Am 8. Mai 1945 kapitulierte die Wehrmacht in Reims. Wir gedenken auch dieses Jahr des Beginns des Friedens in Europa. – Beginn des Friedens?

Mit dem Kriegsende 1945 begann sofort das Ringen um die Neuordnung in Europa und in den Kolonien, so in Algerien. Es ist kaum bekannt, dass gleich in den Tagen nach der Kapitulation im nordalgerischen Sétif Truppen der französischen Kolonialmacht Tausende von Algeriern umbrachten, weil sie das Kriegsende mit algerischen Fahnen gefeiert hatten. Bei den darauf folgenden Ausschreitungen der Algerier wurden etwa hundert Franzosen getötet. Frankreich reagierte mit weiterer Repression. Der Nationalsozialismus war am Ende, doch der Kolonialismus lebte weiter. Es sollten fast zwanzig weitere Jahre verstreichen, bis Algerien nach einem langen blutigen Befreiungskrieg (1954 bis 1962) unabhängig wurde.

Was hatte die Schweiz mit dem Algerienkrieg zu tun? Der Algerienkrieg  stiess vor allem in der Westschweiz auf Anteilnahme. Einerseits konnten die Anhänger eines französischen Algeriens auf die aktiven Sympathien aus der Schweiz und der in Algerien ansässigen Schweizer zählen, andererseits stand die Schweiz sowohl französischen Dienstverweigerern als auch algerischen Unabhängigkeitskämpfern mehr oder weniger offen. Es sollen aber auch von Frankreich gesuchte Algerier über die französische Grenze gebracht worden sein, wo sie riskierten in die Folterhände ihrer Verfolger zu fallen.

Das Arbeiterhilfswerk hatte mit seiner Flüchtlingshilfe in der Schweiz gegen die Behörden nicht einen leichten Stand. Es wurde oft unter dem Vorwand der Neutralität behindert, wie schon während des spanischen Bürgerkrieges.

Immerhin konnte das Arbeiterhilfswerk in La Marsa (Tunesien) zusammen mit algerischen Flüchtlinge ein Jugendheim und eine Mehlmühle errichten. Es lieferte zwei Ambulanz-Fahrzeuge und übernahm die Betriebskosten für das Jugendheim sowie der Lehrwerkstätten.

Die aktuelle Flüchtlings- und Kriegslage verpflichtet uns, am Gedenktag zum Kriegsende auch über die jeweilige Rolle der Schweiz in Kriegen und Krisen nachzudenken, und immer noch und immer wieder muss eine solidarische Asylpolitik gefordert werden. Sind Sie auch dieser Meinung?

Personen haben auf diesen Beitrag kommentiert.
Kommentare anzeigen Hide comments
Comments to: VOM KRIEGSENDE AM 8. MAI 1945 ZUM ALGERIENKRIEG 1952
  • Mai 7, 2022

    Vor dem Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa am 8. Mai hat der Präsident der FDP und Bundesfinanzminister Christian Lindner die Ankündigung pro-russischer Demonstrationen in Deutschland scharf kritisiert:

    «Mit der verbrecherischen Herrschaft von Wladimir Putin sollte sich niemand solidarisch erklären. Diese Leute sollten sich fragen, ob es umgekehrt in Moskau möglich wäre, für die Ukraine zu demonstrieren. Das zeigt doch alles», sagte Lindner.

    Russland hat 1945 mit Millionen Gefallenen einen entscheidenden Anteil am Sieg über das nationalsozialistische Deutsche Reich errungen. Es wäre aber stossend, wenn es diesen Gedenktag als Siegesfeier über die Ukraine missbrauchte.

    Kommentar melden

Kommentar schreiben

Neuste Artikel

  1. Politisches System
Femizide: SP plant Volksinitiative SP und Grüne befinden sich in einem Formtief. Die politischen Schwergewichtsthemen EU, Migration und Asyl werden von der SVP erfolgreich bewirtschaftet. Die Bürgerlichen drängen auf einen Ausbau des Verteidigungsbudgets; in Anbetracht des Ukraine-Krieges nicht ganz unverständlich. Die prekäre Finanzlage des Bundes lässt einen Ausbau des Sozialstaates und des nicht mehr prioritären Klimaschutzprogramms kaum mehr zu. Was tun, wenn einer Partei die zugkräftigen Themen ausgehen? Man setzt auf emotional aufgeladene und von der Mehrheit der Wählerschaft gut versteh- und nachvollziehbare politische Nebenthemen wie Frauenschutz, Mutterschutz, Kinderschutz, Lärmschutz, Tierschutz, das Gendern oder die IV. Mit Hilfe solcher „Emotionsthemen“ kann man neue Wählerschichten gewinnen und davon ablenken, dass man eigentlich die grossen Themen der Bürgerlichen in eine andere Richtung lenken möchte.
  1. Finanzen & Steuern
Kantonaler Wettbewerb: Der Aargau hat ein Ressourcenproblem! Der Kanton Aargau bezieht Finanzausgleich, weil seine steuerlich ausschöpfbaren Ressourcen knapp 20 Prozent unter dem schweizerischen Pro-Kopf-Durchschnitt liegen. Wenn man die einzelnen Komponenten des Ressourcenpotenzials betrachtet, dann ist der Unterschied vor allem bei den Gewinnen der juristischen Personen gross. Zudem weist der Aargau eine unterdurchschnittliche Firmendichte auf.

Bleiben Sie informiert

Neuste Diskussionen

  1. Die EWR-Frage war keine Frage des Freihandels oder des Zugangs zum Binnenmarkt, nein: Es war eine Frage der Demokratie. «Solange…

  2. Welche Folgen sehen Sie mit dem Vorschlag gemäss Ihrem Beitrag? Die Schweiz kann sich nicht annähernd selbst versorgen. Importe, Exporte…

Willkommen bei Vimentis
Werden auch Sie Mitglied der grössten Schweizer Politik Community mit mehr als 200'000 Mitgliedern
Tretten Sie Vimentis bei

Mit der Registierung stimmst du unseren Blogrichtlinien zu