1. Gesellschaft

Weiblicher Machtanspruch

Im Rah­men der Ak­ti­en­rechts­re­vi​­sion drückt der Bun­des­rat noch schnell die Frau­en­quote in die Vor­lage mit rein. Nun ist sie also wie­der in aller Mun­de: Die For­de­rung nach 30% Frauen in Ver­wal­tungs­räten. Gütig setzt der Bun­de­rat die Zwangs­quote bei der Ge­schäfts­lei­tung bei nur 20% fest. In der Ge­schäfts­lei­tung seien mehr spe­zi­fi­sche Fach- und Bran­chen­kennt­nisse​ not­wen­dig, schreibt der Bun­des­rat in einer Mit­tei­lung (http://www.20min.ch/​schweiz/news/story/20​023761). Diese Ar­gu­men­ta­tion lässt tief bli­cken: Es geht nicht um Kom­pe­ten­zen, son­dern um höhere Be­sol­dun­gen trotz man­geln­der Qua­li­fi­ka­tio­nen.​ Diese Un­ter­stel­lung deckt sich mit der aus­blei­ben­den bun­des­rät­li­chen Quo­ten­re­ge­lung auf dem Bau, bei den Gleis­ar­bei­tern oder bei der Müll­ab­fuhr.

Als „wissenschaftliche“ Grundlage der Quotenforderung dient immer wieder eine McKinsey-Studie. Wohlgemerkt proklamiert diese ursprünglich ganz allgemein „diversifizierte Teams“. Wer Frauenquoten fordert, müsste also auch Quoten nach Alter, Rasse, Religion, sexueller Orientierung, etc. fordern. Die Leistung des Teams wird damit durchschnittlicher. Beispielsweise ist die Risikobereitschaft bei weissen, männlichen, jungen Männern überdurchschnittlich hoch. Die erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Misserfolgs wird mit durchmischten Teams gebändigt, gleich wie die Möglichkeit auf ausserordentliche Erfolge beschnitten wird.

Zurück zur Aussage der McKinsey-Studie: Ein diversifiziertes Teams erbringt bessere Leistungen als ein homogenes. Dies wird dann auch auf Unternehmen übertragen: In den grossen und erfolgreichen global Players sind überdurchschnittlich viele Frauen in den Führungsgremien vertreten. Spätestens bei der Hinterfragung der Kausalitäten wird man auf Feld eins zurück geworfen: Wurden die Firmen erfolgreich, weil die Frauen schon früh wesentlich zum Gedeihen beigetragen haben, oder können sich bereits erfolgreiche Firmen aus Reputationsgründen Quotenfrauen in der Führungsliga erlauben?

Im Gegensatz zum bundesrätlichen Vorschlag beschränken sich die schwedischen Quotenregelungen nur auf Unternehmen mit Staatsbeteiligung. Da erscheint die auch schon erhobene Forderung nach einer Frauenquote für Parlamentarier gerade zu moderat. Bei der Gesetzgebung sollen schliesslich beide Geschlechter gleichermassen Berücksichtigt werden. Trotz lediglich 30% Frauen in der Bundesversammlung geniessen Damen schon erhebliche Vorteile:

  • Kein Zwangsdienst am Staat (Militär, Zivilschutz, Zivildienst oder Ersatzzahlungen).
  • Sch​eidungsrecht: Die Praxis bei Scheidungsurteilen spricht in der überwiegenden Vielzahl der Fälle der Frau Geld und Kinder zu. Der Mann zieht systematisch den Kürzeren.
  • AHV/EO/Mutt​erschaftsversicherung​: Hier handelt es sich um einen milliardenschweren Umverteilungsmechanis​mus zu Gunsten der Frauen, welche länger leben, weniger einzahlen und mehr davon kassieren.

Das bringt uns zum abschliessenden Einwand um den es hinter all diesen Ausführungen zu gehen scheint: Frauen hätten ein Anrecht auf diese Privilegien, weil sie weniger verdienen würden. Würde eine Unternehmung dieselbe Leistung erhalten für welche er einer Frau weniger bezahlen müsste, wieso stellen dann Unternehmen nicht nur noch (oder zumindest überwiegend) Frauen an? Dies bestätigt den Grundirrtum in der Diskussion über mangelnde Lohngleichheit: In einer freien Marktwirtschaft zwingt niemand jemanden zur Annahme konkreter Bedingungen eines Arbeitsvertrages. Alles basiert auf Freiwilligkeit und gegenseitiger, übereinstimmender Willensäusserung. Damit ist Lohndiskriminierung systematisch gar nicht möglich (Christian Hoffmann).

Frauen brauchen keine Quoten um erfolgreich zu sein. Wer anderes behauptet, beleidigt fähige Frauen. Die Anzahl Sitze für Frauen in Verwaltungsräten, Geschäftsleitungen oder Parlamenten und damit der Einfluss und die Macht in den entsprechenden Gremien soll abhängig sein von den eigenen Interessen und dem Engagement. Die tiefere aktive und passive Wahlbeteiligung der Frauen offenbart das geringere Interesse. Und das darf durchaus so sein: Nicht jeder muss schwergewichtig Politik betreiben. Jeder soll seine Prioritäten selbst bestimmen können. Das zeichnet eine individualistische, freiheitliche Gesellschaft aus.

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Comments to: Weiblicher Machtanspruch
  • Dezember 5, 2015

    @ Sie bringen es genau auf den Punkt, BRAVO.

    1. In den USA wie auch in der Schweiz haben die Frauen doch jetzt schon die Möglichkeit – eben wenn die Fähigkeiten vorhanden auch sind – sich für eine Kaderposition jederzeit zu bewerben.

    2. Das fehlt jetzt gerade noch, wir machen doch nicht wieder etwa Rückschritte in eine Zwangsbewirtschaftung​ der gescheiterten Sowjetunion ?

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  • Dezember 5, 2015

    Ich bin sehr sicher das es die Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt faktisch gibt, halte aber auch eine Quotenregelung für nicht sinnvoll.

    Die Schweiz ist bezüglich Frauenrechten nun mal ein trauriger Nachzügler in Europa. Erst Anfang der 70er das Frauenwahlrecht, Anfang der 80er ein nicht Frauen diskriminierendes Familienrecht, und erst seit Anfang der 90er verlieren Frauen nicht automatisch das Bürgerrecht bei Heirat mit einem Ausländer (während ausländische Ehefrauen von Schweizern automatisch Schweizerinnen wurden).

    Trotzdem gibt es KEINE Rechtfertigung privaten Unternehmern in die Auswahl geeigneter Bewerber für eine Stelle reinzureden. Menschen einzustellen, die sich dann in eine Firmenkultur und in ein Team integrieren müssen ist ein verantwortungsvoller Job in den – zumindest in den höher qualifizierten Jobs – viele Faktoren einspiegeln. Natürlich wird so manche Personalentscheidung auch durch Chauvinismus beeinflusst (es gibt ja heute noch Leute die verteidigende Worte finden für das fehlende Frauenwahlrecht), aber bringt es das jemandem eine Personalie aufzuzwingen die er eigentlich nicht will? Ich denke nein.

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  • Dezember 6, 2015

    Jede Quote ist Falsch

    Und wenn man schon eine Quote erstellen möchte, dann sicher nicht 30% sondern 50%. Oder wie definiert man nun im BR die Gleichberechtigung? Ist Gleichberechtigung der Frau 30%? Hat man heute ein neues Bild der Gleichheit geschaffen mit 30 zu 70 % sei Gleich?

    Die Frauenquote in Firmen – egal in welcher Stellung, ist ein Abbild unserer Gesellschaft und entwickelt sich in dieser Weise. Kein BR hat die Berechtigung eine Quote für Frauen zu definieren. Der nächste Schritt wäre somit gleichviel Gläubige, wie Ungläubige – gleichviel grüne wie gelbe – usw.

    Nicht die Quote muss verändert werden, sondern das menschliche Denken.

    Und wer immer noch davon überzeugt ist in einem Verwaltungsrat entstehe eine Gleichberechtigung, der glaubt halt weiterhin an den Storch. Gleichberechtigung ist in den Köpfen und nicht in der Anzahl Mandaten oder Sitzen welche man inne hat.

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    • Juli 19, 2021

      Sie haben schon Recht Herr Schweizer.

      Jetzt wird die Lügenpresse uns das lange in unsere Köpfe reinhämmern, bis die Leute glauben, das sei der richtige Weg.

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  • Dezember 6, 2015

    Wie wär’s mit einer Ü50 – Quote, oder eine Kontingentierung der Zuwanderung? Dies würde in vielen Haushalten wieder Ruhe schaffen und der Volkswirtschaft wieder zu besseren Zahlen verhelfen und es müsste auch nicht jede 4. Familie im Ausland einkaufen…

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  • Januar 14, 2016

    Sehr guter Beitrag, danke Herr Hartmann!

    Meine Meinung zu Lohndiskriminierung der Frauen:
    Ich bin der Überzeugung, dass letzten Endes jeder seinen Arbeitsvertrag selber unterschreibt. Wieso unterschreiben die Frauen so was, wenn sie nicht mit dem Lohn einverstanden sind?

    Viele Männer jammern ende Jahr nach mehr Lohn, weil sie leider auch heute noch in den meisten Fällen die Ernährer in der Familie sind. Und auch weil Männer mit viel Geld mehr Zuneigung von Frauen bekommen (leider). Wer immer wieder beim Chef nach mehr Lohn verlangt, erreicht dies eher, als diejenigen die nie fragen. Wird dieser Tatsache, bei den ewigen Lohndiskriminierung von Frauen Diskussionen, Rechnung getragen?

    Wenn Frauen wirklich das selbe leisten wie Männer, dann sollten sie auch den selben Lohn erhalten, keine Frage. Ich denke, das unsere Wirtschaftsbosse clevere Leute sind und nichts auslassen um noch mehr zu verdienen. Wenn die Manager und Chefs mit den Frauen die gleiche Leistung erhalten würden für weniger Lohnkosten, dann gäbe es in allen Kaderpositionen kaum noch teure Männer. Doch heute gibt es offenbar immer noch zu wenig Frauen in Kaderpositionen gem. Angaben den Medien und Frauenorganisationen.​ Wie kommt das? Sind die Wirtschaftsbosse doch nicht so clever wie ich meine oder bekommen sie Erfahrungsgemäss einfach nicht die gleiche Leistung? Ich weis es nicht!

    Ich glaube nicht an Lohndiskriminierung der Frauen. In meinen Augen linke SP-Feministen Propaganda, die leider schon viele Männer glauben. Oder könnten sie sich Vorstellen, wenn sie selber Unternehmer wären, dass sie Jemanden einfach so mehr Geld geben (13x im Jahr) nur weil dieser Jemand ein Mann ist. Sehr absurde Vorstellung.

    Wenn es eine Diskriminierung gibt, dann Frauen gegen sich selber, den die unterschreiben die Arbeitsverträge selber.

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