Damit ist das kräftige Zeichen der Annahme der Abzockerinitiative auch ein Zeichen für die Lohngleichheit. Die Lohngleichheit ist ein strategisch wichtiger Pfeiler in jeder Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- und Sozialpolitik. Damit ist sie auch Bestandteil jeder Diskussion über die Altersvorsorge. Denn diese hängt in der Schweiz vom Lohn ab. Deshalb ist es wichtig, dass die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen setzt und deren Umsetzung verbindlich überprüft.

Einführun​g von Geschlechterquoten

E​in weiterer wichtiger Aspekt für eine moderne Familien- und Geschlechterpolitik sind die Geschlechterquoten! Warum sind Frauen noch nicht oder zu wenig in den Kaderstufen vertreten? Was könnten die Ursachen sein? Die Frauen wollen einfach nicht, so liest man allenthalben. Weil sie den Wettbewerb scheuen. Weil sie nicht mit denselben harten Bandagen kämpfen wollen wie die Männer. Weil sie lieber Kinder kriegen. Und deshalb wäre es fatal, würde man sie mittels einer Quote in Führungspositionen zwingen. Das alles tönt plausibel, trifft aber knapp daneben. Wer glaubt, Frauen seien von Natur aus weniger ehrgeizig und wettbewerbsorientiert​, soll sich mal auf Primarschulstufe umsehen. Es sind die Mädchen, die alles dransetzen schulisch zu brillieren. Sie zeigen auch nicht mehr Scheu vor Wettbewerb oder Auseinandersetzung als die Buben. Sie gehen bloss anders vor. Dasselbe Bild zeigt sich auch an den Unis und im Arbeitsleben. Zuerst machen die Frauen Dampf, aber dann bekommen sie Kinder, sie reduzieren ihr Arbeitspensum und fallen so aus dem Beförderungsradar. Hier wären nun meine aufgezählten flankierenden Massnahmen gefragt, damit die karrierewilligen jungen Frauen in der Arbeitswelt bleiben können. Aber auch die Strukturen in der Arbeitswelt müssen angepasst werden. Zu hohe Präsenzzeiten, die Vorstellung, dass Verantwortung unteilbar ist und generell die Vorurteile gegenüber Müttern. All dies führt dazu, dass Frauen im Zweifelsfall auf verantwortungsvolle Posten verzichten. Und das muss sich endlich ändern! Eine liberale Gesellschaft und eine effizienzorientierte Wirtschaft haben keine andere Wahl als Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Karrierepläne gut ausgebildeter Frauen nicht an der Mutterschaftsklippe zerschellen. Oder aber man hört auf Frauen auszubilden. Das wäre ein fataler Rückschritt in der Gleichstellungspoliti​k und für den Feminismus. Eine Quote darf ruhig zeitlich begrenzt sein. Veränderungen und Vorschriften erzeugen Angst und Widerstand. So auch die Quotendiskussion. Doch bereits hat sich einiges verändert – Mann und Frau spricht darüber und das ist doch schon etwas. Es ist Zeit für eine Geschlechterquote – als Signal für die nachrückende Generation erfolgshungriger Frauen (mit Zitaten von Michèle Binswanger).

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Comments to: Zeitgerechte Familien- und Gleichstellungspoliti​k
  • August 19, 2013

    Bei Kenntnisnahme von Frau Feris Gedanken bilden sich bei mir einige Widerhaken: Da ist einmal die Forderung nach Erhöhung der Familienzulagen, Senkung der Krankenkassenprämien und Ausbau des Elternurlaubs. Hier wird
    mit der Oberflächlichkeit eines Teils unserer Stimmbürger spekuliert, die
    den Ausschlag zur Annahme solcher Postulate geben können, denn viele sind
    der Ansicht, es sei der Arbeitgeber (sozialistische Diktion: Kapitalist),
    dem die Kosten allein aufgebürdet würden, doch schliesslich ist es die
    Allgemeinheit, die dafür aufzukommen hat. Ich erinnere an die seinerzeitige Annahme der LSVA, bei der sich ein grosser Teil der Zustimmenden nicht bewusst war, dass schliesslich nicht die Transportfirmen belastet würden, sondern sie selbst als Konsumenten, die einfach diese Abgabe enthaltende Warenpreise bezahlen. Soll ich denn also wirklich die Beseitigung der von
    den Betreffenden meist selbstverschuldeten angeblichen Armutsgefährdung mitzutragen haben? Bin ich verantwortlich dafür, dass sich Minderbemittelte zu viele Kinder leisten oder Alleinerziehende in ihre Lage hineinmanövrieren? Es sieht ganz danachaus, als ob die Autorin auch nur die geringste Auflage der Selbstverantwortung negiert.

    Höchst suspekt ist die geforderte Besteuerung, die u.a. unabhängig von der gewählten Lebensform festzusetzen sei, und es wäre von Belang, wenn Frau Feri hierbei konkreter wäre; für mich ist dies leider unverständlich. Besteht im weiteren eine vom Geschlecht abhängige Besteuerung? Hat sich das Präfix “un” irrtümlich mehrmals eingeschlichen?

    Zu​r Lohndifferenz und vorgeschlagenen Geschlechterquote: Das Postulat der Quote lässt sich mit einer höchst einfachen und einleuchtenden Frage ad absurdum führen, nämlich ob praktisch alle Unternehmer wirklich so dumm sind, sich partout gegen alle Regeln des Marktes zu stemmen, indem sie nicht vorwiegend Frauen für 18,4% weniger Lohn einstellen. Wenn Frau Feris Darlegungen zuträfen, so wäre dieser Marktvorteil schon längst automatisch völlig in ihrem Sinne beseitigt. Ehrgeiz, Orientierung und Erfolgshunger scheinen eben noch nicht ganz zu genügen, und das von Frau Feri hier nicht zum ersten Mal vorgebrachte Argument des überlegenen weiblichen Studienfleisses sollte sie endlich beerdigen. Dass der Schulsack nur ausnahmsweise zum Erfolg eines Menschen führt, dürfte zu den Binsenweisheiten gehören.

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  • August 20, 2013

    “Frauen verdienen in der Schweiz 18,4 Prozent weniger als Männer. Sie müssen somit bis zum 7. März arbeiten, um für gleichwertige Arbeit denselben Lohn zu erhalten” Für wie dumm halten gewisse Leute eigentlich ihr Publikum? Die 18,4% sind einfach der Durchschnitt zwischen Löhnen arbeitstätiger Männer und arbeitstätiger Frauen (ich weiss noch nicht mal, ob auf ein 100%-Pensum hochgerechnet wurde). Im Folgesatz, der mit “somit” eingeleitet wurde, erscheint dann plötzlich das Wörtchen “gleichwertige”. Tut mir leid, so etwas grenzt an Lüge.

    Geschlechterquoten sind, nebenbei gesagt, natürlich das Dümmste was man machen kann, wenn man an Gleichberechtigung interessiert ist. “Gleichberechtigung​” heisst das genaue Gegenteil, nämlich dass ohne Ansehen des Geschlechts gehandelt wird.

    “Wer glaubt, Frauen seien von Natur aus weniger ehrgeizig und wettbewerbsorientiert​, soll sich mal auf Primarschulstufe umsehen.”
    Super Argument, satistisch geschlechtertypisches​ Verhalten wird “entkräftet” mit Hinweis auf Kinder vor der Pupertät (Logisch sind Frauen super ehrgeizig, aber mehrheitlich wählt ihr Ehrgeiz eben geschlechtertypische Bahnen).

    An dieser Stelle weiss ich wirklich nicht mehr, ob die Frau Feri ihr Publikum wirklich für dermassen blöd hält, oder ob sie selber gar nicht merkt, was sie da so alles von sich gibt. “Es ist Zeit für eine Geschlechterquote – als Signal für die nachrückende Generation erfolgshungriger Frauen”.
    Diese Aussage wäre ein Skandal, wenn man sie ernst nehmen müsste.
    Es ist Zeit, mit diesem Quotenschrott aufzuhören. Die Minderheit der Frauen, die sich entscheiden, Karriere machen zu wollen, wird schon heute auf geradezu obszöne Weise bevorteilt. Alles, was Ihre Quoten anrichtete wäre eine weitere Benachteiligung gleich oder besser qualifizierter Männer gegenüber ihren (weniger zahlreichen) weiblichen Konkurrenten. Die “erfolgshungrigen Frauen” hatten nun 20 Jahre lang auf dem Buckel sowohl der Männer als auch ihrer weniger erfolgshungrigen Geschlechtsgenossinne​n profitiert! Ein Zeichen wäre dringend nötig, dass wir diese Missstände nun langsam hinter uns lassen können.

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  • August 20, 2013

    Wenn Frauen, Frau Feri SP, tatsächlich gleiche und gleichwertige Arbeit für 18.4% weniger Lohn leisten würden, dann wären ja die Arbeitgeber schön blöd diese Arbeit von den teureren Männern machen zu lassen!

    Nach Ihrem immer wieder geäusserten Gender-Verständnis sind ja Frauen nur Frauen, weil ihnen böse Eltern und böse Gesellschaft ein entsprechendes Rollenverhalten aufgezwungen haben. Nach der gleichen Gender-Ideologie kann man das aber jederzeit auch wieder ändern. So ist das Geschlecht während des Lebens frei wählbar und auch wechselbar. (Transgender). Deshalb gibt es ja auch die von Ihnen besungenen vielen verschiedenen Familienrealitäten, oder nicht?

    Bei der Einführung von Geschlechterquoten kommt die ganze Gender-Denke aber in den anaeroben Bereich. Das moderne Transgender-Lebewesen​ wird sein Geschlecht dann wohl nach der jeweiligen staatlichen Quotenförderung richten müssen…

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  • August 21, 2013

    Die SP will keine Gleichstellung.

    Sie ist auf dem Weg aus der Schweiz eine DDR zu erzwängen, Paradebeispiel BR Berset Gesundheitsunwesen/WH​O-hörig mit dem angestrebten Impfzwang.

    Aufgebl​ähte Bürokratien schützen und stützen, zu Lasten der realen Wirtschaft! Paradebeispiel BR Sommaruga mit der überbordenden Asylindustrie.

    Quo​ten statt Menschenverstand? Nein danke!

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