1. Wirtschaft

Riskante Währungspolitik der Schweizerischen Nationalbank

Massive spe­ku­la­tive ausländische Geldzuflüsse ma­chen den Schwei­zer Fran­ken immer teu­rer. Die Be­wer­tung hat sich längst von der rea­len Volks­wirt­schaft und der rea­len Kauf­kraft ab­ge­kop­pelt. Re­al­wirt­schaft­lic​h dürfte der Fran­ken/Eu­ro-­Kurs nicht unter ca. CHF 1.45 lie­gen.

Man darf vermuten, dass die Auflösung von Euro-Konti und Wertschriften, die EU-Ausländer bei Schweizer Banken halten, eine Rolle spielt. Die bevorstehenden Änderungen der Amtshilfe in Steuersachen zeigen wahrscheinlich Wirkung. Auch der momentane unnatürliche Boom im Schweizer Immobilienmarkt dürfte damit zusammenhängen. Die Preise für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen sind in einem Jahr um 5% gestiegen.

Dazu kommt: jede Kurssteigerung löst kurzfrist an den internationalen Finanzmärkten erneut eine spekulative Nachfrage nach Schweizer Franken aus und treibt den Franken weiter in die Höhe. Die täglichen Finanztransaktionen in Schweizer Franken übersteigen die realen Transaktionen im Warenverkehr in Schweizer Franken um das Vierzigfache.

Als Schweizer kann man sich darüber freuen, dass man in Euroland, aber auch in den USA, billig einkaufen und Ferien machen kann. Auch die Importgüter in der Schweiz sollten billiger werden. Der grösste Teil dieses Vorteils fliesst allerdings in die Taschen der meist ausländisch beherrschten Alleinimporteure. An der Import-Preisfront bewegt sich nur wenig.

Je länger die Spekulation in den Schweizer Franken andauert, umso mehr werden Arbeitsplätze in der Schweiz gefährdet, vor allem in der Industrie. Das trübt die kurzfristige Freude. Innert Jahresfrist haben sich die Schweizer Exportgüter um durchschnittlich 15% verteuert. Die Wettbewerbsposition des Schweizer Werkplatzes hat sich preislich stark verschlechtert. Qualität und langjährige Kundenbeziehungen mögen den Preis noch kurzfristig in den Hintergrund rücken. Aber die Uhr läuft ab.

Betroffen ist nicht nur die direkt exportierende Industrie, sondern mehr und mehr auch deren Schweizer Zulieferer. Die Exportindustrie will das Währungsrisiko verständlicherweise nicht mehr alleine tragen und wälzt die Kosten auf die Zulieferer ab.

Was tut die Nationalbank?

Gegenw​ärtig ist keine Aktivität der Schweizerischen Nationalbank erkennbar, obwohl ihr Risikobewusstsein wächst. So teilt sie In ihrem Dezember-Quartalsheft​ mit, sie sei bereit, einer Deflation entgegen zu wirken.

Die Deviseninterventionen​ vom Frühjahr kamen sie teuer zu stehen. Daher schiebt sie Massnahmen möglichst lange hinaus und nimmt das täglich wachsende Langzeitrisiko für den Schweizer Arbeitsmarkt bis auf weiteres in Kauf.

Dazu kommt ein weiteres Problem: Die Abhängigkeit des Schweizer Frankens vom Euro ist um einen Faktor deutlich über 10 höher als umgekehrt. Die Abwertung des Euros gegenüber dem Franken hat ganz unterschiedliche volkswirtschaftliche Auswirkungen: in Euroland sind sie praktisch nicht spürbar, in der Schweiz dagegen sind die Auswirkungen der Franken-Aufwertung massiv.

Wegen der unterschiedlichen Grössen der Volkswirtschaften und der Gekldmengen bleibt die Frage, ob die Schweizerische Nationalbank überhaupt über taugliche Instrumente verfügt, um sich einer weiteren spekulativen Verteuerung des Schweizer Frankens entgegenzustemmen. Bis heute hat die Nationalbank die Frage unbeantwortet gelassen.

Dennoch: Die volkswirtschaftlichen​ Kosten einer andauernden spekulativen Überrbewertung des Schweizer Frankens sind deutlich höher einzuschätzen als die Kosten von Deviseninterventionen​ in der Bilanz der Nationalbank. Auch wenn die letzteren in den Medien das beherrschende Thema sind. Daran muss die Nationalbank denken und entsprechend handeln. www.eugendavid.ch

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Comments to: Riskante Währungspolitik der Schweizerischen Nationalbank
  • Januar 9, 2011

    Ich glaube nicht, dass die Nationalbank im jetzigen Umfeld (weltweit tiefe Zinsen)eine vernünftige Massnahme treffen kann um den Schweizerfranken zu schwächen. In so einer Situation ist die Politik und vor allem auch die Wirtschaft selber gefordert.

    Die Politik muss Massnahmen ergreifen um den grenzüberschreitenden​ Handel zu vereinfachen. Vor allem müssen Parallelimporte in jedem Bereich zugelassen und die Administration vereinfacht werden. Somit werden die Preise für Importgüter auch in der Schweiz sinken. Dadurch könnten die Löhne und somit die Lohnkosten stabil gehalten werden.
    Eine Vereinfachung des grenzüberschreitenden​ Handels reduziert auch die Kosten für den Import von Zwischenprodukten und den Export von Endprodukten.
    Ein wichtiger Punkt sind auch Freihandelsabkommen mit aufstrebenden Ländern in Asien und Südamerika. Z.B. hat China ja schon angekündigt, dass es ihre Währung dieses Jahr um 5% aufwerten wird.

    Die Wirtschaft kann sich selber helfen, indem sie freiwillig als ihre Handelswährung den Euro definiert. Somit wird die Nachfrage nach dem Schweizer Franken reduziert und somit findet eine Schwächung des Frankens statt.

    Falls sich die Nationalbank gegen diese Einsicht entscheidet, ist es dann wieder einmal mehr der Steuerzahler der die Rechnung bezahlt. Es darf aber nicht sein, dass die Wirtschaft von dem Aufschwung profitiert, einen negativen Aspekt aber wieder auf die Allgemeinheit abwälzt.

    Dann noch eine Bemerkung zum “unnatürlichen” Boom der Imobilienpreise in der Schweiz. Was soll daran unnatürlich sein? Es ist doch eine ganz normale Folge der momentanen Entwicklung. Infolge der Personenfreizügigkeit​ hat die Wohnbevölkerung in den letzten Jahren unverhältnismässig zugenommen. Die Bautätigkeit konnte bei diesem Trend nicht mithalten. Und es gilt halt auch hier das Gebot des Angebots und der Nachfrage.
    Die regionalen Unterschiede hat die Wirtschaft und Politik selber erzeugt. Es findet in der Schweiz eine zentralisierung der Wirtschaft statt. Die Randregionen werden immer mehr vernachlässigt.

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  • Januar 10, 2011

    Die Schweiz ist ein Veredlungsland. Sie importiert Waren um sie veredelt teurer zu verkaufen. Nur der Wertschöpfungsanteil wird durch den starken Franken verteuert.
    Folglich sind folgende Massnahmen sinnvoll:

    – Währungsvorteile der Importe müssen auch bei den Schweizer Betrieben ankommen. Dies erreicht man durch effektiv agierende Wettbewerbsbehörden.

    – Reduzierter MWST Satz für Exporteure (für den Veredlungsteil) und für den Tourismus

    Dass die kleine Schweiz gegen den weltweiten Devisenmarkt spekulieren kann war und ist eine Utopie. Hingegen kann die Nationalbank bei starken Franken Währungen kaufen. Im aktuellen Fall war nicht das Vorgehen falsch, sondern der viel zu frühe Zeitpunkt. Da muss Hiltebrand noch etwas lernen.

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  • Januar 10, 2011

    Allles gut und recht, was da geschrieben wird, doch das Problem bleibt, der Franken ist zu teuer. Die einzige nachhaltige Massnahme ist eine sofortige Abwertung des Frankens. Wem das Wort “Abwertung” widerstrebt, darf ruhig anbinden sagen. Wenn unsere Politiker den Export ruinieren und nur die Banken im Auge behalten, schadet dies unserem Land erneut, die Vergangenheit sollte nicht vergessen werden.

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    • Juli 18, 2021

      Heinz Fankhauser, wie kann der Franken »abgewertet« werden?

      Der Franken wird auf dem Markt frei gehandelt. Die Schweizer Nationalbank hat versucht, durch Mitspielen am Markt den Franken »abzuwerten«. Bei hohem Angebot soll der Preis laut dem Gesetz von Angebot und Nachfrage fallen. Also hat die Nationalbank Franken verschleudert, aber die Nachfrage war so hoch, dass alles absorbiert wurde. Es hat nicht funktioniert. Soll man also den freien Markt für den Franken abschaffen?

      Ich erinnere mich 1986, dass wir die Pflicht hatten, relativ viele Ostmark 1:1 für DM einzutauschen. Inoffiziell war aber eine DM trotzdem viel wertvoller als eine Ostmark. Es war aber den Leuten strengstens verboten, inoffziell zu tauschen.

      Menschen​ versuchen halt immer, das was sie haben gegen etwas, was sie besser finden einzutauschen. Das einzuschränken oder zu verbieten, verletzt die Wirtschaftsfreiheit, die auch in der Schweizer Bundesverfassung unter Art. 94 gesetzt ist.

      Ich fürchte, dass eine »Abwertung« nicht möglich ist. Oder wie stellen Sie sich eine mögliche »Abwertung« vor?

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  • Januar 21, 2011

    Nach einem guten Start und zehn Jahren relativ grosser Währungsstabilität ist der Euro in eine ernsthafte Krise geraten. Es lohnt, sich drei Punkte vor Augen zu halten:

    1) Die Sanierung der Staatsfinanzen wird in der Eurozone noch einige Jahre ein Thema bleiben. Im Moment geht es darum, die jährlichen Haushaltsdefizite unter die Schwelle von 3% zu bringen. Später muss aber auch die im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise stark gestiegene Staatsverschuldung wieder zurückgefahren werden. Dazu genügen geringere Defizite nicht, dazu braucht es Haushaltsüberschüsse!​

    2) Mit Blick auf die Frankenstärke ist das Bild des sogenannten Mokkatassen-Efekts hilfreich. Schon ein kleines Stück Zucker kann erhebliche Wellen werfen (im Vergleich etwa zu einer grossen Milchtasse). Oder anders gesagt: Wenn ein bestimmtes Volumen Euro in US-Dollar umgetauscht wird, dann bleibt der Währungseffekt relativ gering; der dortige Devisenmarkt ist nämlich sehr gross. Wenn dieses Volumen Euro aber in den Franken fliesst, dann sind die Auswirkungen sehr markant; der hiesige Devisenmarkt ist bekanntlich vergleichsweise klein.

    3) Die zahlreichen Vorschläge für interventionistische Massnahmen nehmen vielfach Bezug auf die Frankenstärke nach Aufhebung des Fixkurs-Systems von Bretton Woods. Solche Vergleiche verkennen namentlich zweierlei:

    – Damals wurde der Franken-Markt noch zu einem erheblichen Teil in der Schweiz bzw. über die hiesigen Banken (inkl. Stützpunkte im Ausland) abgewickelt. Heute ist das ganz anders, viel internationaler.

    -​ Die ganzen 1970er-Jahre waren geprägt durch eine Vielzahl von Massnahmen, die – über lange Zeit notabene auf Notrecht beruhend – eingeführt, verschärft, gelockert, wieder aufgehoben und erneut eingeführt wurden. Erst Anfang der 1980er-Jahre war das breite Arsenal von Abwehrmassnahmen wieder beseitigt. Wer sich diese “strube Zeit” nochmals vor Augen führen möchte, findet bei der SNB einen guten Überblick:

    http://​www.snb.ch/de/iabout/​snb/hist/id/hist_wpc/​11
    http://www.snb.ch/d​e/iabout/snb/hist/id/​hist_wpc/12

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  • März 28, 2011

    Ich frage mich warum man nicht einfach die Geldmenge in SFr erhöht, neues Geld schafft, der US Dollar erfährt ja nicht zuletzt durch die Geldmengenausweitung eine Abwertung.
    Das neu geschaffene Geld könnte man in die defizitären Sozialwerke geben.
    Aber vermutlich wird man das nicht wollen, nur um die steinreichen Bankkunden nicht zu verärgern, da diese durch Abwertung des SFr einen Kaufkraftverlust erleiden würden!

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  • Juni 12, 2011

    Negativzinsen: Der Flucht in den Schweizer Franken muss sofort Einhalt geboten werden!

    Die Exportwirtschaft und der Tourismus in der Schweiz leiden zurzeit extrem unter dem hohen Frankenkurs. Weil der Ankauf von Euros durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) keine Wirkung gezeigt hat, bleibt nur noch ein Mittel gegen die Flucht in den Schweizer Franken: Negativzinsen, also eine Kommission (Strafgebühr), welche auf die Einlagen von Ausländern berechnet wird. Es ist unverständlich, wieso die SNB nicht schon heute diese Massnahme zumindest ankündigt, um die Spekulanten zu verunsichern. Zudem könnte damit auch die Gefahr einer Deflation vermindert werden.

    In der Schweiz gab es schon in den 60er-Jahren einerseits eine Verordnung mit der Möglichkeit des Verbots einer Verzinsung auf Frankenanlagen von ausländischen Investoren und andererseits die Möglichkeit einer Erhebung von Negativzinsen von bis zu 10 Prozent pro Vierteljahr. In der Regel gilt eine solche Festlegung nicht von Beginn an, sondern wird erst dann angewendet, wenn z. B. ein gewisser Saldo oder eine vorgegebene Laufzeit überschritten wird. Angewendet wurde die Verordnung Mitte der 60er-Jahre und von Ende Juni 1971 mit Unterbrüchen bis November 1979. Denn in den 70er-Jahren gab es ähnlich wie heute einen grossen Kapitalfluss in die Schweiz. Der Hintergrund: Das internationale Währungssystem befand sich nach der Auflösung des Bretton-Woods-Systems​ mit festen Wechselkursen in einem Zustand der Verunsicherung.

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  • Juni 12, 2011

    Aufwertung des Schweizer Frankens: Bund und Nationalbank schlafen weiter!

    Neben den vergeblichen Devisenmarktintervent​ionen ist Bund und Nationalbank seit Januar 2011 nichts mehr eingefallen, um den Aufwärtsdruck auf den Schweizer Franken zu bremsen. Sollte trotz Bedenken nicht doch das Instrument “Negativzinsen” eingesetzt werden?

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